Der besondere Ort … Schloss Hohenhaus

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Ein alter Park in Osthessen, darin auf einem kleinen, kaum wahrnehmbaren Hügel neben dem Parkteich, auf dem sich die Seerosen entfalten und das Schilf blüht, eine gewaltige Rotbuche.

Sie drängt sich meinem Blick magisch auf, ich fühle mich von ihr an- und zu ihr hingezogen.

Mit geschätzt 15 Meter Durchmesser ihrer dunkelroten Krone überdeckt sie eine große Rasenfläche und bietet dem Besucher ihren Schutz an. Die langen Äste neigen sich am Rand nach unten, lassen stellenweise lediglich noch einen Meter Platz bis zum Gras. An einer Seite, ein Zugang, wie zu einem Iglu, nur nicht weiss, sondern dunkelrot.

Eine weiße Bank, bei keinem meiner zahlreichen Besuche hier versäume ich es mich dort niederzulassen, mehr oder weniger lange, abhängig von meinem jeweiligen Gemütszustand.

So auch heute. Im Ausklang der Woche bin ich ausgelaugt, gehetzt, möchte ewig dort sitzen bleiben.

Unter der geschlossenen Glocke des alten Baumes habe ich das Gefühl einer anderen Welt, fühle mich wohl, beschützt, gut aufgehoben, angenommen, akzeptiert, ich bin ich. Zumindest kann ich es sein, wenn ich will, heute will ich es.

Ich möchte das Wörtchen „Danke“ irgendwo hinterlassen, meine preussische Seele verbietet mir es einfach in die Rinde zu schnitzen.

Dann eben so, Danke!

Vielleicht gibt es ja auch hier unter der Buche Internet, wer weiss das schon? Ich bin mir sicher, irgendwie kommt es an.

Das Jahr 1212, Mao’s linke Kulturrevolution, der Rattenfänger von Hameln, Greta aus Schweden und f4f macht Ferien.

Die Jugendlichen von „Fridays for future“ haben sich nach einem verheerenden Wochenende in um und den Braunkohlentagebau Garzweiler und die dazu gehörige Infrastruktur in die Sommerferien verabschiedet, nicht ohne die Drohung hinterlassen zu haben, dass es nach den Ferien mit ihren Aktionen weitergeht. Monatelang am Freitag die Schule zu schwänzen ist ihnen kein Problem, ein Verzicht auf den Urlaub kommt dagegen nicht in Frage, so weit geht die Panik um ihre Zukunft nun doch nicht.

Interessieren würde mich, wie viele der „Klimabewegten“ dabei bewußt auf den Flugurlaub am Busen und aus dem Portemonnaie ihrer Eltern verzichten, aber das steht auf einem anderen Blatt, sie haben ja Urlaub.

Bleibt also Zeit für eine kleine, unvollständige Reminiszenz zu Kinderbewegungen.

Wir schreiben das Jahr 1212.

In den Jahren von 1187 bis 1204 hatten europäischer Adel und Klerus mangels anderer sinnvoller Beschäftigungen mehrere Kreuzzüge gen Jerusalem unternommen. Als Vorwand diente die Mär von der Rückeroberung der Heiligen Stätten in Jerusalem, der eigentliche Grund muss ein ganz anderer gewesen sein, ich kenne ihn nicht definitiv. Typischerweise werden Konflikte und Kriege von den Herrschenden immer dann angezettelt, wenn sie den eigenen Machterhalt gefährdet sehen und von eigenem Versagen ablenken wollen. Dann taugt ein äußerer Feind vorzüglich zur Disziplinierung der Massen und zum Ablenken von schwerwiegenden und ungelösten inneren Problemen.

Die historischen Quellen sind rar, offenbar sind keine authentischen Berichte von Teilnehmern erhalten, sodass sich die Geschichtsschreibungen auf die Überlieferungen Unbeteiligter stützen müssen.

Nach dem 4. Kreuzzug, der 1204 nicht – wie versprochen – mit der Eroberung Jerusalems, sondern der Brandschatzung des christlichen Konstantinopel endete, schien die Kraft des europäischen Adels erschöpft und der Klerus widmete sich lieber wieder seiner Lieblingsbeschäftigung bei Wein, Weib und Gesang.

In dieser Zeit wurde im Norden Frankreichs eine „Bewegung der freiwilligen Armut“ ins Leben gerufen. Da (fast) niemand freiwillig in Armut leben will, wurde ihr ein christliches Mäntelchen umgehängt, Predigern meist adliger Herkunft wie etwa Petrus von Blois gelang es den Armen des Landes einzureden, dass lediglich eine Bewegung von Unschuldigen und Armen in der Lage sein könnte das „Grab Christi“ im „Heiligen Land“ zurück zu erobern. Der Trick verfing.

Es wird berichtet, die Quellen können auf Validität nicht überprüft werden, dass sich 1212 von Cloyes-sur-le-Loir und Köln aus zwei Züge mit Kindern und Armen gen Jerusalem auf den Weg machten. In Lumpen gehüllt und ohne Waffen begannen sie den entbehrungsreichen Weg der sie bis nach Marseille und in die Gegend von Genua führte.

Als Führer der beiden „Kinderzüge“ werden Stefan, ein Hirtenjunge, der vorgab ihm sei Jesus persönlich erschienen und für die Kölner Gruppe Nikolaus, ein nach den Quellen „charismatischer zehnjähriger Prediger“ benannt.

Die Züge erreichten Jerusalem nicht.

