… ist alles vorbei …

Es kann ja nicht sein, dass diese Narretei ewig so weitergeht.

Es kann ja nicht sein, dass diese Narretei ewig so weitergeht.
Nach den Gewalttaten der letzten Wochen und Monate gab es heute im hessischen Volksmarsen den nächsten Anschlag, diesmal auf einen Karnevalsumzug. Von 30 verletzten Opfern ist die Rede, ein Großteil sind Kinder.
Noch wurde nichts zu den Hintergründen der schrecklichen Tat veröffentlicht, die Politiker rennen bereist wieder mit betretenen Mienen durch die Gegend, sprechen salbungsvoll, versichern den Betroffenen ihr Mitgefühl … und beschäftigen sich weiter mit selbst.
Mein Mitgefühl gehört den Betroffenen, ihren Angehörigen und unserem Land von dem ich das Gefühl habe, dass die innere Sicherheit in einer bisher unvorstellbaren Geschwindigkeit erodiert.
Folge ich – als braver Bürger – unseren Medien sind derzeit die wichtigsten Probleme unseres Landes, wer von 4 Männern, die sich wie kleine Jungs geben, der nächste CDU-Boss werden soll, ob und wie ein Mann der LINKE weiter Ministerpräsident von Thüringen bleiben kann oder ob ein Splitterpartei wegen ein paar hundert Stimmen in eine Bürgerschaft einzieht oder eben nicht.
Und auf den Straßen bluten und verbluten Menschen, in Berlin, in Kassel, in Hanau oder heute in Volkmarsen.
Wenn alle Reden gehalten sein werden, wird es weitergehen wie bisher, oder vielleicht auch nicht.
Der Meister der leeren politischen Ankündigungen kündigt jetzt selbst seine Ankündigungen vorher an. Das muss man erstmal bringen.
Herr Merz lässt heute verkünden, dass er morgen seine Ankündigung für den CDU-Vorsitz kandidieren zu wollen, abgeben wird. Das schickt doch!

Ob Herr Merz wirklich glaubt, dass die ganze Welt die letzten 15 Jahre nur auf seine Wiederkehr als Erlöser der CDU gewartet hat? Wenn es so ist, dann ist er für die Funktion nicht geeignet, aber ich bin kein CDU-Mann, also geht es mich letztendlich auch nichts an.
Von den Bayern ist man ja inzwischen so Einiges gewohnt, wie etwa die politischen 180-Grad-Wenden der Herren Söder und Drehhofer zeigen.
Dass sie jetzt allerdings schon versuchen aus politischer Korrektheit das Land von Sebastian Kurz mit biologischem Feuer zu verwüsten, ist eine völlig neue Qualität. Wo kämen wir hin, wenn ein Jeder einfach zu heiss in den Wald des Anderen scheissen dürfte?

Ich finde, das geht selbst für einen Globalisierungskritiker zu weit.
Jeder behalte doch bitte seinen eigenen Mist!
Nach den politischen Jeckenspielen der vergangenen Wochen, deren Zenit noch nicht überschritten scheint, wird ab heute der Blick der Bürger mit den rheinischen Jecken vernebelt.
Dabei gibt es wirklich wichtige Dinge, die in unseren Medien vergleichsweise wenig Raum einnehmen.
So etwa die Causa und die Person von Julian Assange.
Es ist ein Verdienst von Assange und seiner Plattform „Wikileaks“ politische Skandale bis hin zu handfesten Kriegsverbrechen der US-Administration weltweit bekannt gemacht zu haben.
Da man von US-Seite seiner nicht habhaft werden konnte, werden seit 10 Jahren immer wieder neue Vorwürfe gegen ihn konstruiert, sodass er seitdem mehr oder weniger immer in Haft war, sich jetzt in den Händen der britischen Justiz befindet, die ab heute um seine eventuelle Auslieferung in die Staaten verhandelt, wo ihm, wegen „Geheimnisverrat“ nach offiziellen Angaben bis zu 175 Jahre Haft drohen.
