Was kann ich tun … ?

Junge Leute in Zeiten von Corona

Bisher wurde ja immer kolportiert, dass junge Leute Corona nicht fürchten müssten. In den letzten Tagen gab es Informationen zu einigen, zum Glück wenigen Todesfällen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Schon bekomme ich Anfragen, was man tun könne.

Mein Rat:

a) Achtet darauf, dass ihr nicht mit Viren überschwemmt werdet. Also, eine niedrige Viruslast am Anfang erscheint mir für den Verlauf unproblematischer, als eine von Anfang an hohe Belastung. Ist die Viruslast am Anfang niedrig, hat das Immunsystem wahrscheinlich mehr Zeit sich darauf einzustellen und erste Antikörper zu bilden. Antikörper entstehen nicht ad hoc, die brauchen etwas Zeit. Also, Distanz halten!

b) Andere, banale Infekte vermeiden. Ich kann mir theoretisch vorstellen, dass eine durch einen anderen, sonst banalen Infekt der Atemwege schon lädierte Schleimhaut durch den Virus effektiver anzugreifen ist. Also, Infekte vermeiden. Oma Anna selig pflegte früher zu sagen: „Kind, zieh ein Hemd an, sonst wirst du krank!“ Und welcher junge Mensch weiss denn heute aus eigener Erfahrung noch was „ein Hemd“ ist?

c) Sport kann der Erhaltung der Gesundheit dienen, keine Frage. Zu viel Sport allerdings kann bei einem x-beliebigen Infektgeschehen, selbst beim banalsten Infekt, tödlich sein. So auch bei Corona! Zumal wir ja gelernt haben, dass von der Infektion bis zum Auftreten der ersten Symptome mehrere Tage vergehen können. Wenn ich mich gerade in dieser Inkubationszeit starken Belastungen unterziehe, kann dies ggf. ein Organversagen provozieren. Wenn überhaupt Sport, dann moderater Ausdauersport, Frequenzen nicht über 130 Schläge pro Minute und Vermeidung von Übungen, die durch Bauchpresse den Druck im Brustkorb erhöhen, wie etwa beim Heben schwererer Lasten. Beim Fahrradfahren bei den aktuellen Temperaturen ist ein Mundschutz vernünftig, nicht wegen der Viren, sondern wegen der möglichen Schleimhautreizung.Also, Sport zum Wohlfühlen ist in Ordnung, Sport unter einem Leistungsaspekt für die Zeit deutlich reduzieren, besser ganz vermeiden! Denn tot zu sein ist letztendlich unangenehmer, als 1 cm mehr Bauchfett.

d) Vernünftig ist es alles zu vermeiden, was den Körper sonst noch belastet: Rauchen, Alkohol, Drogen aller Art, Koksen ruiniert die Nasenschleimhäute, Kiffen die Schleimhäute der oberen Atemwege. Medikamente, die nicht unbedingt notwendig sind. solltet ihr meiden. Ist der Körper infiziert, braucht er seine Energie zur Abwehr des Virus. Wenn ich ihn dann noch mit anderen Dingen belaste, kommt er an die Grenzen seiner Kompensationsmöglichkeiten und der Virus triumphiert.

e) Ansonsten müsste ich noch raten: Vermeidet allen längeren seelischen Belastungen, aber wie soll das in dieser Zeit gehen?

Mehr fällt mir „aus der Lameng“ nicht ein. Wer noch Ideen hat, kann gern ergänzen, ich würde mich freuen.

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Aber letztendlich, ist – trotz unserer Vorsicht – alles irgendwie vergänglich.

Der Baumstamm hatte vor rund 8 Jahren einen Durchmesser von ungefähr 80 Zentimetern ….

Tag 10 des Corona-Notstandes

Die Medien stolpern über die eigenen Füsse

Die Zeiten sind schwer, weil, sie sind nicht mehr wie sie Jahre, teils Jahrzehnte zuverlässig waren.

Bis vor wenigen Wochen schienen die Dinge absolut und unerschütterlich.

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Frau Merkel hockte und hockt seit rund anderthalb Jahrzehnten auf dem Kanzlerstuhl, man wusste wie sie tickt, darauf konnte man sich verlassen und ein „guter“ Medienmensch hätte ihre Rede schon kolportieren und nachplappern können, bevor sie sie überhaupt gehalten hatte.

Der Windschatten hinter Merkel war ein gutes Fahrwasser für Medienmenschen, die etwas werden wollten.