Stefan hatte versprochen, dass sich die Fluten des Mittelmeeres bei Ankunft der Kreuzzügler teilen würden, damit sie quasi trockenen Fusses nach Jerusalem marschieren konnten, es geschah nicht, den meisten war der Weg durch das Meer zu nass und der Zug löste sich spontan weitgehend auf. Einige Teilnehmer gelangten bis nach Rom, wurden beim Papst vorstellig und ließen sich von der Verpflichtung des Kreuzzugs entbinden. Nur wenige versuchten die Einschiffung nach Jerusalem, sie endeten fast alle in der Sklaverei der Sarazenen.

Was aus den beiden Anführern geworden ist, ist nicht überliefert. Hätten sie anschließend Karriere in einem geistlichen oder staatlichen Amt gemacht, würden sich ihre Namen in den Analen wiederfinden.

Der Rattenfänger von Hameln

Eine der bekanntesten Sagen deutschsprachigen Ursprungs ist die vom Rattenfänger von Hameln. Sie ist so bekannt, dass sie in mehreren Ländern sogar zum Unterrichtsstoff geworden ist.

Folgt man der Geschichte fand sich in 1284 in der Stadt Hameln ein etwas wunderlicher Mann ein, der der Stadt, namentlich ihren Bürgern, einen damals großen Dienst erwiesen haben soll. Wie so oft, verweigerten ihm die Bürger nach getaner Arbeit seinen verdienten Lohn, aus Rache soll er – durch seine charismatische Erscheinung und sein betörendes Flötenspiel – an die 130 Kinder dazu bewegt haben sich ihm anzuschließen und aus der Stadt zu ziehen. Sie wurden nie wieder gesehen.

Die chinesische Kulturrevolution

In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam es in China im Rahmen von Machtkämpfen in der herrschenden kommunistischen Partei zu einer Reihe ausgesprochen tragischer Ereignisse, denen Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Menschen in der Phase von 1966 bis 1976 durch Tod, Vertreibung, Einkerkerung zum Opfer fielen.

Eine der handelnden Gruppen waren die ‚Roten Garden‘ Mao’s, militärisch straff organisierte Verbände aus Schülern und Jugendlichen, die Mao und seinen Parolen treu ergeben waren.

Mao’s Wahl, die jungen Leute zu seinen ausführenden Organen zu machen, war überaus geschickt, sind doch Kinder und Jugendliche leicht „vom Guten“ zu überzeugen, sie sind relativ treu, leben meist im Jetzt und ihnen fehlt – naturgemäß – die Lebenserfahrung, die notwendig ist um komplexe Prozesse zu verstehen oder auch zu hinterfragen. Auf der anderen Seite lieben sie das Gefühl von Macht, speziell der Macht gegenüber den Alten, heute nennt man es die „Etablierten“.

Der Beginn der Kulturrevolution vollzog sich schier banal. Studenten lehnten sich mit Hilfe von öffentlichen Wandzeitungen verbal gegen bestehende gesellschaftliche Strukturen und Personen auf. Über die Massenmedien wurde das Volk darauf eingeschworen, dass eine rechte Konterrevolution unmittelbar bevorstünde und das es jetzt darauf ankäme, dass sich alle Wohlgesonnenen vorbehaltlos ubd ohne Hinterfragen der Methoden hinter der Fahne Mao’s versammeln müssten.

Mit einfachen – man würde heute sagen – populistischen Mitteln wurden unliebsame Personen herabgewürdigt, nahezu jeder, der der Linie der jungen Revoluzzer nicht bedingungslos folgte, wurde öffentlich an Wandzeitungen auf den Straßen und in den öffentlichen Räumen diskreditiert, zum Staatsfeind erklärt, aus den Positionen im gesellschaftlichen Leben entfernt, zur „Umerziehung“ in Lager gesteckt oder bei harter Arbeit in der Landwirtschaft ideologisch im Sinne Maos ‚geläutert‘.

Ein Großteil der intellektuellen und politischen Elite des Landes fiel den Aktionen von Mao’s jungen, revolutionären Garden zum Opfer. Das Land erlitt einen fürchterlichen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Verlust, was enormen gesamtgesellschaftlichen Rückschritt bedeutete. Es dauerte Jahrzehnte bis sich das intelligente und fleißige Volk von diesen 10 Jahren missbrauchter jugendlicher Terrorherrschaft erholt hatte. Bis heute ist dieser Prozess gesellschaftlich nicht umfassend aufgearbeitet, im Gegenteil. Der Drang nach Konsum westlichen Zuschnitts hat still, klamm und heimlich revolutionären Eifer abgelöst.

Greta aus Schweden

Um Greta aus Schweden ist es in den letzten Wochen ruhig geworden. Vielleicht macht sie, wie ihre weltweiten Jünger auch, Urlaub, nachdem die Lehrer ihrer Schule ihr trotz häufiger Abwesenheit vom Unterricht ein vorzügliches Abschlußzeugnis der „mittleren Reife“ spendiert haben.

F4f machen ebenfalls Ferien.

Handys und Computer sind abgeschaltet. Fleisch kommt wegen furzender Tiere nicht mehr auf den Tisch, sie laben sich statt dessen an Salatblatt und Tofu-Schnitzeln. Moped, Auto, der automatisierte Rasenmäher sind eingemottet, eine möglichst weite Überseereise wird nicht mehr ins Auge gefasst. Ab dem nächsten Schuljahr werden sie freiwillig auf die beliebten Selbstfindungstrips nach Neuseeland, Australien, Canada oder den Staaten verzichten, statt dessen in der Freizeit auf dem eigenen Acker im Schweiße ihres Angesichts von Hand arbeiten, Rüben hacken und Möhren verziehen, da auf den Gebrauch landwirtschaftlicher Großmaschinen selbstverständlich verzichtet wird. Der englische Rasen auf dem Grundstück wird ausschließlich mit Sense und Sichel bearbeitet. Die allseits beliebte und – zugegeben – leckere Flugmango wird durch den Genuss einer Möhre aus eigenem ökologischem Anbau ersetzt.

