Solidarität ist vergänglich
Im Nachdienst bin ich zuweilen gezwungen einen Blick auf den Televisor, speziell die ÖR zu werfen.
Bla, bla, zum 1001sten mal werden die gleichen Corona-Songs hoch und runter zelebriert, die Moderatorensind um Frohsinn bemüht, wenn nicht gerade inhaltsschwangeren Blickes wieder einer unserer Politiker die Mattscheibe füllt.
Da fällt mir gerade ein: Ein häufig gebrauchtes Schimpfwort meiner Jugend war: „Du hast wohl eine Mattscheibe.“ Damit wollten wir ausdrücken, dass sich jemand wieder besonders dämlich benahm. Nun ja, …
Die Moderatoren berichten wohlgemut über irgendwelche Einträge „in sozialen Diensten“, die auch noch breit ins Bild gesetzt werden und können nicht aufhören die unendliche Solidarität der Menschen zu loben, wenn Frau A für Frau B die Milch aus dem Supermarkt mitbringt.
Die medial viel besungene Solidarität beginnt aber schon zu bröckeln:
Unsere Psychosomatische Fachklinik hat ihren Sitz im kleinstädtischen Bereich. Mit Sicherheit sind wir dort der mit Abstand größte Wirtschaftsfaktor.
Seit einigen Tagen nun sehen sich „besorgte Bürger“ der Stadt schon berufen uns mir Anrufen zu bombardieren und sich an die Medien zu wenden, da sie nicht wollen, dass „Fremde“, also unsere deutschlandweiten Patienten, im Ort wären. Und außerdem, „die“ wären ja nicht richtig krank, die hätten ja nur Psyche“.
Ohne Worte!
Da ich weiss, dass einige Bürger des Ortes mitlesen, spare ich mir jede weitere Klassifizierung. Wer mich kennt, kann sich sowieso problemlos denken, was hier stehen würde.
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Die Bäckersfrau stand heute allein an ihrem Tresen, ich war der einzige Kunde und sie „traute“ sich zu fragen, „0b denn der Abstand ausreicht… ?“ Sie hatte scheinbar nachgemessen, es wären 105 cm zwischen ihr und dem Kunden vor dem Tresen. Ich habe sie beruhigt, so genau weiss es derzeit sowieso niemand, die Angaben schwanken zwischen einem und vier Metern.
Ihre Auslage war überdurchschnittlich voll, ich habe das Gefühl, sie beruhigt sich mit Arbeit.
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Straßenverkehr, gegen 8.00 Uhr nach dem Nachtdienst – ‚tote Hose‘. Heute fehlte der Mustang, „dafür“ kam mir die Kollegin mit dem ‚Ypsilon‘ etwas verkniffenen Blickes wieder entgegen.
Gegen 10.00 Uhr war ich im hessischen Nebenort „beim Rossmann“, nicht wegen Klopapier! Trotzdem habe ich natürlich hingesehen: Die Ziege beim „Tischlein deck dich“, hätte gesagt: „Ich bin nicht satt, ich find keine Blatt…“. Gähnende Leere. Wie Oma Anna selig eben sagte: „Geschissen wird immer.“
Um diese Zeit waren die Straßen knüppeldicke voll, möglicherweise schläft man beim Corona etwas länger bevor man auf die Pirsch geht.
In und vor dem Kaffee einer großen hessischen Bäckereikette war es so belebt, dass im wahrsten Sinne des Wortes ‚kein Blatt Papier‘ dazwischen gepasst hätte. Etwa so, wie zwischen Angela Merkel und Friedrich Merz „kein Blatt Papier“ passt.
Bei 8 Grad Celsius waren selbst die Außenplätze schon prall belegt. „Eifrig büffelnde Schüler“ sassen reihenweise an der Wand oder auf einer kleinen Mauer, in einer Hand ihre umweltbewussten Papp-Kaffee-Becher, in der Anderen das Smartphone. Da ich ja mehrfach täglich lese, wie spontan und gewissenhaft sich unsere Schüler an den mitgegebenen Hausaufgaben beschäftigen, habe ich im Vorbeigehen versucht einen Blick auf die iPhones mit den Hausaufgaben zu werfen, vielleicht hätte ich ja helfen können, Fehlanzeige. Die Dinger sind ja inzwischen so raffiniert, dass sich die Lernprogramme für den Uneingeweihten als Messenger-Dienste tarnen.
Übrigens waren die Parkplätze mehrerer einsehbarer Supermärkte im Umkreis von vielleicht 300 bis 400 Metern proppenvoll, sodass ich annehme, dass die als Wunderwaffe gepriesenen ‚Home Offices‘ gerade gelüftet werden mussten. Jedenfalls, in normalen Zeiten finde ich dort bestenfalls die Hälfte der Autos vor.
Ich wünsche Euch allen wieder einen coronafreien Tag