Alles sozial oder was … ?

Rumgedreht?

Die „Rechten“ und die „Linken“ – zwei Seiten einer Medaille?

Unser jüngster Enkel Liam ist ein Freund der Beyblade’s, das sind diese japanischen Kreisel, die sich, nachdem man sie gestartet hat, rasend schnell drehen, gelegentlich hier und dort anecken, um dann mehr oder weniger zufällig auf dieser oder jener Seite wieder zum Stehen oder Liegen zu kommen. Sobald sie gestartet sind, hat der Akteur keinen Einfluss mehr auf den weiteren Verlauf. Er mag zwar physikalisch zu begründen sein, de facto kann man aber nicht mehr eingreifen ohne das dynamische System an sich zu zerstören, es kommt, wie es kommt.

Ich weiss, dass ich mich auf sehr dünnes Eis begebe, noch dazu, wenn ich dieses heisse Eisen („Rechts und Links“) anfasse. Mit einem heissen Eisen auf bereits dünnem Eis, das kann vom Ansatz her eigentlich nur schiefgehen.

Es sei wie es sei, ich sage es gleich: Es ist mir egal.

Wer meinen Blog schon einige Zeit verfolgt, weiss, dass mein bewusst soziales Leben bereits am ersten Schultag mit einer ‚Katastrophe‘ begann, als mich die Klassenlehrerin, deren vollen Namen ich nicht preisgebe, da Teile der nachgeborenen Familie in dem Ort noch ansässig sind, vor den anderen Kindern gnadenlos bloss stellte.

Ich ‚durfte‘ nach vorn kommen, mich mit dem Gesicht zu den beiden im Raum befindlichen Klassen aufstellen und sie stellte mich vor als den „Enkel des Nazis“. An ihr zufrieden lächelndes Gesicht, das ich seither ’still leidend‘ hasse (ich wähle bewusst den Präsens), erinnere ich mich noch heute, wie an die Handbewegung, mit der sie auf mich zeigte. Ich weiss nicht, ob mich meine Erinnerung trügt, zumindest glaube ich teils hämische, teils teilnahmslose Kindergesichter mir gegenüber zu sehen, wenn ich daran zurückdenke. Und dies tue ich oft, zuweilen träume ich davon. Ich hoffe, dass es real vielleicht nicht so schlimm war, wie es sich in meinen Vorstellungen verfestigt hat. An ein Gesicht, das zumindest Mitleid ausdrückte, erinnere ich mich nicht. Vielleicht tue ich damit aber auch meinen Klassen-‚Kameraden‘ unrecht? Ich hoffe es.

Als sie mir gönnerhaft zeigte, dass ich mich wieder setzen konnte, ging ich weinend zu meiner Bank und ich höre noch heute die Stimme, als hinter mir gezischt wurde: „Geh doch raus, wenn du hier flennen willst“.

Es wurde – unbewusst – ein Motto meines Lebens: „Geh raus, bevor du flennen musst.“

Sie, Frau X., hatte ihre ‚Klassenpflicht‘ erfüllt, ‚Haltung gegen Rechts‘ gezeigt, Position‘ bezogen. Fein war sie raus, sie hatte es ‚den Nazis‘ endlich einmal so richtig gezeigt, auch wenn es nur der nachkriegsgeborene Enkel war.

An meinen Großvater kam sie nicht ran, der lag, nachdem er von 1945 bis 1948 für seine NS-Vergangenheit im „Sowjetischen Sonderlager“ Buchenwald, dem früheren KZ-Buchenwald, schutzlos gebüsst und – entgegen tausenden Anderen – überlebt hatte, jahrelang mit schweren Depressionen zu Lasten meiner Großmutter Anna selig im Bett. Jahrelang hatte er bis zu seinem Tod keine sozialen Kontakte mehr im Dorf.

Glaubhaft überliefert ist mir, dass er gerade für die Großbauern des Ortes, die ihm bis Kriegsende, nämlich als er „noch-jemand-war“, schier in den Arsch gekrochen waren, mit dem Tag des Einzugs der Amerikaner in das kleine Dorf zur ‚persona non grata‘ wurde.