Es reichte glatt sich an die Vorgaben des Regierungssprechers Seibert zu halten, die Dinge brav zu wiederholen, dabei war es durchaus von Nutzen wenn man die Stirn gut in Falten legen und der Stimme ein gewichtiges, dunkles Timbre geben konnte.

Jubelarien wurden nie bestraft und wer trotzdem – versehentlich – in dieser und jener Formulierung einmal „daneben“ trat, wurde zuverlässig vom Shitstorm der hypermoralischen Öffentlichkeit eingeholt. Da brauchte sich nicht einmal der Intendant oder der Chefredakteur die Finger selbst schmutzig machen, das erledigte das Publikum gründlich. Die Aufgabe der „Verantwortlichen“ bestand dann lediglich noch darin, sich im Namen der unbotmäßigen „Untergebenen“ öffentlichkeitswirksam zu entschuldigen.

Das machte echt Laune, da lachte das wackere Journalistenherz.

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Interessanterweise tauchte dann ab und zu immer mal ein Spielfilm auf, in dem junge, engagierte Journalisten investigativ agierten und dabei von ihren Chefs bis auf’s Messer verteidigt wurden. Nicht selten floss Blut und am Ende siegten fast immer die Guten. Nein, nein, nicht die Regierung, sondern die jungen Investigativen siegten auf der letzten Rille.

Aber wie gesagt, das passierte lediglich im Spielfilm, in realiter habe ich das glücklicherweise in den letzten 15 Jahren nicht erleben müssen. Entweder gibt es nichts aufzudecken oder die jungen Wilden hüten sich, weil sie auch irgendwann einmal „etwas werden wollen“.

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Was hätte es auch geben sollen? Innenpolitisch war alles klar definiert, Frau Merkel und ihr Hofstaat waren prinzipiell im Recht. Eine im Grundgesetz verankerte parlamentarische Opposition zur Regierung fand nicht statt und da, wo es die durch und durch unbedarfte Truppe der AfD – nach Lucke und Strabatty – mit meist untauglichen Mitteln versuchte, wurde sie unisono abgeblockt. Regierung und sogenannte Opposition stehen Schulter an Schulter, fest wie ein Fels. Ist ja auch logisch, die Grünen wollen mit den Schwarzen in die nächste Regierung, also können sie sich ja nicht gegenseitig das Klima vergiften. Und die LINKe will mit SPD und Grünen nach Möglichkeit eine RRG-Regierung bilden, auch da gilt es leise zu treten.

Wie lautet doch ein hehrer Grundsatz unser Politik: Erst das Amt, dann die Partei und zuletzt das Land.

Die Medienwelt wäre ja dämlich sich dagegen zu stellen, schließlich will man ja auch dort etwas werden. Und, wie in den Filmen seine investigative Tätigkeit gerade noch so zu überleben, welcher junge Journalist will das schon?

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Da die Medien aber trotzdem „liefern“ müssen, geht es unisono gegen die Standardfeinde. Die AfD bettelt geradezu um Schläge, Trump und Boris Johnson pfeifen auf jede Form politischer Etikette, sodass sich die Medien unbesehen darauf verlassen können, dass sie den gewünschten Stoff geliefert bekommen und dass deutsche Medien international hochgefragt sind, behauptet nur der, der es nicht besser weiss. Und sind die einmal doch nicht greifbar, zeigt sich der frühere Liebling der Medien und der Kanzlerin Herr Macron neuerdings eigensinnig und flötet gegen den sakrosankten Kanzlerinnen-Wind.

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Nun kommt da dieser dämliche Virus daher und das Schlimmste, er macht nicht das, was die Kanzlerin sagt.

Solange er sich allein in China austobte konnten unsere Medien dasselbe an und mit China tun. Schuldzuweisungen, Spott und Häme, so wie auch jetzt über Italien, die Insel oder die USA. Dabei ist unsere Kaiserin selbst nackt, sogar splitternackt. Niemand auf dieser Welt weiss, wie das epidemische Geschehen weiter gehen wird.

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Wir haben bisher Glück gehabt, ich behaupte weniger durch die Kunst der Politik, als durch die „genetisch bedingte“ Disziplin unserer Menschen. Das, was wir mit unserem „preußischen Geist“ tun, packen sonst nur noch die Asiaten, wobei die inzwischen sogar die besseren „Preussen“ sind. Hätten wir uns allein auf die Kunst der Politik verlassen und wären die Menschen nicht so stoisch diszipliniert, wie sie sind, hätten wir jetzt nicht nur keine Masken und keine Schutzkleidung, möglicherweise auch keine Gesundheit oder kein Leben mehr.