Während in Deutschland die Jecken auf den Strassen tanzen, stehen in London viele ernsthafte Menschen auf der Straße und fordern die Freilassung von Assange und versuchen ihn mit ihrer Stimme vor politischer Willkür zu schützen. U.a. kann man dort den vielgescholtenen und verlachten Yanis Varoufakis sehen, der sich öffentlich artikuliert. Einen Vertreter der deutschen Politik dagegen wird man vergeblich suchen. Fehlanzeige!
Und das politische Berlin als selbsternannte oberste moralische Instanz – schweigt und ist wie meist in den letzten Jahren nur mit sich selbst beschäftigt.
Verhalten, sehr verhalten ist hierzulande auch das mediale Echo. Warum wohl?
Unbedingt empfehle ich Euch die wenigen Lichtblicke:
und
Mit Julian Assange soll ein Präzedenzfall geschaffen werden, um dem Journalismus „an sich“ zu signalisieren: Passt auf, was ihr sagt! Unser Arm ist länger.
Leute, lasst Euch nicht einlullen, die Luft brennt allerorten. Der „Kampf gegen rechts“ allein rettet unsere Demokratie nicht.
Und sage hinterher keiner, er hätte es nicht gewusst,
Als im Gefolge unserer Proteste in 1989 die Grenzen zwischen Ost- und Westdeutschland geöffnet wurden, verband sich mit der Unsicherheit, was kommen würde, die Hoffnung nach der Enge der DDR „die bürgerliche Freiheit“ – oder das, was wir darunter verstanden – kennen zu lernen und nutzen zu können.
Das wir ganz schnell und hart aufschlagend aus unseren idealistischen Träumen auf dem Boden der Realität landeten, habe ich schon mehrfach beschrieben.
Bis vor wenigen Jahren zumindest hielt sich bei mir trotz aller negativer Erfahrung hartnäckig der Glaube an die organisatorische Stabilität der parlamentarischen Demokratie, wenngleich ich ihre inhaltlichen Schwächen sehr schnell begriffen hatte.
Gestern war Wahl in Hamburg, durch die Medien hochstilisiert zum Jahresereignis.
Um 18.00 Uhr die erste „Prognose“ in den ÖR inhaltlich getragen von einem peinlichen Triumphgeschrei „Nazis raus“, da man für die AfD 4,7 % errechnet hatte, damit wäre sie aus der Bürgerschaft heraus gewählt gewesen. Bei der AfD hiess es dann, „sie ist heraus geflogen“.
Mein erster Reflex, ’nun ja, gut so‘, wobei ich immer noch an die Wirksamkeit unserer parlamentarischen Mechanismen glaubte.
Schon relativ früh sickerte aus dem Hintergrund verschämt durch, dass es offenbar verschiedene Prognosen gab, neben denen ÖR noch eine der Hamburger Landeswahlleitung, die die AfD von Anfang an in der Bürgerschaft sah.
Nun mag man zur AfD stehen, wie man will, meine Freunde sind es vor allem wegen Höcke und Kalbitz nicht, aber es ist eine zugelassene Partei, die sich demokratischen Wahlen stellt.
Auf jeden Fall hub ein großes Triumphgeschrei aller Parteien von LINKE bis FDP an, als ob das prognostizierte Verschwinden der AfD aus der Bürgerschaft das wichtigste Wahlergebnis wäre. Es ist schon interessant zu sehen, dass selbst die Wortwahl quer durch alle politischen Lager unisono nahezu gleich erfolgt.
In der sogenannten ‚Berliner Runde‘ war die Hauptaktivität der Vertreter aller Parteien mit maximaler Häme und Härte auf den AfD-Vertreter einzudreschen.
Seinen Einwurf, dass die AfD von geplanten 30 Wahlveranstaltungen keine einzige(!) wegen „außerparlamentarischer Aktivitäten“ ihrer Gegner durchführen konnte, war allen Anwesenden inclusive der Moderatorin keiner Antwort wert. Ich finde es einen Skandal, solange die AfD keiner Beschränkung wegen nachgewiesener Verfassungsfeindlichkeit unterliegt.
Eine Wahl ist kein politisches Happening, welches nach gusto manipuliert werden kann, eine Wahl ist nach dem Grundgesetz der wichtigste Akt des Ausdrucks des politischen Willens der Bürger unseres Landes.