Thema: ökologischer Anbau, in meiner Kindheit war es mangels anderer Mittel durchaus üblich den Inhalt des hauseigenen Plumpsklos im Herbst im Hausgarten als Dünger auszubringen, Erdbeeren, Kartoffeln, Gemüse profitierten ohne Zweifel davon. Back to the roots.

Obwohl, ich bemerke gerade mit Schrecken, dass ich vergessen habe, wie ich eigentlich von Stefan aus Cloyes-sur-le-Loir und Nikolaus aus Köln, über den Rattenfänger von Hameln und Mao’s „Roten Garden“ zu Greta aus Schweden gekommen bin?

Vielleicht über den Schnulzenbarden Herbert Grönemeyer?

Gebt den Kindern das Kommando
sie berechnen nicht
was sie tun
Die Welt gehört in Kinderhände
dem Trübsinn ein Ende
wir werden in Grund und Boden gelacht
Kinder an die Macht.

Wie recht er doch hat, obwohl er es wahrscheinlich ganz anders meint.

Also, genießt den Urlaub, so ihr denn habt, F4f wacht über euch, in jeder Beziehung.

‚Et hätt noch emmer joot jejange…‘ oder ‚Et kütt wie et kütt‘.

Immer stimmt das Rheinische Grundgesetz, einer der 11 Artikel trifft es immer.

In dieser Woche sind Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius vorhergesagt, ich ertappe mich dabei, dass ich mich schon heute bei 32 Grad selbst bedauere. Zugegeben es fällt mir nicht leicht mich mit diesen krassen Temperaturwechseln anzufreunden, aber bis jetzt hätt et noch emmer joot jejange.

Trotzdem, alle Welt schwatzt nur von der Hitze, klagt, jammert, malt die Apokalypse an die Wand, ich beteilige mich dankbar daran.

Heute morgen habe ich mich geärgert, wegen einer Kleinigkeit, aber ich wollte mich scheinbar auch ärgern.

An meinem Fahrrad waren die Bremsbeläge abgefahren. Früher hätte ich für ein paar Cent die einfachsten Gummis gekauft, aber als „Internethöriger“ hatte ich mich natürlich umfassend über mehrere Stunden informiert und ganz spezielle Beläge, die in den höchsten Töten angepriesen werden, bestellt. Sie kosten nicht ein paar Cent, aber auch nur wenige Euro, sie sehen gut aus, sind schön bunt …und taugen nichts. Die ersten Bremsprobe verlief katastrophal, zum Glück kam mir kein Verkehr in die Quere, ich musste das Rad mit dem Fuss stoppen. Also hatte ich allen Grund mich zu ärgern, am meisten über mich, da ich dämlich auf diese Falle hereingefallen war.

Die „große“ Groko-Partei SPD hat heute wieder einmal beschlossen, sich statt zu regieren, was der verfassungsmäßige Auftrag ist, mehrere Monate mit sich selbst zu beschäftigen. Die provisorische Parteiführung hat dafür in einer Pressekonferenz hochtrabende, wortreiche und relativ inhaltsschwache Erklärung gegeben und die anwesenden Pressevertreter haben das aufgesogen wie die Bienen den Nektar. Wahrscheinlich hätten nur Greta oder die kriminellen Garzweiler-Aktivistinnen ihnen die Schau stehlen können. Aber Greta war nicht in der Nähe und die Garzweiler hocken in ihren weißen Strampelanzügen in der Hitze der „Sahara-Peitsche“.

Es gibt also, wenn man will, ununterbrochen Grund zu jammern, zu klagen, sich selbst zu bedauern. Das Leben ist schlimm und eines der Schwersten der Welt.

Nachmittags erwischte mich in der Hitze des Tages kalt eine eMail, überschrieben „Traurige Nachricht“. Ich hatte gerade begonnen die rinnenden Schweißtropfen zu zählen, um meiner negativen Stimmung weitere Nahrung zu geben.

Gestern ist eine Kollegin ist gestorben, Mitte 40, wie man sagt in der Blüte des Lebens, wurde sie völlig unerwartet Opfer einer Infektion mit dem Hanta-Virus.

Vor einigen Monaten ist ebenfalls eine frühere Kollegin verstorben, auch sie scheinbar aus dem Nichts heraus, wenige Wochen nach ihrer Silbernen Hochzeit. Eine nicht beherrschbare, ungemein aggressive maligne Erkrankung war die Ursache.

Ich schwitze immer noch, die Schweißtropfen zähle ich nicht mehr, morgen werde ich wieder die einfachen Bremsgummis an mein Rad schrauben und werde üben, dass das, was die SPD tut, mir scheißegal bleibt.

Immer stimmt also das Rheinische Grundgesetz, aber nicht immer: ‚Et hätt noch emmer joot jejange‚, manchmal geht es auch schrecklich daneben, ‚Wat wells de maache?‚.

Dann erwischt uns statt der Hitze des Tages eiskalt die Kälte des Todes.

Bonbons, handgemacht

Die Regale der Supermärkte und Discounter sind voll von süßen Dingen, Zuckerwaren, Süßigkeiten, Leckereien und was weiß ich noch für Anglismen die süßen Versuchungen bezeichnen. Geschickt verteilt auf den Zwangswegen durch die Regale stößt man überall auf Zucker. Es ist so gewollt und die Menschen wollen es so.