Es fiel ihnen leicht mit ihren noch schmutzigen Fingern, etwa wegen der Beschäftigung von Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen auf ihren einträglichen Höfen, auf den ‚Nazi‘ zu zeigen. Noch heute kann ich die Namen der Familien aufzählen, da sie danach sowohl zu DDR-Zeit, als auch nach 1989 die ‚Honorationen‘ des Ortes blieben. Ihren Werdegang habe ich aufmerksam verfolgt, teilweise dokumentiert. Ich weiss noch nicht, was passieren muss, damit ich es veröffentliche. Lust hätte ich allemal dazu und sei es nur wegen eines flüchtigen Gefühls der Genugtuung.

Erst sehr viel später machte ich mir die Mühe mich über die familiären Wurzeln von Frau X. zu informieren und siehe da, auch sie waren weit davon entfernt gewesen dem Widerstand gegen die Nazis zu frönen. Sie hatten sich vorsichtiger verhalten, als sie ’still‘ mit den Wölfen heulten und sich nicht so augenfällig in der Öffentlichkeit prädestiniert.

Ich erinnere noch gut einen ‚geflügelten Spruch‘ der damaligen Zeit: „Sei vorsichtig, du weisst nie, ob es nicht doch wieder einmal andersherum kommt.“

Ich vermute, für sie, Frau X., war jedenfalls die Welt nach meiner sozialen Hinrichtung in Ordnung. Ob ihre Aktion gegen mich, ‚getragen von einem klaren parteilichen Klassenstandpunkt‘, überregionales Echo fand weiss ich nicht. Ich war nichts als ein kleiner, verschüchterter Junge von 6 Jahren ohne eigene Lebenserfahrung, ohne jegliche Mechanismen mit einer solchen Demütigung umzugehen. Zu Hause in der Familie fand ich sie nicht, meine Eltern ( beide zu Kriegsende noch Jugendliche) standen unter dem gleichen Druck. Erst später verstand ich, dass dies die Ursache dafür war, dass sie von mir ‚bedingungslose Anpassung‘ verlangten. „Es ist eben so, wie es ist.“

Ich gehe sicher nicht fehl, dass ich auch auf Grund dieser Erfahrung in meinem Leben nur wenige echte Freundschaften geschlossen habe, die Menschen außerhalb meiner Familie, denen ich vorbehaltlos vertraute und vertraue übersteigen kaum die Zahl meiner Finger einer Hand.

Ich habe dies so explizit geschildert, um zu zeigen, warum ich so „allergisch“ und ja auch aggressiv auf das Geschwätz von „Rechts und Links“ reagiere. Warum mir die Menschen, die laufend davon reden Haltung (auf der Seite der jeweils Stärkeren) zu zeigen, die behaupten auf der Seite der Guten, der Wahrheit zu stehen, die gegenteilige Meinungen und sei es nur das Fehlen unbedingter Zustimmung zur eigenen Sichtweise als ‚falsch‘, als ‚rechts‘, als ‚Nazis‘, als ‚Kommunisten‘, ‚links‘ oder gar „linksgrün versifft“ deklarieren, warum mir diese Menschen so suspekt sind.

Jegliche Form von „Alleinvertretungsanspruch“ ist mir verdächtig, aber auch jede Form von ‚Glauben‘. Ich nehme hier explizit den religiösen Glauben aus, das kann ich nicht beurteilen.

Das Einzige, was ich für mich als Lebensmaxime dauerhaft akzeptieren kann, ist das Verstehen, selbst zu verstehen. Jemand, der von mir fordert, ich müsse gefälligst das glauben, was er sagt oder lebt, fördert lediglich mein Misstrauen und mein unbedingtes Bedürfnis nach Distanz. Was mich, das gestehe ich, nicht immer davor bewahrt hat, auch dieses oder jenes mal mit den Wölfen zu heulen oder mich wenigstens nicht gegen sie zu wehren. Ich rechne mir ‚aufbauend‘ zugute, dass diese Phasen immer ’nur‘ temporär blieben. Auf jeden Fall hatten sie immer etwas mit meinem jeweiligen Erkenntnisstand zu tun.

