Alles klar oder was … ?

Vom Dilemma des Vergleichs

Hanau ist eine unscheinbare Stadt in der Nähe Frankfurts/M., also in Hessen, um die sich sonst in Deutschlands kaum jemand Gedanken macht.

In Hanau, ist Furchtbares passiert. Ein Mann hat 10 Menschen und zuletzt sich selbst getötet.

Über den Täter sind schon Stunden nach der Tat bemerkenswerte Einzelheiten bekannt geworden.

Es handelt sich um eine psychisch kranken 43 Jährigen, der offenbar noch bei seinen Eltern lebte und bisher Verantwortung für sich selbst oder eine eigene Familie nicht übernommen hatte. Er ist Sportschütze und hat eine Waffenbesitzkarte, sodass er „legalen“ Zugang zu Waffen hatte.

In der Wohnung fanden sich – bei Eintreffen der Polizei – drei Menschen, zwei Tote, die Mutter des Täters und der Attentäter selbst. Der Vater dagegen war nach Angaben der Medien „körperlich unversehrt“.

Über den Täter selbst ist weiter bekannt, dass er seit Jahren an Wahnvorstellungen litt und u.a. die ‚Behörden‘ in Form von Anzeigen gegen die „ihn Verfolgenden und Bedrohenden“ davon in Kenntnis setzte. Folge ich den Darstellungen der Medien richteten sich seine Wahnvorstellungen gegen „Sicherheitsbehörden“, gegen fiktive und finstere Mächte, die „ihn und uns“ gedanklich manipulieren, gegen die „Regierung“ im Allgemeinen und gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen, etwa mit Migrationshintergrund, gegen die er sich staatlich nicht ausreichend geschützt und denen er sich damit schutzlos ausgeliefert wähnte.

Den Sicherheitsbehörden dagegen soll er bis zu seiner Schreckenstat nicht ins Visier gekommen sein.

Nicht bekannt ist mir, ob er wegen seiner Wahnvorstellungen, die man „aus der Ferne“ vorerst und mit Vorbehalt als paranoide Psychose charakterisieren kann, in fachärztlicher, sprich psychiatrischer Behandlung war. Zu hinterfragen ist in diesem Kontext dagegen, warum von Behördenseite für einen psychisch schwer kranken Menschen der Waffenbesitz legalisiert wurde. Hier sollte und muss es wirksame Kontrollmechanismen geben.

Nicht bekannt ist auch, ob die Eltern, unter deren Obhut er lebte, das von ihm mit dieser Krankheit ausgehende potentielle Gefährdungsmuster erkannt haben.

Zu Recht wurde in der Vergangenheit bei von der Dimension der Opfer ähnlich gelagerten Verbrechen stets darauf hingewiesen, dass „man die Hintergründe nicht kenne“ und deshalb solche grausamen Verbrechen nicht verallgemeinern und vor allem nicht politisch instrumentalisieren darf.

Als ähnlich dimensioniert würde ich etwa das Attentat von Anis Amri auf den Weihnachtsmarkt in Berlin in 2016 betrachten. Die Hintergründe dieses terroristischen Angriffs sind bis heute nicht abschließend geklärt, wozu auch der Umstand beitrug, dass man des Täters hierzulande nicht habhaft wurde und die italienische Polizei die deutschen Behörden vor einer weiteren Aufklärung bewahrte, da sie ihn in Mailand auf einem Bahnhof final aus dem Verkehr nahm.

Die Reaktionen des „politischen Deutschlands“ auf das Amri-Attentat waren sehr verhalten, was nicht zuletzt das absolute Unverständnis der Angehörigen der Ermordeten und der überlebenden Opfer hervorrief.

Egal was von unterschiedlichen Seiten dann in den Vorgang hineininterpretiert wurde, der behutsam anmutenden Umgang mit der schrecklichen Tat verstärkte zumindest nicht noch zusätzlich die schon damals offenkundige Polarisierung der Gesellschaft.

Ganz anders jetzt in Hanau, bereits Stunden nach der Tat marschieren große Teile der Politprominenz mit wahrhaft martialischem Gesichtsausdruck und noch drastischeren Reden vor Ort auf. Zehntausende besorgte Bürger gehen auf die Straßen, ein Teil, aus echter Anteilnahme, ein Teil wieder einmal „um Haltung“ zu zeigen und „Zeichen zu setzen“.

Unverständlich ist mir, warum dieses schreckliche Attentat eines psychisch kranken Menschen nun in dieser herausragenden Weise politisch instrumentalisiert wird?