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Nur das kann man ja nicht schreiben oder auf die Mattscheibe bringen, das wäre nicht karrieretauglich.

Also arbeitet man sich, laufend über die eigenen Füsse stolpernd, am Ausland ab.

Es tut mir leid, aber ich freue mich über weltweit jeden (noch) Nicht-Erkrankten, ich bin ein ‚klein bisschen neidisch‘ auf jeden, der es bereits überstanden hat, gleich ob er in Wuhan. Hongkong, Tokio, Bergamo, Paris oder New York zu Hause ist. Und ich verstehe die Bestürzung und die Trauer um die Opfer, gleich ob dieser Mensch weiss oder farbig, Christ, Hindu, Muslim oder Atheist war.

Was ich nicht will ist diese Art „Kriegsberichterstattung“ mit ellenlang ausgeschlachteten Zahlenreihen von Erkrankten und Todesopfern. Das erinnert mich ganz stark, zu stark an die Frontberichterstattung in Kriegszeiten, es fehlen nur noch die Fanfaren der „Deutschen Wochenschau“.

Ich will auch nicht diese dämliche Schuldzuweisung an ausländische Politiker, sei es Trump, Johnson, Orban oder was weiss ich, wer „uns“ gerade noch nicht genehm ist. Weder Trump noch Orban haben das Virus in die Welt gesetzt und wer am Ende die bessere Strategie des Umgangs damit hatte, werden wir erst nach der Pandemie wissen.

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So, das musste sein, jetzt gehe ich in meinen ganz sicher coronafreien Garten, ich will mich um meine Tomatenpflänzchen kümmern.

In ein paar Wochen wird sich der Virus auch bei uns genügend ausgetobt haben und ich bin mir sicher, er wird mich nicht im Sommer an der Ernte meiner selbstgezogenen roten, weissen und schwarzen Tomaten hindern können. Es wäre schön und ich hoffe es, Euch allen dann damit den Mund wässrig zu machen. Obwohl, ich weiss, es gibt auch Menschen, die essen keine Tomaten, die können sich ja – so sie wollen – dann anderweitig freuen.

„Man muss sich doch kümmern …“

Unser schlechtes Gewissen in Zeiten von Covid-19

Ich habe ein schlechtes Gewissen.

Ich falle der Gesellschaft zur Last, die Jungen müssen sich um mich kümmern, sie müssen Rücksicht auf mich nehmen, auf vieles verzichten und sogar ihre soziale Zukunft steht – wegen meines bißchen Lebens – auf dem Spiel.

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Offenbar braucht der Mensch immer irgend etwas, worum er sich gerade kümmern kann?

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Sich zu kümmern macht ein gutes Gefühl. Da ist jemand, der kann meine Hilfe, der kann mich brauchen, weil er – hoffentlich – schwach ist (und bleibt). Ich dagegen bin stark, zumindest stärker als er. Für den Kümmernden entwickelt sich eine selbstüberhöhende Bindung und nicht selten daraus ein unmittelbares Abhängigkeitsverhältnis, er ‚richtet sich‘ an seiner eigenen Großartigkeit auf und wird damit gut eigene Schwächen kaschieren. Eigentlich kann er damit das Opfer seines Kümmerns nicht mehr aus seinen Pranken lassen.

Der „Bekümmerte“ wiederum erstarrt oft im angenehmen Zustand des – gerade noch ausreichend – „Versorgtwerdens“. So wie etwa der chronische Transferbezieher, der mit H-IV, Wohngeld und kostenfreier Krankenkasse ganz gut über die Runden kommt, sich vielleicht finanziell sogar besser steht, als meine Verkäuferin am Bäckerstand, die morgens schon einmal 1 oder 2 Stunden ohne Entlohnung vorarbeitet. Was genau sollte die Motivation des ‚Bekümmerten‘ sein, sich aus dieser Abhängigkeit zu befreien? Ich sehe keine.

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Für viele Kümmerer/Kümmerinnen besonders geil war in den letzten Jahren das Kümmern um „den Flüchtling an sich“. Es war und ist faszinierend, wie sich meist erwachsene bis lebenserfahrene Damen um junge gesunde, männliche Flüchtlinge scharten, sie mit Teddybären bewarfen und ihnen spontan das Herz, nicht selten auch Wohnung und Geldbörse öffneten.