Als nach dem großen medialen Bashing die AfD – entsprechend der Prognose des Landeswahlleiters – doch noch im Senat landete, war dies kaum noch medialer Resonanz wert.
Erstaunlich ist die Abweichung in den Prognosen. Ich bin nicht bereit, den „Wahlforschern“ der ÖR Absicht zu unterstellen. Das ist mir die AfD nicht wert. Aber zumindest hätten ihnen die methodischen Schwachstelle auffallen müssen.
Zur „Prognoseerhebung“ erfolgt im Umfeld des Wahllokals eine „Nachwahlbefragung“.
Ich habe dies bei der Thüringenwahl selbst so erlebt:
Ein älterer Herr, der im offenen Treppenhaus des Wahllokals fragt, ob man teilnehmen möchte. Wenn man dies bekundet, bekommt man eine Art „Fragebogen“ zum eigenen Abstimmungsverhalten in die Hand gedrückt und macht schriftlich seine Angaben. Die Zettel landen – offen – auf dem Tisch des ‚Interviewers‘. Es wundert mich nicht, dass bei diesem Procedere ein nicht unbedeutender Anteil der AfD-Wähler schon aus Angst vor öffentlicher Stigmatisierung falsche oder keine Angaben macht. Der neutrale(!) Landeswahlleiter hat dies offenbar für seine Prognose von Anfang an „eingepreist“. Den ÖR war an der gebotenen und staatsvertraglich festgelegten politischen „Neutralität“ weniger gelegen, deshalb ihr heftiger Missgriff zum „wichtigsten Wahlergebnis“.
Leute, ob man die AfD mag oder nicht. Man bekommt diese Leute nicht vom politischen Tableau indem man wahllos auf sie eindrischt.
Es gibt die AfD, nicht weil sie zu stark ist, sondern weil die anderen Parteien zu schwach sind, um allen Bürgern unseres Landes eine „politische Heimat“ zu geben. Es ist die Verantwortung und die Pflicht diese Kräfte auf parlamentarischem Weg und durch Inhalte zu stellen und wieder zu marginalisieren. Das, was bisher geschieht, stärkt definitiv den politischen Arm der rechts-konservativen Kräfte. Da ich nicht allen beteiligten Politikern Dummheit unterstellen will, kann ich nur von Vorsatz ausgehen.
Die eigentliche Frage ist: Cui bono?
Hanau ist eine unscheinbare Stadt in der Nähe Frankfurts/M., also in Hessen, um die sich sonst in Deutschlands kaum jemand Gedanken macht.
In Hanau, ist Furchtbares passiert. Ein Mann hat 10 Menschen und zuletzt sich selbst getötet.
Über den Täter sind schon Stunden nach der Tat bemerkenswerte Einzelheiten bekannt geworden.
Es handelt sich um eine psychisch kranken 43 Jährigen, der offenbar noch bei seinen Eltern lebte und bisher Verantwortung für sich selbst oder eine eigene Familie nicht übernommen hatte. Er ist Sportschütze und hat eine Waffenbesitzkarte, sodass er „legalen“ Zugang zu Waffen hatte.
In der Wohnung fanden sich – bei Eintreffen der Polizei – drei Menschen, zwei Tote, die Mutter des Täters und der Attentäter selbst. Der Vater dagegen war nach Angaben der Medien „körperlich unversehrt“.
Über den Täter selbst ist weiter bekannt, dass er seit Jahren an Wahnvorstellungen litt und u.a. die ‚Behörden‘ in Form von Anzeigen gegen die „ihn Verfolgenden und Bedrohenden“ davon in Kenntnis setzte. Folge ich den Darstellungen der Medien richteten sich seine Wahnvorstellungen gegen „Sicherheitsbehörden“, gegen fiktive und finstere Mächte, die „ihn und uns“ gedanklich manipulieren, gegen die „Regierung“ im Allgemeinen und gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen, etwa mit Migrationshintergrund, gegen die er sich staatlich nicht ausreichend geschützt und denen er sich damit schutzlos ausgeliefert wähnte.
Den Sicherheitsbehörden dagegen soll er bis zu seiner Schreckenstat nicht ins Visier gekommen sein.