Wir haben gehört, dass er die Mutter getötet, aber den ebenfalls im Haus anwesenden Vater unverletzt gelassen hat. Die Frage ist, warum?

Ich kann mir deshalb – theoretisch – folgenden Ablauf des Abends des Täters in Hanau vorstellen, wir wissen nicht, ob es tatsächlich so war, unwahrscheinlich erscheint es mir aber nicht. Zumindest ist der Ablauf auch nicht unwahrscheinlicher, als der öffentliche Ansatz von der bewussten „politischen“ Radikalisierung:

Es hat in einer psychotischen Phase einen Konflikt mit seiner Mutter, die er daraufhin attackiert oder gar sofort tötet. Möglicherweise verstärkt dieses Ereignis den psychotischen Schub, er bewaffnet sich und richtet seine explodierende pathologische Energie gegen Menschen, denen er sich im realen Leben genau so wenig gewachsen sieht, wie vermutlich der attackierten Mutter.

Nachdem sich seine pathologische Energie in tödliche Gewalt umgesetzt hat, geht er dorthin, wo er sich in der Vergangenheit noch beschützt erlebt hatte, nach Hause, und bestraft sich – für ihn folgerichtig – neben der Leiche der Mutter final selbst.

Ich vermute, die Auswahl der Opfer geschah nur bedingt gezielt. Am späten Abend sind selbst in einer größeren Kleinstadt so viele potentielle Ziele nicht verfügbar. Es hätte genauso tagsüber, etwa bei einem frustranen Besuch einer Behörde, zu einer vergleichbar tödlich pathologischen Reaktion kommen können. Dann hätte es – wahrscheinlich – die Mitarbeiter der Behörde „mit voller Wucht „getroffen.

Vermutlich werden wir, wie in ähnlich gelagerten Fällen die „Wahrheit“ nicht offiziell erfahren, was wiederum Spekulationen Tür und Tor öffnet.

Im Mittelpunkt sollten die Opfer stehen.

Ich finde, die furchtbare Tat von Hanau ist genau so wenig zu instrumentalisieren, wie etwa der Fall des psychisch kranken „Bahnsteig-Schubsers“ am Frankfurter Hauptbahnhof.

Für den erneuten Ruf nach wieder schärferen Gesetzen erscheint mir gerade dieser tragische Fall nicht geeignet. Aber, wer legt schon Wert auf meine Meinung? Trotzdem will ich sie gesagt haben. Nicht um Recht zu haben, sondern weil mich das Gefühl beschleicht in meinen vielen Lebensjahren zu oft geschwiegen zu haben.

.

Alles Konfrontation oder was … ?

Immer häufiger Gewalt

In Hanau wurde heute Nacht geschossen, vom Täter wurden 9 Menschen ermordet, danach wurden er selbst und seine Mutter tot aufgefunden. Soweit die Medienangaben.

Ein unglaubliches Massaker und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie furchtbar den Betroffenen in diesen entscheidenden Sekunden ihres Lebens zu Mute gewesen sein muss.

Inzwischen wird berichtet, dass der Täter aus rechtsradikalen Motiven gehandelt haben soll. Das, was bisher bekannt ist, legt nahe, dass der Mann einen heftigen Sprung in der Schüssel gehabt haben muss. Die bisher veröffentlichten vorgeblichen Zitate weissen auf ein paranoid geprägtes Denk- und Verhaltensmuster hin.

Die Medien berichten über diese ungeheuerliche Tat glücklicherweise noch relativ zurückhaltend.

Leider überraschen mich die – gefühlt – immer häufigeren Gewaltausbrüche gegen Menschen, aber auch gegen materielle Dinge nicht, sind sie doch Ausdruck einer immer stärkeren Polarisierung in unserer Gesellschaft.

Ich erinnere mich häufig an die Sozialisierungsmechanismen, die ich als Kind auf unserem Schulhof erlebt habe. Berichtet habe ich Euch darüber schon vor einiger Zeit.

Es gab klare Strukturen: nämlich primär Jungen und Mädchen. Und es war undenkbar, dass selbst die rüpelhaftesten Jungen, die sich – aus unterschiedlichsten sozialen Schichten kommend – untereinander gelegentlich windelweich prügelten, gewaltsam gegen Mädchen vorgegangen wären ohne, dass sie massiven kollektiven Widerstand erfahren hätten. Der schlimmste Exzess war wohl das ‚Ziehen am Pferdeschwanz‘, wenn es eine der Damen gar zu arg trieb.