Zu meinem Misstrauen gehört u.a. auch die heute gängige Floskel, „man müsse darauf achten nicht etwa von der falschen Seite Beifall zu bekommen“. Ich zumindest weiss nach 70 Jahren immer noch nicht, was im Leben die „richtige“ und was die „falsche“ Seite ist. Und ich bewundere den Mut oder die Selbstgefälligkeit derer, die vorgeben es zu wissen.

Wobei, ich muss zugeben, ich habe im Vergleich zu den Generationen ’nach mir‘ einen unschätzbaren Vorteil: Ich habe Vieles – mit wechselnden Vorzeichen – schon mindestens einmal erlebt. Deshalb sollte ich nicht den Fehler machen „zu richten“, seht es mir bitte nach falls es doch passiert oder wenn ihr es zumindest so empfindet.

Mir ist es wichtig morgens in den Spiegel zu schauen und als ‚einzige‘ Kritik festzustellen, dass ich wieder einmal ein paar Pfund abnehmen könnte. Was ‚man‘ über mich denkt, ist mir inzwischen so etwas von egal. Und ich hoffe, dass durch mein Leben niemand unmittelbar und dauerhaft zu Schaden gekommen sein möge, zumindest wenn er sich mir gegenüber nicht aggressiv verhalten hat. Wenn es doch passiert sein sollte, tut es mir aufrichtig leid, ändern kann ich es – gegen Ende meines Lebens – nicht mehr.

Ein zu dünnes Eis, auf das ich das heisse Eisen gelegt habe?

Alles Historie oder was … ?

Die Chuzpe des Popen

Die Geschichtsschreibung ist voll von über die Jahre verklärten Persönlichkeiten, denen Leistungen in Rechnung oder gesellschaftliche Anerkennung gestellt wurden, zu denen sie wenig oder nichts beigetragen hatten.

Eine dieser historisch verklärten Gestalten war Gerbert von Aurillac oder Gerbert von Reims, * um 950 in Aquitanien, der ab dem 2. April 999 unter dem Namen Silvester II ein kurzes Pontifikat antrat, welches sich schon am 12. Mai 1003 durch Tod erledigt hatte.

Gerbert galt und gilt als einer der großen Gelehrten seiner Zeit, wobei einige seiner Leistungen auch sehr überhöht dargestellt wurden.

Trotzdem nahm Gerbert von Aurillac gesellschaftlich die Stelle eines Universalgelehrten ein, da es ihm noch möglich gewesen sein soll, die septem artes liberales, die ‚Sieben freien Künste‘ zu überblicken und auch an der Domschule zu Reims aktiv zu lehren.

Die septem artes liberales umfassten meist:

  • die Grammatik
  • die Rhetorik
  • die Dialektik
  • die Arithmetik
  • die Geometrie
  • die Musik
  • die Astronomie

Heute würden wir uns zuweilen glücklich schätzen, wenn die Politiker, unsere selbsternannten Eliten, beliebige Fähigkeiten überhaupt nachweisen könnten.

Von Silvester II, der die Mathematik besonders liebte, ist folgende historische Sequenz überliefert:

Als ‚Geist der Zahlen‘ hatte er schon vor Beginn seines Pontifikats errechnet, dass mit der Wandlung zum nächsten Jahrtausend, also in der Neujahrsnacht zum Jahr 1000, der Weltuntergang anstünde.

Es wird berichtet, dass die Massen der Gläubigen daraufhin von einer ‚hysterischen Raserei‘ ergriffen wurden und voll Angst dem drohenden Weltuntergang gegen Mitternacht entgegen sahen. Silvester selbst hat in dieser Nacht in Erwartung des Unheils ‚zitternd‘ die Messe gelesen.

Als der Weltuntergang schließlich in schnöder und undankbarer Weise ausblieb, nahm er geschmeidig die Kurve, indem er verkünden liess, dass der positive Ausgang der Geschichte ausschließlich das Ergebnis seiner innigen Gebete gewesen sei.