Einer meiner Angstpatienten, einer von drei Geschwistern einer Lehrerfamilie, fasste das Phänomen kurz und knackig zusammen: „Wenn sich unsere Mutter früher so hingebungsvoll um uns gekümmert hätte, wie jetzt um ihre Flüchtlinge, das wäre schön gewesen.“

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An sich ist ja Mitgefühl und Hilfe etwas Gutes, solange dem Bekümmerten damit nicht die Luft genommen und ihm vermittelt wird: ‚Ich kümmere mich um dich, du brauchst selbst nichts zu tun, als das, worum ich dich bitte.‘ Eigentlich müsste es heissen, ‚Ich lasse Dir von Deiner Persönlichkeit das, was ich gerade zum eigenen Wohlfühlen nicht unbedingt brauche‘. Es impliziert, ‚ich und nur ich, weiss was für Dich richtig ist‘. Es entmündigt den Bekümmerten.

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In den letzten, durch Corona dominierten Wochen ist nun völlig überraschend der Flüchtling etwas aus dem Blick geraten und es wurden die Alten, neuerdings auch Risikogruppe genannt, als neues Objekt des Kümmerns entdeckt.

In mindestens jedem zweiten Satz im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie taucht der Vorwurf auf, man tue doch dies alles nur um die armen Alten und „Vorgeschädigten“ zu schützen. Unausgesprochen steht der Vorwurf im Raum: die Jungen opfern sich und ihre Zukunft nur im Interesse des Schutzes der Alten.

Ohne Zweifel gibt es in der Generation 60 + Menschen die Hilfe brauchen und allein nicht mehr zurecht kommen. Ich sehe es jeden Tag im Beruf, obwohl mein persönliches 60+ schon ganz schön weit zurückliegt.

Ich wehre mich aber vehement dagegen, dass die jungen Kümmerer davon ausgehen, dass wir hilflos herumsitzen und darauf hoffen, dass ihr uns helft mit unserem Leben klarzukommen.

Verdammt, wir kommen besser mit uns klar, als ihr vielfach mit Euch. Und, für einen alten Menschen haben Krankheit und Tod einen ganz anderen und keinesfalls so pathologisch-panischen Stellenwert, wie ihr glaubt. Wir wissen um die Endlichkeit des Lebens, akzeptieren sie und kleben nicht an jedem weiteren Tag des Lebens, wie die Klette im Haar.

Wenn ihr glaubt zu wissen, was für uns richtig und gut ist, dann irrt ihr Euch.

Ihr solltet Euch nicht selbst überhöhen, indem ihr behauptet, euch einredet, ihr würdet den „Kampf“ gegen Covid-19 der Alten wegen führen. Ihr führt ihn im eigenen Interesse und er dient nicht zuletzt der Überwindung eurer ureigenen Ängste.

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Ich denke, gemeinsam werden wir es schaffen der Pandemie den Schrecken zu nehmen. Und ja, es werden Menschen sterben, jedes Leben endet mit dem Tod. Das ist so, ganz einfach. Und ich werde früher sterben, als meine Kinder und die wiederum früher als die Enkel. Das ist der ewige und gerechte Kreislauf unseres Lebens.

Tag 9 des Corona-Notstandes

Es ist, wie es ist.

Waren die ersten Tagen unseres Corona-Notstandes noch von einer gewissen, gespannten Neugier gekennzeichnet, wendet man sich nun langsam der neuen Realität zu.

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Die Rentner leben bei der Parkplatzsuche schon wieder so richtig auf, warum sollte man denn nicht auch einem möglicherweise Corona-Infizierten „den Vogel“ zeigen dürfen? Ja, wo leben wir denn! Der Stinkefinger dagegen ist nach wie vor beim deutschen Rentner noch nicht so richtig beliebt.

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Heute morgen konnte ich beim morgendlichen Besuch am Bäckerstand erleben, dass sich ein Rentner laut mokierte: „Die steht aber och nicht einsfuchzich weg!“ JA, wahrscheinlich waren es tatsächlich nur 1Meter 49?!