Bei aller Gruppenbildung gab es immer eine große „ausgleichende“ Mitte, die erfolgreich verhinderte, dass die sich natürlicherweise entwickelnden ‚Revierkämpfe‘ dauerhaft in pure verbale oder grenzenlose physische Gewalt umschlugen. Letztendlich erwies sich „die deeskalierende Mitte“ über die Jahre als der stabilisierende Faktor der kleinen sozialen Schulgemeinde. Was natürlich nicht verhinderte, dass hier und da die Kraft ausgetestet werden ‚musste‘.

Dieses „Kräftemessen“ zur Bestimmung der eigenen Position im sozialen Gefüge erfolgte immer allein mit den Händen, jegliche Formen von Waffen waren „nicht zugelassen“, wenn einer der Gegner am Boden lag, galt der ‚Kampf‘ als beendet und solche Dinge, wie heute auf einen am Boden Liegenden noch einzutreten, hätte für den Täter im unmittelbaren Augenblick „Klassenkeile“ und anschließend eine lange soziale Ausgrenzung bedeutet.

Ich erinnere auch, dass die Gegner nach Ende ihres Kampfes von der zuschauenden Mehrheit aufgefordert wurden sich die Hände zu geben. Damit wurde zumindest formell ein ‚Friedensvertrag‘ geschlossen, auch wenn die inhaltlichen Differenzen natürlich durch das gegenseitige Kloppen nicht behoben waren.

Die regulative Größe bei allen Konflikten war somit immer die „große deeskalierende Mitte“.

Ich wünschte mir, es gäbe in unserer Gesellschaft eine deeskalierende Mitte, sie ist uns offenbar verloren gegangen.

Der morgendliche Gang durch die Medien legt im Gegenteil den Verdacht nahe, dass die extremen Teile der Gesellschaft, egal ob rechts oder links, oben oder unten, einen gnadenlosen Kampf um die jeweilige Deutungshoheit in der Gesellschaft führen. Ich erlebe auch in und über unsere Medien eine bisher nicht gekannte verbale Gewaltorgie. Ich vermute, selbst „Sudel-Ede“ selig hätte dabei noch einiges an Vulgarität lernen können. Karl Eduard von Schnitzler ist mir wahrscheinlich an dieser Stelle nicht nur wegen der optischen Ähnlichkeit zu einem bekannten, erfolglosen und sich wie ein Lautsprecher gebärdenden CDU-Europa-Politiker eingefallen.

Bis vor wenigen Jahren hatte ich das Gefühl, dass es in unserem schönen Land eine große, stabile und relativ „statische“ Mitte gibt, die praktisch der Garant für Beständigkeit und gleichzeitig „massentaugliche“ oder sozialverträgliche Veränderungen der Gesellschaft war. Die relativ kleinen Randgruppen unterschiedlichster Couleur liess man gewähren, irgendwie hatte man sie – allein durch die Kraft der Masse – immer im Griff.

Ich vermute, die stabile – meinetwegen – bürgerliche Mitte war damit gleichzeitig der Garant für die jahrzehntelange positive Entwicklung unserer Gesellschaft und für den enormen wirtschaftlichen und damit sozialen Aufschwung.

Schon oft wurde ich von verschiedener Seite gefragt, was denn, um Himmels Willen, ich mit dem Begriff „bürgerliche Mitte“ meine. Erwartet wurde von mir dann regelhaft eine ideologische Begründung, die ich nicht geben kann und will.

Für mich ist die „bürgerliche Mitte“ unserer Gesellschaft im Jahr 2020 der Teil der Bevölkerung, der jeden Morgen aufsteht, einer geregelten Arbeit nachgeht und damit die soziale Sicherung seines unmittelbaren sozialen Umfeldes und – durch seinen sehr extrem hohen Steuer- und Abgabenanteil – auch der Gesamtgesellschaft gewährleistet.

Ich spreche vom Automobilarbeiter am Band bei Opel oder Benz, ich spreche vom Chemiearbeiter, der meinetwegen bei Bayer während seiner lohnbringenden Arbeitszeit auch Glyphosat herstellt, ich spreche vom LKW-Fahrer, der entgegen allen gesetzlichen Regelungen tagtäglich x-Stunden auf dem Bock sitzen muss und vom Personal bei der Bahn oder in der Verwaltung. Ich spreche vom Bauern, der unsere Lebensmittelversorgung absichert und dafür von selbsternannten „Aktivisten“ beschimpft und ich spreche vom Lehrer in der Schule, der von versagenden Eltern täglich belehrt wird.

Ich spreche also von den Menschen, die durch ihre regelhafte Arbeit unser Gemeinwesen am Laufen halten, die gemolken werden ohne Unterlass und das, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt.