Am Himmelfahrtstag 1003 zelebrierte er die Heilige Messe in der Kirche Santa Croce di Gerusalemme, dort brach er im Amt zusammen. Als Letztes hätte er den Helfern befohlen, seinen ‚verfluchten Leib‘ nach dem Tode zu zerstückeln und sodann anonym zu verscharren. Dies befeuerte das von seinen Gegnern gestreute Gerücht, er habe seine Seele dem Teufel verkauft.  

Die Story des ‚anonymen Verscharrens‘ hat sich wohl nicht realisiert, wird doch der Ort seiner letzte Ruhe in der „Liste der päpstlichen Begräbnisstätten“ mit dem ‚Lateran‘ in Rom angegeben.

Bemerkenswert bleibt die ‚Chuzpe des Popen‘:

Mit der Ankündigung oder Androhung eines tragischen Ereignisses werden die Massen elektrisiert und auf ein gemeinsames Ziel eingeschworen, meist hat es etwas mit Verzicht und Entbehrung zu tun.

Bleibt es – erwartungsgemäß – aus, wird dies den eigenen Fähigkeiten und Tätigkeiten zugerechnet. Verzicht und Entbehrung bleiben dagegen den Massen vorbehalten.

„Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif.“

Alles sozial oder was … ?

Heute: der alternativlose Atomausstieg

In diesem unseren Land werden seit Jahren die beispiel- und alternativlosen Entscheidungen unserer Kanzlerin von der Mehrzahl der Menschen zu recht vorbehaltlos akzeptiert, sind sie doch Ausdruck ihrer „vom Ende her gedachten“ Entscheidungsweisheit.

Während es früher im Osten Deutschlands die Weisheit „der Partei“ zu bejubeln galt, reicht heute – ‚dem da oben sei’s gedankt‘ – eine einzige Person.

Glücklicherweise haben Politik und Medien unisono einen Weg gefunden, um eventuell doch zweifelnde, weil unverständige Menschen zu bekehren – man schiebt sie kurzerhand in die „rechte Ecke“ ab und verweist auf deren Nähe zur AfD. Somit gestaltet sich selbst diese Partei zu einem Glücksfall für Merkel, wenn es sie nicht gäbe, die AfD, müsste sie sie erst erfinden.

Die internationalen Nörgler und Belächler der deutschen Politik allerdings sind nicht so zügig zum Verstummen zu bringen. Hierzu fehlen noch die positiv konnotierten Mechanismen.

Nun kann man den „Atomausstieg“ ohne Zweifel von verschiedenen Seiten beleuchten, von denen keine allein selig machend ist.

Eine mögliche Betrachtungsweise besteht darin, die Folgen des Atomausstiegs zu betrachten und auch ökonomisch zu bewerten.

So zitiert etwa Alex Tabarrok auf dem Blog ‚Marginal Revolution‘ eine Studie des „National Bureau of Economic Research“ verantwortet von Stephen JarvisOlivier Deschenes und Akshaya Jha wie folgt:

Germany’s closing of nuclear power stations after Fukishima cost billions of dollars and killed thousands of people due to more air pollution. Here’s Stephen Jarvis, Olivier Deschenes and Akshaya Jha on The Private and External Costs of Germany’s Nuclear Phase-Out:

Following the Fukashima disaster in 2011, German authorities made the unprecedented decision to: (1) immediately shut down almost half of the country’s nuclear power plants and (2) shut down all of the remaining nuclear power plants by 2022. We quantify the full extent of the economic and environmental costs of this decision. Our analysis indicates that the phase-out of nuclear power comes with an annual cost to Germany of roughly$12 billion per year. Over 70% of this cost is due to the 1,100 excess deaths per year resulting from the local air pollution emitted by the coal-fired power plants operating in place of the shutdown nuclear plants. Our estimated costs of the nuclear phase-out far exceed the right-tail estimates of the benefits from the phase-out due to reductions in nuclear accident risk and waste disposal costs.

Moreover, we find that the phase-out resulted in substantial increases in the electricity prices paid by consumers. One might thus expect German citizens to strongly oppose the phase-out policy both because of the air pollution costs and increases in electricity prices imposed upon them as a result of the policy. On the contrary, the nuclear phase-out still has widespread support, with more than 81% in favor of it in a 2015 survey.