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Vor dem REWE ein Rentnerehepaar beim Abholen des Einkaufswagens: Er hat eine Packung Desinfektionstücher in der Hand, reicht ihr einen feuchten Lappen: „So, jetzt kannst’e dir die Stange abwischen.“ Was sie auch brav und gründlich erledigt. Dann reicht er ihr ein zweites Tuch: „Damit machst’e dir jetzt die Hände sauber.“ Was sie auch tut, er wirft beide Tücher in den nächsten, noch an der Leine liegenden leeren Wagen. Meine naive, unbeholfene Frage: „Und was macht der Nächste jetzt mit ihrem Abfall?“ Die Antwort ist klar: „Das geht dich gar nischt an.“ Womit er wohl recht hat.

Alles schon wieder wie immer!

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Die Medien haben es derzeit auch schwer, das Thema Corona ist ausgeleiert und sonst passiert nichts. Die regionale Tageszeitung wird gefühlt von Tag zu Tag dünner, die Schrift immer größer und den Rest füllen nichtssagende Fotos.

Trotzdem wird immer mal wieder ein Thema aufgepeitscht, seit Tagen ist es die „Häusliche Gewalt“. Irgendjemand hat beschlossen, dass die soziale Regression unabänderlich zu einer Zunahme familiärer Gewalt führen müsse. Es wird hoch und runter diskutiert. Selbst mein sonstiger Lieblingssender macht einen „Thementag“ dazu und Spezialisten und Experten jeglicher Couleur deklinieren „Das-möglicherweise-Eintretende“ stundenlang von vorn nach hinten und von hinten nach vorn.

Ich vermute mal, wer bisher seinen Partner/Partnerin nicht gewohnheitsmäßig immer mal nachdrücklich und handgreiflich an seine/ihre „Pflichten erinnert“ hat, wird es auch jetzt nicht tun. Und die, die es bisher genossen haben, werden ihrer Gewohnheit, ‚er gegen sie‘ und ’sie gegen ihn‘ auch weiterhin genüsslich frönen.

Allerdings lässt sich vermuten, dass bei zu eifriger „Öffentlichkeitsarbeit“ zum Thema die Zugangsschwelle für potentielle Täter sinken wird. Wenn dann die Zahl der Delikte – wie herbeigeredet – wirklich ansteigen wird, ist das „öffentliche Breittreten“ ein nicht zu unterschätzender Trigger gewesen.

Also auch hier der Rat, solange nichts passiert ist, eher mal die Klappe halten.

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Zwischen Schuppentier und Wildschwein

Woher kommt Corona?

Aktuell weiss niemand sicher, woher der Corona kommt. Als möglich wird gesehen, dass er in Wuhan von einem Schuppentier auf den Menschen übergesprungen sein könnte. Das Schuppentier sei Träger eines Virus, welches hinreichende Ähnlichkeit mit unserem aktuellen Quälgeist hat.

Das Schuppentier gilt in China als Delikatesse, woran auch der Umstand nichts ändern kann, dass das Tier vom Aussterben bedroht ist. Das sehen die Gourmets dort nicht so eng.

Soweit so schlecht.

Und schwups gibt es viele, selbst in den Medien, die genau wissen, dass nur die abstrusen Ernährungsgewohnheiten der Chinesen am Corona-Elend dieser Welt schuld sind. „Wer isst schon Wildtiere, die sind doch irre.“

Ja, wer isst schon Wildtiere?

Wer isst schon ohne Not einen „gespickten Hasen„? Ich denke dabei nicht das frühere Folterinstrument, welches den Delinquenten unendlichen Schmerz bereitete. Ich meine vielmehr das feine Feldhäschen, verfeinert mit Speck, Kräutern und einem guten Riesling.

Bisher habe ich noch nicht gehört, dass sich – außer Vegetariern und Veganern – jemand vor einem lecker zubereiteten, zarten Rehrücken geekelt hätte.

Wildschwein soll angeblich nicht jedermanns Sache sein, mir ist bisher noch kein Wildschweinbraten auf den Teller gekommen, welcher Übelkeit oder gar Erbrechen ausgelöst hätte. Wildschwein mit Steinpilzen, Maronen und Thüringer Klößen – ein Genuss.

Besonders bekömmlich sind zwei Rebhühnchen mit Pfifferlingen und Backpflaumen, da braucht es nicht einmal eine „Beilage“.

Aber was rede ich eigentlich für dummes Zeug, wer isst schon Wildtiere? Sicher nur diese „primitiven Asiaten“.

Gute Nacht, hoffentlich ohne Husten, Fieber und Schüttelfrost. Und immer schön dran denken, Wildtiere zu essen ist abstrus – aber nur bei den Anderen.