Ich spreche damit von denen, die aktuell keine konsequente politische Interessenvertretung mehr haben.

Auf der anderen Seite gibt es eine – gefühlt – täglich größer werdende Zahl von Rand- und Splittergruppen, die sich der Einfachheit halber das Schild „Aktivist“ um den Hals hängen, dabei kaum Anderes als ihre eigenen Interessen verfolgen und inzwischen meist trefflich von der „Mitte“ leben

Von diesen Menschen spreche ich nicht, wenn ich von der „bürgerlichen Mitte“ spreche. Ich denke dabei genauso wenig an die ‚Rechtsaußen‘ hinter Höcke und die frustrierten Rentner von Pegida, wie an die Extremisten von Connewitz, die obskuren ‚Roten Damen‘ von XR oder die europaweit aktiven „Schwarzen Blöcke“.

Bedauerlicherweise habe ich das Gefühl, dass die ausgleichende, sprich stabilisierende „Mitte“ wegen ihrer enormen sozialen Belastungen zunehmend „politisch“ resigniert und damit den extremen Randgruppen Raum lässt, um ihre Vögel jeweils frei fliegen zu lassen. Noch nie in den letzten 30 Jahren habe ich beim Versuch das Gespräch auf politische Themen zu lenken so oft die sinngemäße Antwort erhalten: „Lass mich mit dem Quatsch in Frieden, ich habe eigene Sorgen.“, wie dies heuer geschieht.

Mit dieser Preisgabe des sozialen Raums durch die tatsächlichen Leistungsträger wird der Polarisierung der Randgruppen naturgemäss mehr Einfluss gegeben, bis hin zu verbalen und körperlichen Gewaltattacken, die je nach Bedarf dramatisiert oder auch relativiert werden.

So wie die „Parteien der Mitte“ durch ihre eklatante Schwäche den „Parteien der Ränder“ immer mehr Raum abtreten, so gibt auch die „bürgerliche Mitte“ das Terrain den gesellschaftlichen Randgruppen preis.

Es gab auch auf unserem Schulhof diesen und jenen Extremisten, der sich um gesellschaftliche Normen nicht scherte. In der Regel wurde er durch die „Kraft der Mitte“ ausreichend diszipliniert.

Wenn allerdings die gesellschaftliche Mitte aufgibt, wer diszipliniert dann die extremen Ränder? Niemand.

Im Gegenteil, wenn sich der ‚Block der Mitte‘ auflöst, dann suchen die damit ihre Orientierung verlierenden Menschen andernorts Anschluss. Dreimal dürfen wir raten, wo das sein wird?

Ich bin mir sicher, dass ich in den nächsten Tagen wieder viele hübsche Beschimpfungen in meinen eMAils finden werde. Ich kenne das bereits zur Genüge, von „linksgrün-versifft“ bis „braune Drecksau“ habe ich alles schon vielfach gelesen. Das sind eben die „extremistischen Ränder“. Ich brauche sie nicht, trotzdem müssen wir mit ihnen leben.

Alle rennen oder was … ?

Verschämte Jungs ….

Selbstverliebte Jungs tummeln sich im Rennen um den CDU-Vorsitz, sie reden um den heissen Brei, entscheiden sich nicht ob Hüh oder Hott und geben sich verschämt – in unserer politisch nicht korrekten Jugend hätten wir gesagt – wie die ‚Hebbel am Strick‘.

Ich finde das Getue der CDU-Jungs – mit Verlaub – affig wie im Paviankäfig, nur der knallrote Hintern fehlt jeweils. Obwohl, man stelle sich Laschet, Spahn, Merz oder gar Söder hinten pavianrot vor, passen tät’s schon, für alle vier.

Irgendwie erinnert mich das Gehampel an unsere Tanzstunde in den 60ern.

Es gab eine gesittete Gruppe von Mädchen, damals „dem Anlass gemäss“ selbstverständlich im Kleid und dazu eine Horde von Jungs, auch wider Willen in irgendwelchen offiziellen Look gepresst.

Der Tanzsaal war nicht sehr groß, auf den Längsseiten stand jeweils eine Reihe unbequemer Hocker und an den kürzeren Seiten gab es grosse Spiegel, darauf hätten sie verzichten können, bildeten sie doch gnadenlos die Realität unseres Bewegungstalentes ab.