Verpackt ist alles, in Flaschen, Gläsern, Büchsen, Kunststoffverpackungen, Verpackungsmüll spielt keine Rolle, auch die F4F-Kids machen dabei keine Ausnahme.

In meiner Kindheit – den fünfziger Jahren – gab es im lokalen Kolonialwarenladen auch Süßigkeiten. Das Angebot war überschaubar.

Bonbons gab es lose aus großen Gläsern, aus denen stückweise verkauft wurde. Ich konnte also beispielsweise 10 Himbeerbonbons kaufen, bekam sie in einer aus Zeitungspapier gedrehten Tüte und war glücklich. Dann gab es Bonbons am Stiel, wir nannten sie „Leck-mal-dran“, heute heißen sie wohl Lollis.

Bonbons, in loser Form kann man heute fast nicht mehr kaufen.

Es gibt Ausnahmen, wenn auch nur wenige mir bekannte.

Eine finde ich in einer norddeutschen Stadt, bekannt durch die Heide gleichen Namens, eine langjährige Fernsehserie, die historische Innenstadt mit gefühlt hunderten kleinen Geschäften, Gaststätten, Straßencafes. Beim Blick von oben wird das Stadtbild geprägt durch den alles überragenden Wasserturm, ein Meisterwerk norddeutscher Backsteinkunst mit seiner neogotischen Fassade einerseits und den architektonisch modernen Campus der Leuphana-Universität.

Beim Bummel durch die Innenstadt fällt mir an einem Durchgang ein kleines Schild auf, es verweist auf einen Innenhof und lädt zum „Schau-Bonbon-Machen“ ein.

Zwischen Karstadt einerseits und der lieblosen Filiale einer großen Bäckereikette auf der anderen Seite finden sich mehrere kleinen Fenster und eine Tür, ausgewiesen als „Bonbon-Manifaktur“. Der Laden, hell und freundlich, mehrere Reihen kleiner Boxen, gefüllt mit bunten Bonbons, an den Wänden auf Regalen, auch in Plastik verpackte Ware.

Der Hausherr, ein sehr schlanker Typ, erinnert eher an einen Marathonläufer, denn einen Süsswarenhersteller. Große Hände und starke Oberarme lassen auf Krafttraining schließen.

Sein kompletter Arbeitsplatz füllt gerade einmal eine Ecke des Raumes aus, 3 Edelstahltische, ein Rührwerk, auf einem der Tische eine kleine Maschine mit zwei sich gegenläufige drehenden Rollen. Das ist auf den ersten Blick alles.

Der Meister, nach eigenen Angaben ‚Seiteneinsteiger‘ ins Bonbon-Fach, bearbeitet von Hand auf einem der Tische einen großen, glasigen Klumpen, den er breit laufen lässt, immer wieder faltet und mit Schwung zurück auf den Tisch wirft, jedesmal ein lautes, sattes Platschen erzeugend. Seine Hände sind geschützt durch zwei Paar übereinander getragene Handschuhe, ich erfahrene, dass die Bonbon-Masse immerhin um die 150 Grad hat, wenn sie auf den Tisch kommt.

Während er immer wieder die glasige Masse zusammenfaltet, beschreibt er den – leider wenigen – Zuschauern den Vorgang und auch seine aktuelle Rezeptur.

Er bereitet eine seiner Spezialitäten, ‚Lüneburger Hansegiebel‘. Die Rezeptur ist selbst für mich überschaubar, etwas Zucker, dazu ein Glukosesirup ohne irgendwelche Aromen plus 2,5 % Solesalz, aus der heimischen, historischen Salzgewinnung.

Ich lerne, in der Bonbonmasse lösen sich die großen Siedesalzkristalle nicht auf, sie werden lediglich vom Zucker umschlossen, wichtig für den späteren Geschmack.

Nach wenigen Minuten der nächste Arbeitsschritt, an der Wand ist ein großer Haken befestigt, über den er die zuletzt zu einer Art Zopf gefaltete Masse hängt. Jetzt werden die großen Hände und die gute Oberarmmuskulatur verständlich, es kommt das ‚Ziehen‘.

Er zieht die Masse über den Stahlhaken zu einem Strang aus, faltet ihn zusammen, wirft ihn wieder über den Haken und zieht, dies mehrfach über mehrere Minuten. Dabei verändert sich die Bonbonmasse von glasig zu weiß, bedingt durch Lufteinschlüsse, die durch das häufige Ausziehen entstehen.

Als ihm Konsistenz und Farbe der Masse gefallen, formt er daraus eine Platte, die er durch die Bonbonwalze laufen läßt. Dies besteht aus zwei gegenläufigen Walzen, zwischen denen die Masse praktisch erkaltet, noch als Band, aber schon mit den Grundformen der jeweiligen Bonbons herauskommt.

In diesem Fall sind es die Hansegiebel, in der Grundform eines norddeutschen Hausgiebels.

Das Bonbonband läßt er fast zärtlich auf den Tisch fallen, es löst sich auf, wie in einzelne Tropfen, der Drops ist geboren.

Nun ja, ein kleiner Wermutstropfen: Wer die leckeren Bonbons kaufen will, muss sie in bereitliegende Spitztüten verpacken. Es ist ein weißer Kunststoff, ich hoffe, dass es zur Beruhigung meines ökologischen Gewissens zumindest Cellophan ist.