If even the Germans are against nuclear and are also turning against wind power the options for dealing with climate change are shrinking.

Im Original nachzulesen unter:

https://www.nber.org/papers/w26598

Leute, lasst uns heute gemeinsam die Backen aufplustern und in die Windräder blasen, es herrscht – zumindest hier bei mir – Windstille und der Himmel ist dicht bedeckt, sodass die Sonne auch nicht viel hergibt.

Auf das die Küche nicht kalt werde, vom Ende her gedacht.

Alles sozial oder was … ?

Es ist durchaus zu begrüßen, dass in diesem unseren Land banale Familienfeiern nicht nur zum Schlemmen und Saufen genutzt werden, sondern auch nicht selten eine nachhaltige sportliche Komponente erhalten.

Immer häufiger liest man, dass solche Familienbegängnisse auch zu Kampfsportübungen mit und ohne den Einsatz ’spitzer Gegenstände‘ genutzt werden.

Da in der Regel bei diesen Aktionen auch genügend Alkohol und Drogen im Spiel sind, findet zum Glück jeder verantwortungsvolle Richter für die unglücklichen Täter ausreichend Relativierungsgründe.

Den Opfern läßt sich fast immer eine Mitschuld zuweisen, hätten sie doch besser aufpassen können, um dem zufällig in diesem Moment einen Apfel schälenden Messerhalter nicht unbeabsichtigt ins Messer zu fallen.

Die Frage ist nur, wer übernimmt die Kosten etwa für den Einsatz der Polizei und für die Schadensbehebung bei solchen Events, wenn sich – wie auf dem Foto ersichtlich – die ‚Männer mit südländischem Erscheinungsbild‘ der ungehemmten Körperertüchtigung widmen?

Ganz ehrlich, ich mag als 70jähriger nicht jeden Tag schaffen gehen, um diese Exzesse mit meinen Steuern und Beiträgen immer wieder mit zu finanzieren.

Als Steuerzahler verlange ich, dass solche Kosten zu 100% den Verursachern in Rechnung gestellt werden.

Das wäre sozial!

Alles Historie oder was … ?

Die Historie ist voll von Persönlichkeiten, die der Menschheit den baldigen oder auch ferneren Untergang oder die Erwerbung des Paradieses vorhergesagt haben. Bisher hat keiner der Apologeten der Macht mit seiner deletären Prognose recht behalten.

*

Ich will Euch hier kurz eine der schillerndsten Persönlichkeiten einer langen Reihe von ‚Volksverführern vorstellen‘, Girolamo Savonarola.

*

*

Girolamo Savonarola,* 21. September 1452, war Dominikaner, Bußprediger und Kirchenreformator in einer Person. Eines seiner gesellschaftlichen Ziele bestand darin, eine breite politische Teilhabe gegen das Streben der Oligarchie nach Einhegung der Herrschaft zu verteidigen oder überhaupt erst zu ermöglichen. Damit war er ein „Pfahl im Fleisch der Herrschenden“, wenn auch ein selektiver.

*

Da er auf nicht wenig Widerstand in der Bevölkerung, auch der einfachen und armen Menschen stiess, suchte und fand er sein eigenes Machtinstrument.

Es gelang Savonarola im Februar 1497 große Scharen von Kindern und Jugendlichen zu mobilisieren, die ohne Hemmungen durch die engen Gassen der Stadt Florenz zogen und „im Namen Christi“ alles „beschlagnahmten“, was damals als Symbol für die Verkommenheit der Menschen galt. Es steht außer Frage, dass der Begriff sehr weit gefasst und subjektiv, hier im Sinne Savonarolas, geprägt war.