Die Mistel der Gesellschaft …

Im Vorbeifahren fiel mir diese Mistel auf der Birke auf.

Misteln sind parasitisch lebende Gefäßpflanzenarten, die direkt an Sproßachsen ihrer Wirtspflanzen parasitieren.

Jeder von Euch kennt wahrscheinlich die kugelig wachsenden Pflanzen, die auf Laubholz, Nadelholz und Föhren wachsen oder hat sie zumindest schon gesehen. Auf unbelaubten Bäumen werden sie auf die Entfernung häufig mit Vogelnestern verwechselt.

Misteln, schön anzusehen, häufig auch auf alten Apfelbäumen, leben parasitisch auf dem Wirtsbaum, saugen ihn aus, nehmen ihm die Kraft. Wachsen sie ungestört sind absterbende Äste und Bäume, die ihnen in toto erliegen, die Folge.

Wenn man so will, ist die Mistel auf dem Foto der „Virus“ dieser sehr großen Birke.

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Andere Parasiten machen mir viel mehr Streß als Misteln. Das sind zum Beispiel die Parasiten der Gesellschaft, die sich jetzt an der Corona-Bedrohung der Menschheit schamlos bereichern, etwa wenn sie irgendwo Atemmasken oder anderes Schutzmaterial „organisieren“ oder klauen und dann überteuert „auf dem freien Markt“ weiterverkaufen.

Eine Atemmaske kostet in „normalen Zeiten“ deutlich < 1 Euro, diese Parasiten bieten sie jetzt auf dem „freien Markt“ für 8 – 10 Euro das Stück an. Und in den Praxen und Kliniken infizieren sich unsere Mitarbeiter, weil unsere unfähige Politik nicht in der Lage und Willens ist, diesem kriminellen Treiben ein Ende zu bereiten. Oder, anderweitig genügend Schutzmaterialien für unsere Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen.

Wie sagte doch Herr Spahn noch vor wenigen Wochen im Brustton tiefster Überzeugung: „Wir sind gut gerüstet.“ Auch ich Dämel habe ihm geglaubt.

Ich bin wahrlich kein Freund von Gewalt, aber gegen diese Gauner in praktischen Kriegszeiten hilft nur „standrechtliche“ staatliche Gewalt. Enteignen diese Leute und bestrafen mit allem, was das Gesetz hergibt. Und wenn das Gesetz zu weich ist, um Menschen vor dem vermeidbaren Tod im Beruf zu schützen, dann muss es eben strikt für diese Zeiten geändert werden. Es darf nicht sein, dass Profit über Menschenleben geht.

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Ich mag keine gesellschaftlichen Misteln, jetzt noch weniger, als in „normalen“ Zeiten.

Sollte sich irgendwann der „gerechte Volkszorn“ solcher „Gewinnler“ annehmen, ich werde keinen Finger zu ihrer Verteidigung rühren.

Tag 8 des Corona-Notstandes

Trennt sich die Spreu schon vom Weizen?

Heute morgen auf dem Weg nach Hause kurzer Halt beim EDEKA, Punkt 8.00 Uhr. Der große geräumige Markt ist noch fast leer, alle Regale voll beräumt, nichts fehlt, wobei die billigere „Hausmarke“ deutlich weniger vertreten ist als sonst. So gehen die Ausgaben hoch, aber dann überlegt man vielleicht eher, was man tatsächlich braucht.

Ein junger Mann stürmt an mir vorbei, in jeder Hand zwei Packungen Klopapier, der Marktleiter tritt an ihn heran und nimmt ihm wortlos 2 der 4 Packungen aus der Hand. Er lässt es kommentarlos geschehen, ich finde es in Ordnung.

Die Menschen halten Distanz, das Personal hilft, sobald gemerkt wird, dass jemand, wie ich, ein ungeübter Einkäufer ist. So verkürzen sich die Aufenthaltszeiten – eine sehr schöne und nützliche Regelung.

Die Kassiererinnen sind vernünftigerweise durch Plexiglas geschützt, dass sie nicht unbedingt auf „überflüssige“ Konversation aus sind, ich verstehe es. Es geht mir in der Klinik auch so.