Nicht bekannt ist mir, ob er wegen seiner Wahnvorstellungen, die man „aus der Ferne“ vorerst und mit Vorbehalt als paranoide Psychose charakterisieren kann, in fachärztlicher, sprich psychiatrischer Behandlung war. Zu hinterfragen ist in diesem Kontext dagegen, warum von Behördenseite für einen psychisch schwer kranken Menschen der Waffenbesitz legalisiert wurde. Hier sollte und muss es wirksame Kontrollmechanismen geben.
Nicht bekannt ist auch, ob die Eltern, unter deren Obhut er lebte, das von ihm mit dieser Krankheit ausgehende potentielle Gefährdungsmuster erkannt haben.
Zu Recht wurde in der Vergangenheit bei von der Dimension der Opfer ähnlich gelagerten Verbrechen stets darauf hingewiesen, dass „man die Hintergründe nicht kenne“ und deshalb solche grausamen Verbrechen nicht verallgemeinern und vor allem nicht politisch instrumentalisieren darf.
Als ähnlich dimensioniert würde ich etwa das Attentat von Anis Amri auf den Weihnachtsmarkt in Berlin in 2016 betrachten. Die Hintergründe dieses terroristischen Angriffs sind bis heute nicht abschließend geklärt, wozu auch der Umstand beitrug, dass man des Täters hierzulande nicht habhaft wurde und die italienische Polizei die deutschen Behörden vor einer weiteren Aufklärung bewahrte, da sie ihn in Mailand auf einem Bahnhof final aus dem Verkehr nahm.
Die Reaktionen des „politischen Deutschlands“ auf das Amri-Attentat waren sehr verhalten, was nicht zuletzt das absolute Unverständnis der Angehörigen der Ermordeten und der überlebenden Opfer hervorrief.
Egal was von unterschiedlichen Seiten dann in den Vorgang hineininterpretiert wurde, der behutsam anmutenden Umgang mit der schrecklichen Tat verstärkte zumindest nicht noch zusätzlich die schon damals offenkundige Polarisierung der Gesellschaft.
Ganz anders jetzt in Hanau, bereits Stunden nach der Tat marschieren große Teile der Politprominenz mit wahrhaft martialischem Gesichtsausdruck und noch drastischeren Reden vor Ort auf. Zehntausende besorgte Bürger gehen auf die Straßen, ein Teil, aus echter Anteilnahme, ein Teil wieder einmal „um Haltung“ zu zeigen und „Zeichen zu setzen“.
Unverständlich ist mir, warum dieses schreckliche Attentat eines psychisch kranken Menschen nun in dieser herausragenden Weise politisch instrumentalisiert wird?
Wir haben gehört, dass er die Mutter getötet, aber den ebenfalls im Haus anwesenden Vater unverletzt gelassen hat. Die Frage ist, warum?
Ich kann mir deshalb – theoretisch – folgenden Ablauf des Abends des Täters in Hanau vorstellen, wir wissen nicht, ob es tatsächlich so war, unwahrscheinlich erscheint es mir aber nicht. Zumindest ist der Ablauf auch nicht unwahrscheinlicher, als der öffentliche Ansatz von der bewussten „politischen“ Radikalisierung:
Er hat in einer psychotischen Phase einen Konflikt mit seiner Mutter, die er daraufhin attackiert oder gar sofort tötet. Möglicherweise verstärkt dieses Ereignis den psychotischen Schub, er bewaffnet sich und richtet seine explodierende pathologische Energie gegen Menschen, denen er sich im realen Leben genau so wenig gewachsen sieht, wie vermutlich der attackierten Mutter.
Nachdem sich seine pathologische Energie in tödliche Gewalt umgesetzt hat, geht er dorthin, wo er sich in der Vergangenheit noch beschützt erlebt hatte, nach Hause, und bestraft sich – für ihn folgerichtig – neben der Leiche der Mutter final selbst.
Ich vermute, die Auswahl der Opfer geschah nur bedingt gezielt. Am späten Abend sind selbst in einer größeren Kleinstadt so viele potentielle Ziele nicht verfügbar. Es hätte genauso tagsüber, etwa bei einem frustranen Besuch einer Behörde, zu einer vergleichbar tödlich pathologischen Reaktion kommen können. Dann hätte es – wahrscheinlich – die Mitarbeiter der Behörde „mit voller Wucht „getroffen.