So verwundert es heute nicht, dass dazu nicht nur ‚heidnische‘ Schriften oder ‚pornographische‘ Bilder gerechnet wurden, sondern auch ganz allgemein Gemälde, normaler Schmuck, jegliche Form von, wir würden heute sagen Kosmetika, ja einfache Spiegel, weltliche Musikinstrumente und selbst Noten, banale Spielkarten, aufwändig gefertigte Möbel oder repräsentative Kleidungsstücke. Es wird in den Quellen berichtet, dass die Besitzer diese Dinge teilweise ‚freiwillig‘, sogar freudig ‚ablieferten‘. Vorstellen kann man sich, dass dies einerseits aus „Reue wegen Verstosses gegen die Gebote der Kirche“ und andererseits aus Angst vor weitergehenden Repressalien durch die marodierenden Jugendlichen geschah. Glaubt man den Überlieferungen geschah dies im Rahmen einer ‚allgemeinen glaubensmäßigen Ekstase‘.

Erstmals am 7. Februar 1497 wurden die mehr oder weniger gewaltsam eingesammelten Gegenstände auf riesigen Scheiterhaufen in Florenz auf der Piazza della Signoria, schon damals, wie auch heute der zentrale Platz der Stadt, ‚unter dem Johlen der Massen‘ verbrannt.

https://fr.wikipedia.org/wiki/Piazza_della_Signoria

Selbst der Maler Sandro Botticelli soll dabei einige seiner Bilder eigenhändig den Flammen überantwortet haben.

Das Savanarola schon bald, am 23. Mai 1498, von seinen Gegnern auf eben dieser Piazza della Signoria zuerst gehängt und die Leiche dann verbrannt wurde und dass dies wahrscheinlich vor der gleichen ‚riesigen Menschenmenge‘ geschah, die kurz vorher seinem „Fegefeuer der Eitelkeiten“ zugejubelt hatten, ist wohl eine der unendlichen gehässigen Fußnoten der Geschichte.

*

Übrig bleibt, dass Kinder zur Durchsetzung der Interessen gesellschaftlicher Gruppen – dies wertungslos – eingespannt und auch mißbraucht wurden. Kinder gelten und galten schon immer als besonders ehrlich, empathisch, aber auch leicht zu beeinflussen, zu lenken, aber auch zu fanatisieren, wenn sie sich erst einmal einer „Sache“ verschrieben haben.

*

Heute werden wieder Massen von Kindern mobilisiert, diesmal zum Glück nicht zur Vermeidung des Fegefeuers, sondern etwa unter Androhung des Untergangs der Menschheit in einer bis jetzt glücklicherweise nur imaginierten Klimakatastrophe.

*

Alles Bio oder was …?

Wie einfach ist es pumperlgsund zu sein?

In einigen, auch befreundeten Blogs wird aktuell wieder das Thema „Ernährung“ aufgenommen.

Eine sehr wichtige und interessante Diskussion, ist doch die Ernährung eine unserer wichtigsten Lebensäußerungen.

Der Grundtenor ist:

‚Zurück zur Natur‘, alles soll frisch sein, möglichst regionaler Anbau, sowieso alles Bio und alles andere ist „Bähhhh“.

Und die, die heute Lebensmittel im Supermarkt oder beim Discounter verkaufen, sind zumindest verdeckte Kriminelle, die uns neben dem Portemonnaie auch ans Leben, zumindest aber die Gesundheit wollen. Wenn es diese Schurken nicht gäbe, wäre alles gut und wir alle pumperlgsund.

Ich wollte, es wäre so einfach, ist es aber nicht.

Natürlich hat ein Großteil unserer ‚kaufbaren‘ Nahrungsmittel einen Wandel durchgemacht, der unseren Körper irritiert. Natürlich wäre es wünschenswert auch heute die Nahrungsmittel zur Verfügung zu haben, an die sich unser Organismus regional über Jahrhunderte und über die Generationen angepasst hat. Allerdings ist es unter unseren sozialen Bedingungen völlig irreal zu fordern: „Zurück zum Eigenanbau, alles andere ist schier kriminell“.

Ein Beispiel:

Die Versorgung mit Nahrungsmittel in Deutschlands Osten vor 1989 entsprach in etwa dem, was heute als non-plus-ultra empfohlen wird.

Ich erinnere an Gemüse regelhaft Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Kartoffeln, saisonal Blumenkohl, Kohlrabi, Möhren.