Am Bäckerstand einer großen, gut verdienenden Thüringer Bäckereikette aus Meiningen steht die Verkäuferin dagegen völlig ungeschützt. Ich finde es unverantwortlich, auch wenn die Kollegin selbst sagt: „Wir sollen ja auch etwas bekommen, aber wir haben ja viele Filialen….“ Das mag sein, aber ich kenne einige/viele Handwerker, die in diesen Wochen liebend gern jeden Auftrag annehmen, daran kann es also nicht liegen. In der gegenwärtigen Situation halte ich dies von Seiten „der Chefs“ der Nahrstedt- Kette für eine schwache Kür, um nicht zu sagen „so für nicht zu verantworten“.

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Aufgefallen ist mir, dass „je näher Corona rückt“, desto mehr trennt sich auch in der Öffentlichkeit die Spreu vom Weizen.

Ein „Landesvater“, sprich Ministerpräsident, eines großen Bundeslandes, der sonst keine Gelegenheit auslässt seine Nase in jede sich bietende Kamera zu halten, steht plötzlich zitternd und mit Schweißperlen auf der Stirn vor der Kamera und redet stotternd „über die Rolle der Bedeutung“. Dabei will ich gar nicht erwähnen, dass er verkündet, die „LKW’s mit den Schutzmaterialien sind unterwegs und werden bald vor Ort eintreffen“. Eine Aussage, die man positiv als „nicht zutreffend“ und negativ als Lüge bezeichnen kann, nach Aussage der Kollegen in „seinem“ Bundesland sind sie nämlich bis heute nicht „vor Ort“ angekommen.

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Zuversicht beim „gemeinen“ Bürger vermittelt es nicht, wenn der gesundheitspolitische Experte der SPD mit der Fliege heute im moma, daherkommt, als wäre er noch im Bett liegend und dabei mehr oder weniger stotternd über die eigene Befindlichkeit klagt.

Ich kann durchaus verstehen und akzeptiere es auch, dass nicht Jeder psychisch der Situation und der Verantwortung gewachsen ist. Das ist menschlich, aber keiner muss Politiker sein und nicht jeder muss sich jederzeit vor die Kameras drängeln. Wenn man merkt, dass man seine Grenzen erreicht hat, „einfach mal die Schnauze halten“ so man nichts zu sagen hat oder auch momentan nichts sagen kann.

Zu Recht erwarten die Bürger andererseits gerade jetzt ein gewisse Medienpräsenz der Verantwortlichen. Unser Thüringer MP, in den vergangenen Wochen bis zu seiner Wiederwahl äußerst medienpräsent, scheint nun die Kameras wie der Teufel das Weihwasser zu meiden. Ab und zu in der Presse eine dürre Verlautbarung, ansonsten „tote Hose“. Übrigens ist die ganze Thüringer Landesregierung für den Bürger face-to-face schlichtweg „abgetaucht“. Wahrscheinlich arbeiten sie bescheiden wie die Bienchen im Hintergrund? Was sie wiederum ehren würde.

Aber liebe Politiker, wenn ein Sturm aufzieht, gehört der Kapitän mit seinen Offizieren sichtbar auf die Brücke und nicht schutzsuchend hinter den nächsten Baum.

Es muss ja nicht unbedingt so dominant und raumfüllend wie bei Markus Söder sein, nicht jedem ist die Fähigkeit „der großen Rede“ gegeben, aber Präsenz, die schlichte, ehrliche Präsenz „seiner“ Politiker darf der Bürger erwarten, dafür hat er sie gewählt und dafür bezahlt er sie.

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Die "Maßnahmen" greifen …

Es ist faszinierend, wie konsequent die Einschränkungen des sozialen Zusammenlebens umgesetzt werden.

In Thüringen gehen wir besonders stringent damit um.

Selbst die Zahl der Windräder pro Berg wird reduziert, mehr als 2 Stück pro Anhöhe werden postwendend und rigoros abgebaut.

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Im Gegenzug haben wir uns angeblich in Kenia 2 Millionen Atemschutzmasken klauen lassen. Was machen eigentlich Atemmasken für Deutschland auf einem Flugplatz in Kenia?

Tag 7 des Corona-Notstandes

Ruhe vor dem Sturm

Wieder einmal ein Morgen nach dem Nachtdienst.

Die Straßen werden scheinbar von Tag zu Tag leerer. Selbst die Verlässlichkeit derer, die mir morgens entgegen kommen, ist weg. Weder der „Mustang“ noch der „Ypsilon“ tauchen auf. Ich merke, dass ich fast enttäuscht bin und beginne mir zu überlegen, was mit ihnen sein mag. Ich weiss es nicht, das verunsichert mich etwas.