Vermutlich werden wir, wie in ähnlich gelagerten Fällen die „Wahrheit“ nicht offiziell erfahren, was wiederum Spekulationen Tür und Tor öffnet.
Im Mittelpunkt sollten die Opfer stehen.
Ich finde, die furchtbare Tat von Hanau ist genau so wenig zu instrumentalisieren, wie etwa der Fall des psychisch kranken „Bahnsteig-Schubsers“ am Frankfurter Hauptbahnhof.
Für den erneuten Ruf nach wieder schärferen Gesetzen erscheint mir gerade dieser tragische Fall nicht geeignet. Aber, wer legt schon Wert auf meine Meinung? Trotzdem will ich sie gesagt haben. Nicht um Recht zu bekommen, sondern weil mich das Gefühl beschleicht in meinen vielen Lebensjahren zu oft geschwiegen zu haben.
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In Hanau wurde heute Nacht geschossen, vom Täter wurden 9 Menschen ermordet, danach wurden er selbst und seine Mutter tot aufgefunden. Soweit die Medienangaben.
Ein unglaubliches Massaker und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie furchtbar den Betroffenen in diesen entscheidenden Sekunden ihres Lebens zu Mute gewesen sein muss.
Inzwischen wird berichtet, dass der Täter aus rechtsradikalen Motiven gehandelt haben soll. Das, was bisher bekannt ist, legt nahe, dass der Mann einen heftigen Sprung in der Schüssel gehabt haben muss. Die bisher veröffentlichten vorgeblichen Zitate weissen auf ein paranoid geprägtes Denk- und Verhaltensmuster hin.
Die Medien berichten über diese ungeheuerliche Tat glücklicherweise noch relativ zurückhaltend.
Leider überraschen mich die – gefühlt – immer häufigeren Gewaltausbrüche gegen Menschen, aber auch gegen materielle Dinge nicht, sind sie doch Ausdruck einer immer stärkeren Polarisierung in unserer Gesellschaft.
Ich erinnere mich häufig an die Sozialisierungsmechanismen, die ich als Kind auf unserem Schulhof erlebt habe. Berichtet habe ich Euch darüber schon vor einiger Zeit.
Es gab klare Strukturen: nämlich primär Jungen und Mädchen. Und es war undenkbar, dass selbst die rüpelhaftesten Jungen, die sich – aus unterschiedlichsten sozialen Schichten kommend – untereinander gelegentlich windelweich prügelten, gewaltsam gegen Mädchen vorgegangen wären ohne, dass sie massiven kollektiven Widerstand erfahren hätten. Der schlimmste Exzess war wohl das ‚Ziehen am Pferdeschwanz‘, wenn es eine der Damen gar zu arg trieb.
Bei aller Gruppenbildung gab es immer eine große „ausgleichende“ Mitte, die erfolgreich verhinderte, dass die sich natürlicherweise entwickelnden ‚Revierkämpfe‘ dauerhaft in pure verbale oder grenzenlose physische Gewalt umschlugen. Letztendlich erwies sich „die deeskalierende Mitte“ über die Jahre als der stabilisierende Faktor der kleinen sozialen Schulgemeinde. Was natürlich nicht verhinderte, dass hier und da die Kraft ausgetestet werden ‚musste‘.
Dieses „Kräftemessen“ zur Bestimmung der eigenen Position im sozialen Gefüge erfolgte immer allein mit den Händen, jegliche Formen von Waffen waren „nicht zugelassen“, wenn einer der Gegner am Boden lag, galt der ‚Kampf‘ als beendet und solche Dinge, wie heute auf einen am Boden Liegenden noch einzutreten, hätte für den Täter im unmittelbaren Augenblick „Klassenkeile“ und anschließend eine lange soziale Ausgrenzung bedeutet.
Ich erinnere auch, dass die Gegner nach Ende ihres Kampfes von der zuschauenden Mehrheit aufgefordert wurden sich die Hände zu geben. Damit wurde zumindest formell ein ‚Friedensvertrag‘ geschlossen, auch wenn die inhaltlichen Differenzen natürlich durch das gegenseitige Kloppen nicht behoben waren.