Dazwischen hantierten die Tanzlehrer und demonstrierten die Schritte, eine Vorführung auf die zumindest auf der Jungen-Seite keine Sau achtete. Wussten wir doch, dass am Ende der Hängepartie regelhaft die Aufforderung der Tanzlehrerin kam: „Die Herren wählen die Damen.“

Für diesen Moment hiess es gewappnet zu sein, alle sprangen auf Kommando auf und rannten auf die Seite der Mädchen. Typischerweise stürzten sich die meisten „Herren“ zuerst auf die attraktivsten „Damen“. Erfolgversprechend war es dabei, sich auf eine Stelle der Damenriege zu kaprizieren, auf der zumindest 2, besser noch mehrere Attraktive zusammen sassen. Die Chance eine optisch ‚Ansehnliche‘ abzubekommen war damit deutlich größer.

Wichtig war es, sich auf der „Herren“-Seite nicht zu früh einen fixen Platz zu suchen, sondern zuerst zu sehen, wie sich die „Damen“ gegenüber organisierten, sass man von einer Häufung attraktiver Mädels zu weit weg, hatte man wiederum auch keine Chance.

Also die „Damen“-Wahl hatte mehrere Komponenten, zuerst eine analytische, dann eine strategische und nicht zuletzt eine sportliche, nämlich, ‚wer rannte am schnellsten‘. Dabei einen guten und vor allem unauffälligen Bodycheck zu beherrschen, war von Vorteil, auch ‚lässiges Beinstellen‘ konnte sich im Run als nützlich erweisen.

Lautete das Kommando allerdings, „Die Damen wählen die Herren“, war die Reaktion ganz anders. Hier gab es bestenfalls einen analytischen Aspekt und es lief dann, wie es laufen sollte. Zumindest habe ich nie ein Mädchen auf allen Vieren mit „hängender Zunge“ über den Tanzboden robben sehen.

Mein Erfolg war ein geteilter, bei der Herren-Wahl bekam ich regelhaft das Mädchen ab, ‚welches übrig blieb‘, es war mir einfach zu blöd zu rennen. Deshalb liebte ich die Damen-Wahl…. Leider wurde sie nur sehr selten aufgerufen, sodass meine Freude an der Tanzstunde überschaubar blieb. Interessanter war der Nachhauseweg. vor allem im Winter, wenn es schnell dunkel wurde.

Vielleicht können die schamhaften CDU-Jungs doch diesen oder jenen Aspekt unserer Tanzstundenphilosophie übernehmen?

Wenn SIE etwas wollen, dann müssen sie sich echt darum bemühen, müssen auch einmal einen Bodycheck oder ein ausgestrecktes Bein austeilen oder einstecken können, wie sich das „für einen richtigen Jungen gehört“. Dieses „mädchenhafte“ und rätselhafte Getue – mein Gott – ist einfach nur peinlich.

Sollte ich aufgefordert sein, einen der Herren Laschet, Spahn, Söder oder Merz als den „großen Vorsitzenden“ vorzuschlagen, ich fände keinen würdig.

Deshalb finde ich es ganz gut, dass in diesem wenig illustren Kreis, der alles schmerzlos und unambitioniert unter sich aus zu kungeln schien, plötzlich Röttgen auftaucht. Vielleicht bringt er zumindest etwas Salz in die Suppe?

Verschämte Jungs eben …..

Entschuldigung ?

„Erst das Land, dann die Partei, dann die Person …“

Ich habe in den vergangenen Wochen mehrmals zum Ausgang der letzten Thüringenwahl und dem folgenden Hick-Hack geschrieben und wer wollte konnte meinen Stolz heraushören, dass unser kleines Bundesland nicht so widerstandslos im Mahlstrom politischen deutschen Einheitsbreis schwimmt.

Was sich allerdings in den letzten Tagen und Wochen abgespielt hat und abspielt, ist geeignet sich fremd zu schämen und ich möchte dafür um Entschuldigung bitten.

Selbst in meinen schlimmsten Träumen hätte ich mir nicht vorstellen können, welch jämmerliche Einstellung hinter den wohlgesetzten Politiker-Reden von „Verantwortung“ und ähnlichen Pseudo-Moralismen steht.

Meine Forderung an die Thüringer Landtagsparlamentarier:

Reisst Euch endlich am Riemen, Ihr seid gewählt und damit von produktiver Arbeit freigestellt, um im Auftrag der Bürger das Land nachhaltig und zukunftsorientiert zu führen.

Das Ausleben eurer persönlichen Befindlichkeiten interessiert die Bürger einen feuchten Kehricht, dafür werdet Ihr von uns nicht bezahlt.

Jeder weitere Tag mit euerm kleinlich-peinlichen Gezänk ist für die Menschen unseres kleinen, aber fleissigen Landes ein verlorener Tag. Und wenn Ihr so weiter macht, braucht Ihr euch nicht beschweren, wenn bei der nächsten Wahl gerade die AfD wie Phönix aus der Asche steigt.