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Die viel beschworene Anti-Corona-Solidarität unter den Menschen, so es sie je gegeben wird, wird spürbar brüchig. Patienten berichten, dass sie außerhalb des Klinikgeländes von den Einheimischen zunehmend angefeindet und hinter die Mauern unseres zum Glück großen Anwesens verwiesen werden. Ich erspare mir den Begriff „gejagt werden“. Die Polizei bittet uns auf die Patienten einzuwirken, dass sie innerhalb des Geländes bleiben, um Konflikte zu vermeiden. Worin genau zeigt sich Solidarität? Wenn hie und da einige Städter abends auf ihren Balkons singen, spielen oder klatschen, so ist dies vielleicht berichtenswert und rührt manche zu Tränen, aber Solidarität ist in meinen Augen etwas Tätiges, alles andere ist wohlfeil.

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Es sollen vernünftigerweise „soziale Entfernungen“ eingehalten werden. Viele, ich denke die meisten halten sich daran, ich wundere mich, dass im Internet noch keine „Corona-Maße“ à 1,5 Meter angeboten werden. Schwer sollte es doch nicht sein, aus Holzlatten oder Besenstielen entsprechende „Massstäbe“ anzufertigen. Ich werde darüber nachdenken.

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Es gibt aber natürlich auch einige Unbelehrbare, die sind schlichtweg nicht zu erreichen. Nicht nur in Ischgl, im Zillertal oder jetzt in Are in Schweden, auch hier vor Ort, so wie auf dem Hühnerhof unserer jungen Leute.

Mehrfach aber völlig vergeblich habe ich den Hühnern erklärt, dass sie 1,5 Meter Abstand halten sollen, sie bleiben stur. Sie werden schon merken, was sie davon haben.

Allerdings erfahre ich, dass sie derzeit nach der Winterpause sehr gut legen. Nestfrische Eier, lecker und jeden Tag wieder eine Freude, die Eier abzunehmen. Nicht alle lassen sich von Corona schrecken.

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Ich wünsche Euch allen einen strahlenden Frühlingstag.

Alles Wachstum oder … ?

Tomaten, Tomaten und nochmals Tomaten …

Ich liebe es im Garten Wachstum zu erleben.

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Die Forderung nach permanentem Wachstum der Wirtschaft im Rahmen der Globalisierung dagegen, bereitet mir Unbehagen. Wie gefährlich Wachstum und Globalisierung sein können, zeigt uns die Corona-Krise.

Vor einiger Zeit wurde ich heftigst kritisiert, weil ich bei einer größeren Veranstaltung auf der Bühne in der Diskussion – zugegeben – etwas flapsig fragte: „Wohin soll es denn eigentlich noch wachsen?“

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Also, ich liebe es in der Natur und im Garten Wachstum zu erleben, gern wühle ich im Dreck und freue mich im Frühjahr über jede aufbrechende Knospe, über jede neue Blüte, über jeden aufgehenden Samen, jedes selbst gezogene Pflänzchen.

Eine meiner Spinnereien sind Tomaten.

Richtige Tomaten sind diese wunderbaren Geschöpfe der Natur, die außer der Form fast nichts gemein haben mit den Dingen, die im Supermarkt als solche verkauft werden.

Jedes Jahr besorge ich mir neue Samen, ziehe sie vor, pflege die Pflänzchen über Wochen, bevor ich sie dann Mitte Mai nach den ‚Eisheiligen‘ ins Freie, in ihre Freiheit entlasse.

Tomaten selbst zu ziehen ist in unseren Breiten nicht so einfach, wenn man ursprüngliche und nicht manipulierte Sorten haben will. Viele Sorten sind ausgesprochen anfällig gegen Krankheiten und Schädlinge.

Es macht etwas Mühe, aber es lohnt sich durchaus hier „global“ zu denken, denn Sorten ,die meinetwegen in Sibirien oder in Canada wachsen, sollten auch für unsere klimatischen Bedingungen taugen. Und das tun sie.

Meine ersten Keimlinge 2020 stehen schon „wie ein 1“ und damit beginnt die eigentliche Arbeit.

Also, pfeift auf Corona, lebt, frei nach Dragoslav Stepanović „Lebbe geht weider“. Schließlich will ich Euch meine „besonderen Tomaten“ in rot, weiss und schwarz im Sommer vorführen.