Die regulative Größe bei allen Konflikten war somit immer die „große deeskalierende Mitte“.
Ich wünschte mir, es gäbe in unserer Gesellschaft eine deeskalierende Mitte, sie ist uns offenbar verloren gegangen.
Der morgendliche Gang durch die Medien legt im Gegenteil den Verdacht nahe, dass die extremen Teile der Gesellschaft, egal ob rechts oder links, oben oder unten, einen gnadenlosen Kampf um die jeweilige Deutungshoheit in der Gesellschaft führen. Ich erlebe auch in und über unsere Medien eine bisher nicht gekannte verbale Gewaltorgie. Ich vermute, selbst „Sudel-Ede“ selig hätte dabei noch einiges an Vulgarität lernen können. Karl Eduard von Schnitzler ist mir wahrscheinlich an dieser Stelle nicht nur wegen der optischen Ähnlichkeit zu einem bekannten, erfolglosen und sich wie ein Lautsprecher gebärdenden CDU-Europa-Politiker eingefallen.
Bis vor wenigen Jahren hatte ich das Gefühl, dass es in unserem schönen Land eine große, stabile und relativ „statische“ Mitte gibt, die praktisch der Garant für Beständigkeit und gleichzeitig „massentaugliche“ oder sozialverträgliche Veränderungen der Gesellschaft war. Die relativ kleinen Randgruppen unterschiedlichster Couleur liess man gewähren, irgendwie hatte man sie – allein durch die Kraft der Masse – immer im Griff.
Ich vermute, die stabile – meinetwegen – bürgerliche Mitte war damit gleichzeitig der Garant für die jahrzehntelange positive Entwicklung unserer Gesellschaft und für den enormen wirtschaftlichen und damit sozialen Aufschwung.
Schon oft wurde ich von verschiedener Seite gefragt, was denn, um Himmels Willen, ich mit dem Begriff „bürgerliche Mitte“ meine. Erwartet wurde von mir dann regelhaft eine ideologische Begründung, die ich nicht geben kann und will.
Für mich ist die „bürgerliche Mitte“ unserer Gesellschaft im Jahr 2020 der Teil der Bevölkerung, der jeden Morgen aufsteht, einer geregelten Arbeit nachgeht und damit die soziale Sicherung seines unmittelbaren sozialen Umfeldes und – durch seinen sehr extrem hohen Steuer- und Abgabenanteil – auch der Gesamtgesellschaft gewährleistet.
Ich spreche vom Automobilarbeiter am Band bei Opel oder Benz, ich spreche vom Chemiearbeiter, der meinetwegen bei Bayer während seiner lohnbringenden Arbeitszeit auch Glyphosat herstellt, ich spreche vom LKW-Fahrer, der entgegen allen gesetzlichen Regelungen tagtäglich x-Stunden auf dem Bock sitzen muss und vom Personal bei der Bahn oder in der Verwaltung. Ich spreche vom Bauern, der unsere Lebensmittelversorgung absichert und dafür von selbsternannten „Aktivisten“ beschimpft und ich spreche vom Lehrer in der Schule, der von versagenden Eltern täglich belehrt wird.
Ich spreche also von den Menschen, die durch ihre regelhafte Arbeit unser Gemeinwesen am Laufen halten, die gemolken werden ohne Unterlass und das, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt.
Ich spreche damit von denen, die aktuell keine konsequente politische Interessenvertretung mehr haben.
Auf der anderen Seite gibt es eine – gefühlt – täglich größer werdende Zahl von Rand- und Splittergruppen, die sich der Einfachheit halber das Schild „Aktivist“ um den Hals hängen, dabei kaum Anderes als ihre eigenen Interessen verfolgen und inzwischen meist trefflich von der „Mitte“ leben
Von diesen Menschen spreche ich nicht, wenn ich von der „bürgerlichen Mitte“ spreche. Ich denke dabei genauso wenig an die ‚Rechtsaußen‘ hinter Höcke und die frustrierten Rentner von Pegida, wie an die Extremisten von Connewitz, die obskuren ‚Roten Damen‘ von XR oder die europaweit aktiven „Schwarzen Blöcke“.