Ich höre es jeden Tag: Die Bürger haben diese schauderhafte Politsatire satt.

Verdammt nochmal, geht endlich an eure Arbeit!

Alles Wechsel oder was … ?

Von der Kunst des Anstellens

Nach der SPD sucht jetzt die CDU neues Führungspersonal, es ist lustig zu sehen, wie devot und handzahm sich die interessierten Herren aus der Latte- und Kamillentee-Generation dabei geben und sich brav an der täglich länger werdenden Schlange anstellen.

Gern gebe ich aus meiner Lebenserfahrung heraus einige kleine Hinweise, da sich die Herren sichtlich vor einem richtigen offenen Machtkampf – wie es sich gehören würde – scheuen.

Der Einfachheit halber könnte ich natürlich auf ‚Gift und Dolch‘ verweisen, Caesar und Brutus sind dafür gute Beispiele, wobei, der historische Vergleich ist interessant.

Caesar wurde, nachdem er sich im Februar 44 v.Chr. vom Senat zum ‚lebenslangen Diktator‘ hatte ausrufen lassen, zur Zielscheibe der Neidvollen. Die ‚Freunde der Republik‘, eine Gruppe von Senatoren, die danach trachteten auch endlich ungehindert an die in Rom besonders prall gefüllten Fleischtöpfe zu kommen, verabredeten sich ihn zu meucheln, was sie am 15. März 44 v.Chr. blutig und gründlich in den Räumen des Senats taten.

Interessant ist, dass die Mehrheit der ‚Caesar-treuen‘ Senatoren, die vorher in seinem breiten Windschatten ihr Schäflein bereits gründlich geschoren hatten, sich nicht gegen die Attentäter stellten, sondern postwendend ihr Fähnchen in den nun neuen Wind hängten und den Caesar-Mördern innert zweier Tage Amnestie gewährten. Dass das Ganze im Nachhinein zur „frechen Widerstandshandlung“ umgedeutet wurde, geschenkt, das kennen wir aus der Zeit nach dem Sturz von Diktaturen bis heute zur Genüge.

Sicher ist es politisch nicht korrekt, wenn mir dabei die Erinnerung des Machtwechsels in der CDU von Helmut Kohl zu Angela Merkel durch mein umnebeltes Hirn wabert, deshalb sage ich es auch nicht und lasse es bei den Gedanken.

In meiner Jugend in der Großstadt lebend, studierte ich das Dilemma des ÖPNV. Die Busse, O-Busse und Straßenbahnen verkehrten spärlich, meist dann, wenn man sie nicht so unbedingt brauchte und wenn man sie brauchte, waren sie proppenvoll. In den Wagen zu gelangen war ein Kunststück, weil die Bahn bereits maximal gefüllt ankam und wenn man nicht einen Platz unmittelbar an der mit Hand zu öffnenden Tür ergattert hatte, war man schlichtweg angeschissen, man kam nicht mehr hinein.

Einen klaren Vorteil hatten die Profis, wussten sie doch zumindest so ungefähr wo die Tür an der entsprechenden Haltestelle hielt. sodass sie sich rechtzeitig und günstig positionieren konnten.

Und dann gab es natürlich kleine Tricks, die das Hineinkommen gut sichern konnten.

Ein schierer Segen war eine Frau mit Kinderwagen. Es war ungeschriebenes Gesetz, eine Frau mit Kinderwagen blieb an der Haltestelle nicht stehen. Selbst wenn sie ganz hinten stand reichte ein leises: „Darf ich bitte…?“ und die Menschenmenge, sonst wie eine zum Schlag fest geballte Faust, teilte sich wie von Geisterhand geleitet und liess die Frau durch. Ich gehörte – fast – immer zu denen, die schon ganz hinten prophylaktisch mit Hand an den Kinderwagen anlegten: „Ich helfe Ihnen natürlich …“, und schwupps war ich mit drin. Cave: „Tue Gutes, dann bleibst Du nicht stehen.“ In der Politik nennt man das, so glaube ich zumindest, Lobbyarbeit.