Cellophan, auch Cellulosehydrat oder Zellglas wird hergestellt aus Holzpulpe, einem Cellulosebrei und scheint im Rahmen dieses ganzen Verpackungsmülls zumindest in unbeschichteter Form noch etwas ökologisch – aber genau weiß ich es auch nicht.

Die Bonbons jedenfalls sind lecker, äußerst lecker und sooo schön süß.

Was wirklich wichtig ist … am 20. Juni 2019.

Ich werde es wohl nie lernen, auch heute morgen habe ich mir den Tag gleich wieder mit der – elektronischen – Zeitungsschau versaut. Obwohl ich ganz genau weiß, dass ich mich aufrege, plagt mich immer wieder die pure Neugier, vielleicht aber auch die Hoffnung irgendetwas Wichtiges zu lesen.

Die WELT verbreitet sich über das Programm des Evangelischen Kirchentags in Dortmund. Dort werden unter anderem ein Workshop „Vulven malen“ und ein Frauen-Workshop „Schöner kommen“ angeboten. Der Workshop mit den Vulven ist offenbar nicht ausschließlich Frauen vorbehalten. Aber besser Workshops über Vulven und Orgasmen als weitere Mißbrauchsfälle, das geht schon in Ordnung.

Der Focus berichtet „Geheimtreffen aufgeflogen: Altmaier provoziert mit Besuch bei Huawei-Chef“, bringt den täglichen Bericht über Klums Heidi und ihren neuen Verlobten und kolportiert aus Maischberger „Merz attackiert Merkel in ZDF-Talk: „Für jeden gibt es eine Alternative“. Natürlich gibt es für jeden eine Alternative, allerdings nicht für jede – ein bißchen Gender muss schon sein.

Im Spiegel zeigt Heiko Maas nicht nur den üblich knappen Anzug, sondern auch Flagge: „Maas will Europas Abwehrkräfte stärken“ – ein sehr opportunes, kostenneutrales und nebenwirkungsfreies Mittel dazu wären etwa Kneipp-Anwendungen. Man stelle sich vor, Merkel, Macron und meinetwegen Salvini krempeln die Hosenbeine hoch und stapfen durch des eiskalte Kneipp-Becken. Jean-Claude Juncker taumelt hinterher, er hat wieder einmal Ischias.

Der Standard ist typisch Österreich, entweder geht es um Politik mit Geschmäckle oder auch ganz wichtige Themen wie „Menstruation in der Werbung – eine Geschichte voller Missverständnisse“.

Die NZZ verkörpert für den etwas kritischeren Leser das, was früher für die Ossis das Westfernsehen war, Themen werden – noch – relativ offen angesprochen. Über dem Beitrag „Kommt es beim Postenschacher zum Durchbruch? Sechs Antworten zum EU-Gipfel“ prangt seltsamerweise das sehr glatte Konterfei von Manfred Weber, Zufall oder doch Absicht?

In Bild plaudert Lena Meyer-Landrut „Über Köperbehaarung – Wo rasiert wird,
wo’s stehenbleibt …“
Letztlich erfahren wir etwas über die Achseln, aber nichts „über die Mitte“, man läßt uns schnöde im Dunklen.

Die Krone scheint etwas lebensnäher, bringt nichts über Schambehaarung, hier springt mir ins Auge „Aus nach 100 Jahren – Anscheinend muss letztes Wirtshaus sterben …“. Das wäre wirklich tragisch, wie Lena untenrum aussieht scheint mir dagegen völlig uninteressant, vielleicht hat es aber auch nur mit meinem Alter zu tun.

Also viel „Lesenswertes“ in den Medien, aber was ist wirklich wichtig?

Morgen, am 21. Juni 2019 gegen 18.00 Uhr ist in unseren Gefilden Sommersonnenwende, dann erreicht die Sonne den Nördlichsten Punkt am Nördlichen Wendekreis.

Das ist seit undenklichen Zeiten so, darauf ist Verlaß und darauf wird auch noch Verlaß sein, wenn die Menschen auf diesem Planeten keine Rolle mehr spielen werden. Unabhängig davon, was in Brüssel gekungelt wird oder ob ein Schlagersternchen „untenrum“ rasiert ist. Es wird auch nicht davon abhängen, ob der Meeresspiegel einen Meter höher oder niedriger an die Ufer schwappt.

Das ist alternativlos, selbst ohne Frau Merkel, die übrigens Sigmar Gabriel heute als neue EU-Chefin ins Spiel gebracht hat. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, ein langjähriger erfolgloser SPD-Chef lässt die Hosen runter und bringt seine unmittelbare politische Gegnerin für das höchste politische Amt Europas ins Spiel.

Hoffentlich kommen jetzt nicht gleich wieder die ewigen Nörgler und fragen, warum der gemeine Bürger eigentlich noch wählen gehen sollte?

Ich könnte die Frage nicht beantworten, also Leute geht zur Sonnenwendfeier, so es denn eine gibt, garantiert alternativlos und genderfrei.

Die taz, Frau Roth und die fehlenden Tassen im Schrank ….

Ich bin über rund 70 Lebensjahre von der Presse viel gewohnt, aber es gibt immer noch Steigerungen.

Oma Anna beispielsweise hatte bis zu ihrem Tod alte Zigarettenbilderalben in ihrer Truhe bewahrt, die vom I. Weltkrieg und den dort geleisteten Heldentaten der Soldaten Kunde gaben. Sie verherrlichten das Soldatsein, sie Schlachten vor Verdun, an der Maas und sonstwo und mir kam als kleinem Pimpf, wie es damals oft noch hieß, das Gefühl, das muss ich auch machen. Das und nur das sind richtige Männer.