Bedauerlicherweise habe ich das Gefühl, dass die ausgleichende, sprich stabilisierende „Mitte“ wegen ihrer enormen sozialen Belastungen zunehmend „politisch“ resigniert und damit den extremen Randgruppen Raum lässt, um ihre Vögel jeweils frei fliegen zu lassen. Noch nie in den letzten 30 Jahren habe ich beim Versuch das Gespräch auf politische Themen zu lenken so oft die sinngemäße Antwort erhalten: „Lass mich mit dem Quatsch in Frieden, ich habe eigene Sorgen.“, wie dies heuer geschieht.
Mit dieser Preisgabe des sozialen Raums durch die tatsächlichen Leistungsträger wird der Polarisierung der Randgruppen naturgemäss mehr Einfluss gegeben, bis hin zu verbalen und körperlichen Gewaltattacken, die je nach Bedarf dramatisiert oder auch relativiert werden.
So wie die „Parteien der Mitte“ durch ihre eklatante Schwäche den „Parteien der Ränder“ immer mehr Raum abtreten, so gibt auch die „bürgerliche Mitte“ das Terrain den gesellschaftlichen Randgruppen preis.
Es gab auch auf unserem Schulhof diesen und jenen Extremisten, der sich um gesellschaftliche Normen nicht scherte. In der Regel wurde er durch die „Kraft der Mitte“ ausreichend diszipliniert.
Wenn allerdings die gesellschaftliche Mitte aufgibt, wer diszipliniert dann die extremen Ränder? Niemand.
Im Gegenteil, wenn sich der ‚Block der Mitte‘ auflöst, dann suchen die damit ihre Orientierung verlierenden Menschen andernorts Anschluss. Dreimal dürfen wir raten, wo das sein wird?
Ich bin mir sicher, dass ich in den nächsten Tagen wieder viele hübsche Beschimpfungen in meinen eMAils finden werde. Ich kenne das bereits zur Genüge, von „linksgrün-versifft“ bis „braune Drecksau“ habe ich alles schon vielfach gelesen. Das sind eben die „extremistischen Ränder“. Ich brauche sie nicht, trotzdem müssen wir mit ihnen leben.
Selbstverliebte Jungs tummeln sich im Rennen um den CDU-Vorsitz, sie reden um den heissen Brei, entscheiden sich nicht ob Hüh oder Hott und geben sich verschämt – in unserer politisch nicht korrekten Jugend hätten wir gesagt – wie die ‚Hebbel am Strick‘.
Ich finde das Getue der CDU-Jungs – mit Verlaub – affig wie im Paviankäfig, nur der knallrote Hintern fehlt jeweils. Obwohl, man stelle sich Laschet, Spahn, Merz oder gar Söder hinten pavianrot vor, passen tät’s schon, für alle vier.
Irgendwie erinnert mich das Gehampel an unsere Tanzstunde in den 60ern.
Es gab eine gesittete Gruppe von Mädchen, damals „dem Anlass gemäss“ selbstverständlich im Kleid und dazu eine Horde von Jungs, auch wider Willen in irgendwelchen offiziellen Look gepresst.
Der Tanzsaal war nicht sehr groß, auf den Längsseiten stand jeweils eine Reihe unbequemer Hocker und an den kürzeren Seiten gab es grosse Spiegel, darauf hätten sie verzichten können, bildeten sie doch gnadenlos die Realität unseres Bewegungstalentes ab.
Dazwischen hantierten die Tanzlehrer und demonstrierten die Schritte, eine Vorführung auf die zumindest auf der Jungen-Seite keine Sau achtete. Wussten wir doch, dass am Ende der Hängepartie regelhaft die Aufforderung der Tanzlehrerin kam: „Die Herren wählen die Damen.“
Für diesen Moment hiess es gewappnet zu sein, alle sprangen auf Kommando auf und rannten auf die Seite der Mädchen. Typischerweise stürzten sich die meisten „Herren“ zuerst auf die attraktivsten „Damen“. Erfolgversprechend war es dabei, sich auf eine Stelle der Damenriege zu kaprizieren, auf der zumindest 2, besser noch mehrere Attraktive zusammen sassen. Die Chance eine optisch ‚Ansehnliche‘ abzubekommen war damit deutlich größer.