Ansonsten hub, kaum wurde die Tür geöffnet, ein Hauen und Stechen um die sichersten Plätze an, die noch halbwegs das Mitkommen sicherten. Blöd war es genau in Türmitte zu stehen, dann wurde man von den Aussteigenden gnadenlos nach hinten gedrängt. Die Aussteigenden hatten den Vorteil, sie konnten sich von oben in die unten wartende Menge fallen lassen, unten hatte man gegen den fallenden Schwung keine Chance. Unmittelbar hinter den letzten Aussteigern drängten sofort die unmittelbar rechts und links neben der Tür Harrenden hinein. Es war wie eine Mauer und in der „Mitte hinten“ hatte man keine Chance mehr, konnte seine Energie sparen und sich auf die nächste Bahn mit dem gleichen Ritual vorbereiten. In der Hoffnung, es käme diesmal rechtzeitig eine Frau mit Kinderwagen…

Die heisse Schlacht an der Straßenbahn war ein lieb gewonnenes tägliches Ritual und oft bin ich gelaufen, weil mir das Schieben, Schubsen und Drängeln einfach zu doof war.

Das gleiche unangenehme Drama gab es in der Regel beim Aussteigen. Hatte man Glück und kam als einer der Ersten in die bereits überfüllte Bahn, wurde man gnadenlos von den Nachdrückenden in Richtung Mitte des Wagens geschoben. An sich nicht schlimm, war es doch dort im Winter warm, machmal kam es notgedrungen zu Körperkontakt, der konnte angenehm oder auch mal nicht so ganz genussvoll sein und umfallen konnte man während der oft holprigen Fahrt auch nicht, dazu war einfach kein Platz. Das Problem bestand allerdings darin, wie komme ich zum Aussteigen wieder in die Nähe der Tür? Die zuletzt Eingestiegenen hatten ihren Platz noch nicht gefunden und die Aussteigewilligen drängten bereits wieder in die Gegenrichtung. Nicht selten erreichte die Menschenwand aufeinanderprallend die Festigkeit von Beton, was zur Folge hatte, dass ich nicht selten eine Station zurücklaufen musste.

Lag mein Ziel auf der Strecke zwischen zwei Haltestellen, gab es in der Regel zwei Möglichkeiten dorthin zu gelangen. Entweder ich entstieg der Bahn vor dem Ziel und lief noch ein Stück ‚vorwärts‘, das taten die Meisten. Oder ich fuhr gleich eine Station weiter und lief ein Stück zurück, das wiederum taten die Wenigsten und der Weg war, weil wenig Leute, angenehmer und ich gelangte weniger gestresst an mein Ziel. Was ich sagen will, manchmal führt ein kleiner Umweg außerhalb ‚des Normalen‘ effektiver zum gleichen Ziel.

Mein Hinweis an die wie Harlekine um die Parteiführung tänzelnden Herren der CDU:

Die einzig finale Möglichkeit: Ihr wählt „Gift und Dolch“, allerdings braucht es dazu „einen Arsch in der Hose“. Aber da ist schon MP Günther aus dem Norden, das willfährige Sprachrohr der Kanzlerin, auf der Hut, der uns heute in der Welt erklärt: „Mit Merkel können wir ein sehr gutes Ergebnis bei der Bundestagswahl holen“. Also, auf zur nächsten Runde mit der ewigen Kanzlerin.

Oder ihr arbeitet mit Tricks. Allein brav hinten anstellen hat keinen Sinn, dann bleibt ihr schlicht und einfach stehen, wenn die Tür wieder geschlossen wird. Und wer weiss schon, wann sie dann wieder einmal aufgeht und ob ihr dann an der richtigen Stelle oder erneut ganz hinten steht.

Auf jeden Fall hoffe ich, dass das Procedere, analog zu Erfurt, spannender wird, als die langweiligen, politisch korrekten „Tatorte“ der ARD.

Alles Transformation oder was … ?

„Man wird es ja doch mal sagen dürfen, ….“.

Unsere ewige Kanzlerin hat ein neues Hobby, die große Transformation.

Gestern Abend habe ich, eher zufällig, einen Blick in die ARD, zu „Anne Will“ geworfen. Zugegeben, lange habe ich den Dummsinn nicht ertragen und lieber gelesen.

Dort debattierten – wie meist – sechs Wessi’s die meiste Zeit über die „unmöglichen“ Verhältnisse im Osten, speziell in Thüringen und es wurde wieder einmal der Untergang des Abendlandes, der EU, der Welt und des Universums an die ansonsten makellos weißen Wände des Westens skizziert.

Ein Blick zurück …

Als 1989 in Berlin die Mauer fiel, die Grenzbefestigungen Stück für Stück geöffnet wurden und Millionen von Menschen mit ‚Trabi‘ und ‚Wartburg‘ von Ost nach West und tausende Glücksritter mit dem geleasten ‚Benz‘ von West nach Ost fuhren, hatten viele Menschen das Gefühl, dass plötzlich die Luft freier, das Gras grüner, der Himmel blauer sei.