Die Alben stammten aus der Zeit zwischen den Kriegen, wie man damals sagte, und dienten dazu die Menschen auf den nächsten Krieg vorzubereiten.

Es klappte, auch danach noch.

Für die Jungen: Zigarettenbilder lagen früher oft Packungen bei, wurden gesammelt, dazu gab es Alben um die Menschen zum Kauf anzuregen, so wie heute irgendwelche Sticker.

In der Kiste lagen ganz unten auch einige alte Zeitungen. Ich erinnere mich noch heute an eine Ausgabe des „Stürmer“. Der „Stürmer“ hatte den Untertitel „Deutsches Wochenblatt zum Kampfe um die Wahrheit“.

Der Kampf um die Wahrheit, das musste gut sein.

Als Kind, welches gerade Lesen gelernt hatte, fand ich noch alles spannend. Das vergilbte Papier, welches ich sehr vorsichtig auseinander falten musste, damit es an den Falzen nicht noch weiter einriss, große Buchstaben, die sofort ins Auge sprangen und die „Wahrheit“ verkündeten, große, betont hässliche Karikaturen, Texte musste man eigentlich nicht lesen, das Feindbild war auf den ersten Blick klar: Es war der ‚ewige Jude‘.

In späteren Jahren war das Feindbild, diesmal in den ostdeutschen Medien, ebenso klar definiert, es waren die Amerikaner und ihre Handlanger, die „Bonner Ultras“.

Amerikanische Präsidenten wurden herabgewürdigt, ich erinnere mich noch gut an die klassischen Feindbilder in Gestalt von Dwight D. Eisenhower oder später von Ronald Reagan. Sie waren die Inkarnation des Bösen schlechthin, man musste als Ostdeutscher ganz einfach gegen sie sein.

Über lange Jahre gut indoktriniert, hätte kein noch so abgeklapperter ostdeutscher Hund von diesen Herren auch nur einen abgenagten Knochen angenommen, lieber wären sie auf offener Straße, aber mit hoch erhobenem Haupt vor dem Klassenfeind verhungert.

Westdeutsche Politiker, etwa Konrad Adenauer oder Ludwig Erhard waren in ostdeutschen Medien durchgängig als negativ konnotierte Karikaturen präsent, die sich in der Verächtlichmachung der Dargestellten vom ‚Stürmer‘ nicht wesentlich unterschieden. Erich Ollenhauer und Kurt Schumacher waren die Inkarnation des Bösen unter dem verbergenden Mantel der Sozialdemokratie, der man schon a priori nicht über den Weg trauen konnte.

Und wieder glaubten es die Menschen, auch ich in jungen Jahren.

Von allen Seiten war das jeweilige Feindbild meist klar, fast immer wurde es außerhalb der eigenen sozialen Gruppe verordet, es galt die eigene Gruppe, zumindest ideel zusammen zu halten, dann konnte man von einer relativen Sicherheit ausgehen. Dazu brauchte es stets eines – möglichst – äußeren Feindes.

Man schiss gefälligst nicht ins eigene Nest!

Wer dies dennoch tat, war außen vor und wurde mehr oder weniger ausgegrenzt. Hinter ihm schlossen sich ganz schnell, wie unter anderem im Horst-Wessel-Lied der Nazis besungen „die Reihen wieder fest“.

Dies war im Osten so und auch im Westen Deutschlands gab es Zeiten, da konnte man als bekennender Linker nicht einmal beamteter Briefträger werden, „da man nicht auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ stand.

Nun haben sich zwar die Zeiten kalendarisch geändert, die Funktion der Medien ist gleich geblieben, lediglich die Begrifflichkeiten haben sich – der neuen Zeit – angepasst.

Die Medien sind und waren überwiegend Claqueure der ‚herrschenden Meinung‘, die sie gern zur Mehrheitsmeinung und damit der Einfachheit halber zur Wahrheit erklären.

Ab und zu ändert sich lediglich das jeweilige Feindbild, aktuell ist es der ‚alte weisse Mann‘, der die Rechtgläubigen schier zur Verzweiflung treibt. Die Rechtgläubigen sind die, die wie Oma Anna selig, der Philosophie anhängen:

Es muss doch stimmen, so hat es in der Zeitung gestanden.

Zur Erklärung, die alten weissen Männer und Frauen, dass sind die, die in den vergangenen Jahrzehnten mit ihrer Arbeit die materielle Basis gelegt haben für den gesellschaftlichen Wohlstand, von dem in unserem Land fast jeder – vom Millionär bis zum Leistungsbezieher – gern profitiert.

Nun ergab es sich, dass es fast zu allen Zeiten, hier muss die Zeit des regierenden Nationalsozialismus ausgeklammert werden, trotzdem diese oder jene mediale Stimme gab, die mehr oder weniger vorsichtig und offen wider den Stachel löckte.

Lange Zeit war dies in dieser, unserer Republik in meinen Augen die taz. Zumindest bis 2015 hob sie sich zuweilen wohltuend vom medialen Einheitsbrei ab, weshalb zumindest die Wochenendausgabe regelmäßig bei uns Eingang fand.

Ich befürchte, damit ist es jetzt vorbei, denn die taz hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.

In der Wochenendausgabe findet sich die Kolumne einer jungen Redakteurin namens Johanna Roth, die sich „Redakteurin Meinung“ tituliert.