Wichtig war es, sich auf der „Herren“-Seite nicht zu früh einen fixen Platz zu suchen, sondern zuerst zu sehen, wie sich die „Damen“ gegenüber organisierten, sass man von einer Häufung attraktiver Mädels zu weit weg, hatte man wiederum auch keine Chance.
Also die „Damen“-Wahl hatte mehrere Komponenten, zuerst eine analytische, dann eine strategische und nicht zuletzt eine sportliche, nämlich, ‚wer rannte am schnellsten‘. Dabei einen guten und vor allem unauffälligen Bodycheck zu beherrschen, war von Vorteil, auch ‚lässiges Beinstellen‘ konnte sich im Run als nützlich erweisen.
Lautete das Kommando allerdings, „Die Damen wählen die Herren“, war die Reaktion ganz anders. Hier gab es bestenfalls einen analytischen Aspekt und es lief dann, wie es laufen sollte. Zumindest habe ich nie ein Mädchen auf allen Vieren mit „hängender Zunge“ über den Tanzboden robben sehen.
Mein Erfolg war ein geteilter, bei der Herren-Wahl bekam ich regelhaft das Mädchen ab, ‚welches übrig blieb‘, es war mir einfach zu blöd zu rennen. Deshalb liebte ich die Damen-Wahl…. Leider wurde sie nur sehr selten aufgerufen, sodass meine Freude an der Tanzstunde überschaubar blieb. Interessanter war der Nachhauseweg. vor allem im Winter, wenn es schnell dunkel wurde.
Vielleicht können die schamhaften CDU-Jungs doch diesen oder jenen Aspekt unserer Tanzstundenphilosophie übernehmen?
Wenn SIE etwas wollen, dann müssen sie sich echt darum bemühen, müssen auch einmal einen Bodycheck oder ein ausgestrecktes Bein austeilen oder einstecken können, wie sich das „für einen richtigen Jungen gehört“. Dieses „mädchenhafte“ und rätselhafte Getue – mein Gott – ist einfach nur peinlich.
Sollte ich aufgefordert sein, einen der Herren Laschet, Spahn, Söder oder Merz als den „großen Vorsitzenden“ vorzuschlagen, ich fände keinen würdig.
Deshalb finde ich es ganz gut, dass in diesem wenig illustren Kreis, der alles schmerzlos und unambitioniert unter sich aus zu kungeln schien, plötzlich Röttgen auftaucht. Vielleicht bringt er zumindest etwas Salz in die Suppe?
Verschämte Jungs eben …..
Ich habe in den vergangenen Wochen mehrmals zum Ausgang der letzten Thüringenwahl und dem folgenden Hick-Hack geschrieben und wer wollte konnte meinen Stolz heraushören, dass unser kleines Bundesland nicht so widerstandslos im Mahlstrom politischen deutschen Einheitsbreis schwimmt.
Was sich allerdings in den letzten Tagen und Wochen abgespielt hat und abspielt, ist geeignet sich fremd zu schämen und ich möchte dafür um Entschuldigung bitten.
Selbst in meinen schlimmsten Träumen hätte ich mir nicht vorstellen können, welch jämmerliche Einstellung hinter den wohlgesetzten Politiker-Reden von „Verantwortung“ und ähnlichen Pseudo-Moralismen steht.
Meine Forderung an die Thüringer Landtagsparlamentarier:
Reisst Euch endlich am Riemen, Ihr seid gewählt und damit von produktiver Arbeit freigestellt, um im Auftrag der Bürger das Land nachhaltig und zukunftsorientiert zu führen.
Das Ausleben eurer persönlichen Befindlichkeiten interessiert die Bürger einen feuchten Kehricht, dafür werdet Ihr von uns nicht bezahlt.
Jeder weitere Tag mit euerm kleinlich-peinlichen Gezänk ist für die Menschen unseres kleinen, aber fleissigen Landes ein verlorener Tag. Und wenn Ihr so weiter macht, braucht Ihr euch nicht beschweren, wenn bei der nächsten Wahl gerade die AfD wie Phönix aus der Asche steigt.
Ich höre es jeden Tag: Die Bürger haben diese schauderhafte Politsatire satt.
Verdammt nochmal, geht endlich an eure Arbeit!