Was wirklich wichtig ist … am 20. Juni 2019.

Ich werde es wohl nie lernen, auch heute morgen habe ich mir den Tag gleich wieder mit der – elektronischen – Zeitungsschau versaut. Obwohl ich ganz genau weiß, dass ich mich aufrege, plagt mich immer wieder die pure Neugier, vielleicht aber auch die Hoffnung irgendetwas Wichtiges zu lesen.

Die WELT verbreitet sich über das Programm des Evangelischen Kirchentags in Dortmund. Dort werden unter anderem ein Workshop „Vulven malen“ und ein Frauen-Workshop „Schöner kommen“ angeboten. Der Workshop mit den Vulven ist offenbar nicht ausschließlich Frauen vorbehalten. Aber besser Workshops über Vulven und Orgasmen als weitere Mißbrauchsfälle, das geht schon in Ordnung.

Der Focus berichtet „Geheimtreffen aufgeflogen: Altmaier provoziert mit Besuch bei Huawei-Chef“, bringt den täglichen Bericht über Klums Heidi und ihren neuen Verlobten und kolportiert aus Maischberger „Merz attackiert Merkel in ZDF-Talk: „Für jeden gibt es eine Alternative“. Natürlich gibt es für jeden eine Alternative, allerdings nicht für jede – ein bißchen Gender muss schon sein.

Im Spiegel zeigt Heiko Maas nicht nur den üblich knappen Anzug, sondern auch Flagge: „Maas will Europas Abwehrkräfte stärken“ – ein sehr opportunes, kostenneutrales und nebenwirkungsfreies Mittel dazu wären etwa Kneipp-Anwendungen. Man stelle sich vor, Merkel, Macron und meinetwegen Salvini krempeln die Hosenbeine hoch und stapfen durch des eiskalte Kneipp-Becken. Jean-Claude Juncker taumelt hinterher, er hat wieder einmal Ischias.

Der Standard ist typisch Österreich, entweder geht es um Politik mit Geschmäckle oder auch ganz wichtige Themen wie „Menstruation in der Werbung – eine Geschichte voller Missverständnisse“.

Die NZZ verkörpert für den etwas kritischeren Leser das, was früher für die Ossis das Westfernsehen war, Themen werden – noch – relativ offen angesprochen. Über dem Beitrag „Kommt es beim Postenschacher zum Durchbruch? Sechs Antworten zum EU-Gipfel“ prangt seltsamerweise das sehr glatte Konterfei von Manfred Weber, Zufall oder doch Absicht?

In Bild plaudert Lena Meyer-Landrut „Über Köperbehaarung – Wo rasiert wird,
wo’s stehenbleibt …“
Letztlich erfahren wir etwas über die Achseln, aber nichts „über die Mitte“, man läßt uns schnöde im Dunklen.

Die Krone scheint etwas lebensnäher, bringt nichts über Schambehaarung, hier springt mir ins Auge „Aus nach 100 Jahren – Anscheinend muss letztes Wirtshaus sterben …“. Das wäre wirklich tragisch, wie Lena untenrum aussieht scheint mir dagegen völlig uninteressant, vielleicht hat es aber auch nur mit meinem Alter zu tun.

Also viel „Lesenswertes“ in den Medien, aber was ist wirklich wichtig?

Morgen, am 21. Juni 2019 gegen 18.00 Uhr ist in unseren Gefilden Sommersonnenwende, dann erreicht die Sonne den Nördlichsten Punkt am Nördlichen Wendekreis.

Das ist seit undenklichen Zeiten so, darauf ist Verlaß und darauf wird auch noch Verlaß sein, wenn die Menschen auf diesem Planeten keine Rolle mehr spielen werden. Unabhängig davon, was in Brüssel gekungelt wird oder ob ein Schlagersternchen „untenrum“ rasiert ist. Es wird auch nicht davon abhängen, ob der Meeresspiegel einen Meter höher oder niedriger an die Ufer schwappt.

Das ist alternativlos, selbst ohne Frau Merkel, die übrigens Sigmar Gabriel heute als neue EU-Chefin ins Spiel gebracht hat. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, ein langjähriger erfolgloser SPD-Chef lässt die Hosen runter und bringt seine unmittelbare politische Gegnerin für das höchste politische Amt Europas ins Spiel.

Hoffentlich kommen jetzt nicht gleich wieder die ewigen Nörgler und fragen, warum der gemeine Bürger eigentlich noch wählen gehen sollte?

Ich könnte die Frage nicht beantworten, also Leute geht zur Sonnenwendfeier, so es denn eine gibt, garantiert alternativlos und genderfrei.

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