Mit Verlaub, diese Frau hat, wie ich dringend vermute, absolut einen an der Klatsche! Entweder hat ihr die Hitze der letzten Tage zugesetzt, der menschengemachte Klimawandel knappert an ihrem Verstand, man hat sie als Kind zu heiß gebadet oder vielleicht hat sie die Großmutter versehentlich statt mit Penaten mit dem Klammersack bearbeitet? Einen Grund für ihren Zustand muss es geben!

http://www.taz.de/Kolumne-Der-rote-Faden/!5597166/

Sie macht ihre Kolumne auf mit dem Titel:

Rentner, gebt das Wahlrecht ab!

Und den Führerschein gleich mit. Denn für beides gilt: Die Alten gefährden die Jungen. Was wir brauchen, ist eine Epistokratie der Jugend.

Für die Nicht-so-Wissenden eine kleine Erklärung:

Epistokratie meint die Herrschaft der Wissenden, d.h. nach Meinung der taz verkörpert in unserer Gesellschaft allein die Jugend die ‚Wissenden‘, alle anderen speziell die Alten, sind unfähig.

Ich habe selten oder wahrscheinlich in den letzten 60 Jahren noch nie einen dämlicheren und ältere Menschen verachtenderen Beitrag gelesen, als diesen von Frau Roth, arrogant, einfach blöd.

Aber lest selbst, der Link ist aktuell.

Was Frau Roth und der taz noch fehlt sind deftige Karikaturen über ältere Menschen in unserer Gesellschaft, wahrscheinlich wird es nicht mehr lange dauern, dann hat man in den Archiven genügend Vorlagen des ‚Stürmers“ dazu ausgewertet, der Ductus von Frau Roth jedenfalls passt schon.

Ich sehe die Karikaturen schon vor meinem geistigen Auge, falls Bedarf besteht, fertige ich der taz gern Vorlagen.

PS: Ach so, die taz verliert natürlich unser Abo. Ich würde als Nicht-Wissender die epistokrate Frau Roth sowieso nicht verstehen und lernen kann ich von ihr auch nichts, denn Dummheit kann man nicht lernen, die hat man oder man hat sie eben nicht.

L 1022 oder zwei Formen von Gerechtigkeit?

Donnerstag, 6.6.2019, morgens gegen 7.30 Uhr.

Ein kleines Dorf in Thüringen, in Sichtweite der Grenze zu Hessen, ich bin auf der Fahrt von einer Arbeitsstelle zur nächsten, Ärzte sind knapp, sodass man auch als Rentner gut arbeiten und vor allem Steuern zahlen darf. Scholz braucht Geld zum Umverteilen.

Das Dorf, W. liegt an der L1022, unspektakulär, kein Protz, klein, sauber, also typisch thüringisch.

Am Ortseingangsschild lehnt ein altes Fahrrad, ramponiert, die besten Jahre hat es hinter sich, daneben der bekannte ostdeutsche Einkaufsbeutel aus Stoff, gut gefüllt, oben schaut der Verschluss einer Plasteflasche heraus. Komplettiert wird das Ensemble, vielleicht auch ein Stilleben, durch einen Benzinkanister.

Einige Meter weiter bewegt sich mühsam ein älterer Mann, ich schätze ihn auf Anfang 60, durch den Straßengraben.

Es wirkt unbeholfen, wie er mit einer langen Motorsense hantiert, selbst ist er eher klein, sehr gut beleibt, ein buntes Basecap, ein T-Shirt undefinierbarer Farbe, welches über dem gewaltigen Bauch spannt, darunter eine weite und kurze Hose und Füße in ausgelatschten Sandalen. Die früher sicher weißen Tennissocken tragen nicht dazu bei, dass er stattlicher wirkt. Am auffälligsten sind seine ausgeprägten O-Beine, als Kind hätten wir uns darüber lustig gemacht, heute muss ich froh sein, selbst noch nicht davon betroffen zu sein.

Es fällt ihm sehr schwer sich in dem sehr unebenen Gelände mit seiner Motorsense zu bewegen, er rutscht auf dem nassen Gras aus und fällt in den Graben über den langen Stiel der Maschine.

Als er sich mit meiner Hilfe wieder aufgerappelt hat, erfahre ich, dass er vom Jobcenter zu dieser Arbeit „verdonnert“ worden ist. ‚Eigentlich ist er froh einen kleinen Job zu haben, andererseits hätte er sich über eine leichtere Arbeit sehr gefreut.‘ Ich verstehe ihn.

Von einer Kollegin, weiss ich, dass es auch in diesem kleinen Dorf an der L 1022 mehrere junge ‚Leistungsbezieher‘ gibt, denen jede Arbeit angeblich zu schwer und jeglicher vom Amt erzwungene Arbeitsversuch nach kurzer Zeit mit einem Krankenschein gekrönt ist. Meist gibt das Jobcenter schneller auf, als die Arbeitsverweigerer.

Ich bin mir sicher, der ältere Herr wird auch nächste Woche wieder mit seiner Motorsense im Dorf unterwegs sein, während sich die Kräftigeren noch mehrmals in ihren Betten wenden werden.

Zwei Formen von Gerechtigkeit an der L 1022 oder laut Grundgesetz Artikel 3:

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“

Hitze ist doof …

Herr im Himmel, 34 Grad am Nachmittag auf dem Weg zum Dienst in die Klinik. Vor einer halben Stunde habe ich geduscht und schon läuft mir wieder die Brühe den Rücken hinunter, der Hemdkragen klebt, am liebsten würde ich nur ein T-Shirt tragen, geht aber nicht so ganz, etwas Dresscode wird erwartet, selbst im Nachtdienst. Außerdem im fortgeschrittenen Alter in der Klinik mit T-Shirt? Möglicherweise bin ich aber auch nur zu verklemmt.