Über Nacht schien alles möglich, für viele Ostdeutsche waren die D-Mark und das freie Reisen die Attribute eines besseren Lebens. Nicht so euphorische Stimmen, die auf die zu erwartenden negativen Seiten des Systemwechsels hinwiesen, wurden verlacht, als „ewig Gestrige“ klassifiziert, auf der Straße niedergeschrien und in der Presse – unisono Ost wie West – herunter geschrieben. Der Begriff des „alten weissen Mannes“ spielte vor 30 Jahren noch keine Rolle, es gab genug andere Buhmänner.

Für die unter Euch, die Zeit nicht aktiv miterlebt haben: Die Akteure der friedlichen Revolution im Osten hatten nicht den bedingungslosen Anschluss im Auge, sondern die langsame Annäherung einer zuvor zu verbessernden / stabilisierten DDR in Richtung Europa.

Das wir damit einer Fiktion erlegen waren, weil wir a) nicht mit der schnellen und rücksichtslosen Aktivität des Westens in Richtung einer Einverleibung und b) nicht mit der – mit Verlaub – Dummheit der Menschen im Osten gerechnet hatten, zeigte sich sehr schnell.

Es kam wie es kam und mit der letztendlich trotz aller Beteuerungen (feindlichen) Übernahme waren Millionen von Menschen im Osten zwar sozial grenzwertig abgesichert, aber ihres eigentlichen Lebensinhaltes einer Arbeit, die ihnen soziale Selbstbestimmung garantierte, im wahrsten Sinne des Wortes beraubt.

Ich behaupte für mehr als die Hälfte der Ostdeutschen war mit dem Systemwechsel das ‚alte‘ Leben über Nacht in toto weggebrochen und das ’neue‘ Leben im Wesentlichen auf die „Gnade“ der neuen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger gegründet.

Während in den gebrauchten Bundesländern das Leben weiter ging, wie eh und je, gab es im Osten eine totale Transformation der Gesellschaft, einen absoluten Bruch der Biographien, der nicht wenige Menschen mangels Erfahrung und vielleicht auch mangels Ressourcen nicht gewachsen waren.

Für die, die den Prozess aus eigener Kraft schafften, ging und geht bis heute die Belastung nicht selten über die individuellen Belastungsgrenzen hinaus. Jammern höre ich aus diesem Teil der Gesellschaft kaum jemand, im Gegenteil.

Die, die davon reden „am System einmal richtig rütteln zu wollen“, die auf „Staat und Regierung“ schimpfen, die „die Bullenschweine auf der Straße klatschen“, die sich darüber erregen, wie sie beim Bezug der Transferleistungen „vom Amt gegängelt und schikaniert“ werden, sind in der Regel nicht die, die gleichzeitig die Leistungsträger der Ost-Gesellschaft verkörpern.

Aus dem Teil der Ostdeutschen, denen die Transformation aus eigener Kraft gelang, die sich nach der zerfallenen „sozialistischen“ nun eine „bürgerliche“ Existenz aufbauen konnten, sehen wir nicht wenige, die diese Kraftanstrengung über Jahre und inzwischen Jahrzehnte mit ihrer Gesundheit bezahlt haben. Wobei nach wie vor die gewachsene „bürgerliche Existenz“ im Westen, in ihrer Stabilität nicht mit der mühsam im Osten erworbenen zu vergleichen ist.

Ich verstehe und halte es persönlich genauso, dass im Osten die Menschen, die 1989 vielleicht als 40 oder 50 Jährige de facto wieder bei Null begannen, an dem, was sie sich selbst erarbeitet haben, festhalten. Und ich verstehe, dass wahrscheinlich keiner aus diesen Generationen analog westdeutschen und Berliner Hipstern nach dem „von erhabenem Gefühl getragenen Erlebnis“ der von der Kanzlerin neuerdings ausgerufenen „großen Transformation“ giert.

Wir im Osten haben eine „große Transformation“ schon hinter uns. Das reicht uns für ein ganzes Leben, nochmals brauchen wir diesen Scheiss – dazu diesmal ohne jede Not – nicht.

Und wenn ich damit ein „alter weisser Mann“ bin, dann ist es eben so. Ich nehme es als positives Attribut, hat es mir doch erlaubt, mein ganzes Leben ohne einen einzigen Tag Transferleistungen immer selbstbestimmt zu gestalten. Auch wenn ich oft, die Grenzen meiner individuellen Belastbarkeit erreicht und überschritten habe.

Das wird man ja nochmal sagen dürfen.