Hitze ist mir unangenehm, sehr unangenehm, nein, Hitze ist schlichtweg doof.

Wahrscheinlich ist es die Strafe dafür, dass ich nicht zu den Klimahysterikern gehöre? Nur frage ich mich, wer hat das „Dem-da-Oben“ gesteckt?

E-Scooter und das „gute“ Gewissen …

Einer meiner Nachbarn, ein sehr angenehmer Mensch, hilfsbereit, freundlich, fährt seit einigen Wochen mit dem Elektroroller durch die Gegend. Gegend meint in unserem winzigen Dorf vielleicht eine Wegstrecke von maximal 700 Metern von einem Ende bis zum anderen.

Stolz curvt er mit dem kleinen Ding, das durchaus auch chic aussieht durchs Dorf, auf Strecken, die er genauso gut per pedes oder mit dem Fahrrad per Muskelkraft zurücklegen könnte.

Meine etwas spöttische Bemerkung ob eines Rentnerfahrzeugs kontert er mit dem Hinweis darauf, dass seine etwas fülligere Ehefrau damit zum Friedhof fahren könne, was wohl stimmt, an ihrer Körperfülle aber nichts ändern wird.

Gestern Abend habe ich die Dokumentation über die Lithiumgewinnung in Südamerika verfolgt.

Vergleiche ich die – ich nenne es bewußt so – Unmenschlichkeit, mit der dort Lithium für unser Grünes E-Mobilitätsgewissen gewonnen wird, wäre es an der Zeit anzufangen nachzudenken.

Wir tun es nicht.

Statt dessen berauschen wir uns an Pseudoaktivitäten, fühlen uns großartig dabei, Menschen vom Schlage Baerbock und Habeck mag dies sogar mehrfach täglich bis zum grünen Orgasmus bringen.

Die E-Scooter sind für mich übrigens ein Paradebeispiel für excellente Lobbyarbeit.

Wer braucht E-Scooter?

Unter rationalen Aspekten kein Mensch. Aber mehrere Monate hat man aus allen Rohren getönt, sodass sich bei den Menschen der Eindruck verdichtete, diese Dinger wären die Lösung aller Probleme und wer dies nicht einsieht ist ein Ewig-Gestriger, ein rückwärtsgewandter alter weißer Mann, wenn man Pech hatte, wurde man gleich zum Rechten oder Nazi hochstilisiert.

Fix wurde ein entsprechendes Gesetz, wie eine alte Schindmähre im bergigen Gelände, über den parlamentarischen Weg gepeitscht und schon nach wenigen Tagen konnte man lesen, dass die Hersteller bereits Lieferschwierigkeiten haben.

Wo kommt das Lithium für die Batterien her? Wer hat die Entsorgung dieser umweltfeindlichen Dinger geregelt, wer verfügt über serienreife Technologie zur Aufarbeitung der nicht sehr langlebigen Batterien?

Und, und, und … und die Lobby hat einmal mehr über den gesunden Menschenverstand gesiegt.

Der Kastanienbaum…

Hebe ich meinen Blick vom Display nach oben, fällt er durch das Fenster unmittelbar auf einen Kastanienbaum.

Er ist jetzt im vollen satten Grün, die Blütenkerzen sind am Verblühen, einzelne Blüten sind schon am Verblassen, andere sind noch strahlend weiss. In wenigen Wochen werden sich auf den jetzt kräftigen Blättern die ersten kleinen braunen Stellen zeigen, sie werden an Spannung verlieren, sich früh völlig braun verfärben und dann früher als an den anderen Bäumen rund herum abfallen.

Ich nehme an, dass er es wie in den letzten Jahren trotzdem schaffen wird viele stachlige Früchte auszubilden, sie werden aufreissen, die Kinder der umliegenden Häuser werden sich dann einfinden und die dunkelbraunen Früchte einsammeln.

Seit 25 Jahren beobachte ich diesen Baum, er ist gewachsen und mehrere Generationen von Kindern haben sich um die braunen, runden, glatten Früchte gestritten.

Die Kinder, die vor 20 Jahren die Kastanien aufgesammelt haben, sind inzwischen selbst Eltern und kommen mit ihren kleinen Kindern.

Ich gehe davon aus, dass auch in weiteren 25 Jahren Kinder dort suchen und sich freuen werden, wenn sie die glatten, braunen Früchte durch ihre kleinen dicken Finger gleiten lassen. Erleben werde ich dies nicht mehr, aber es wird so sein.

Wir sind es gewohnt, wir werden so erzogen, es wird uns täglich über die Medien eingebleut: Wir sind wichtig, furchtbar wichtig, überaus wichtig, am allerwichtigsten auf dieser Welt.

Aktuell kasteien wir uns selbst, indem wir in einer Art gesellschaftlicher Psychose über die Chimäre eines „menschengemachten Klimawandels“ reflektieren und uns zur allein bestimmenden Kraft gegen alle naturwissenschaftlichen Gegebenheiten auf dieser Welt erklären. Untergangsszenarien werden mit grellsten Farben an die Wand gemalt, inzwischen dient das Klimathema auch dazu die Menschen zu disziplinieren.

Greta, ein Kind aus Schweden wird zur Ikone erklärt, nahezu vergöttert schreitet sie durch die Welt, niemand, der halbwegs bei Verstand ist, kann diese Entwicklung nachvollziehen.

Ich weigere mich in diese Hysterie einzustimmen, auch wenn ich von den Klimahysterikern damit zum Feind erklärt werde, ich vertraue auf die Kraft meiner Kastanie vor dem Fenster.