An Obst gab es regelhaft Äpfel, saisonal anderes heimisches Obst, Zitrusfrüchte in der Weihnachtszeit und Bananen waren ein Glückstreffer.

Die Versorgung mit diesen Dingen erfolgte überwiegend regional.

Grundstücksbesitzer außerhalb städtischer Ballungszentren hatten in der Regel einen Hausgarten und bauten das an, worauf sie Appetit hatten.

Bei uns auf dem Dorf hatte nahezu jedes Haus eine kleine Tierzucht, Kaninchen, Hühner, Gänse, Enten, Schweine, wer konnte und wollte, hatte eine Kuh – und ich wurde mangels Muttermilch – synthetische Kindernahrung gab es nicht – überwiegend mit der Milch der familieneigenen Ziege und Brei aus selbstangebauten Gemüsen aufgezogen. Es hat mir nicht geschadet?

Nebenher: Unbehandelte Milch ist nach 24 Stunden sauer. Milch mit verändertem Eiweiss hält sich selbst ungekühlt monatelang. Womit kann unser Körper mutmaßlich besser umgehen

Mit Grenzöffnung 1989 schwappte der ganze Ernährungsbrei – kurz vor dem Verfallsdatum – von West nach Ost. Regionale Produkte waren über Nacht nicht mehr gefragt

Ich kann mich an viele mitleidige Blicke und noch mitleidigere Gesten erinnern: „Ach ihr Armen, ihr habt ja nicht einmal genug Joghurt.“ Gemeint war überzuckerter Joghurt mit künstlich Aromen in Plastebechern.

In den frühen 90ern erlebten wir dann im Osten einen exzessiven Anstieg allergischer Erkrankungen vor allem bei Kindern. Was mag wohl der Grund gewesen sein?

Mir fällt nur der abrupte Wechsel zu – im Vergleich zu den Jahren davor – obskuren Ernährungsgewohnheiten ein.

Ein weiteres Beispiel:

Ich mache mir die Mühe und das Vergnügen teilweise meine Nahrung selbst anzubauen.

Meine Gurken sind zwar Spitze, werden aber nach 24 Stunden welk, die Tomate dito usw. usw.

Derzeit habe ich in einem abgedeckten Hochbett Feldsalat, den ich im 48 Stunden Rhythmus ernten kann und der nie irgendwelche Chemie gesehen hat. Ich möchte nicht nachrechnen, was eine Portion für 2 Menschen kosten müsste, wenn ich meine Arbeitszeit dazu in Relation setze. Wahrscheinlich könnte ich abends bei Eugen Block für wenige Blättchen ein sehr großes Steak ‚mit allem‘ eintauschen.😂

Es ist auch zu bedenken, viele Menschen selbst in unserem Land, ich schätze sicher um die zwei Drittel, wären dazu auf Grund ihrer sozialen Gegebenheiten und auch finanziell nicht in der Lage.


Wer will und kann sich schon selbst versorgen? Wir auf dem Land könnten es zumindest, wenn sich die Menschen die Mühe machen wollten, aber der Städter? Selbst auf dem Land gibt es kaum noch Eigenanbau, die Gärten meiner Nachbarn etwa sind beredtes Beispiel für sterile Grasflächen und das Essen bringt – zumindest für die jüngeren Generationen – die lokale Pizzeria oder der Lieferdienst. Wenigstens noch etwas aus regionaler Produktion!

Die Frage ist auch: Wer will viel Zeit für seine Nahrung opfern? Ich vermute, über den Daumen gepeilt, weniger als ein Drittel.

Übrigens, wenn man das Wohnungsbauwesen etwas verfolgt, wird jetzt der Trend: „Weg von der Küche“ propagiert. Also, Wohnen ohne Küche, „erschließt sich damit der Weg zu vernünftiger Ernährung“?

Oder was macht die alleinerziehende Mutter mit 3 Kindern im 7. Stock eines Hochhaussilos am Rande der Stadt? Sie kann weder Nahrungsmittel selbst anbauen, noch jeden Tag auf dem Markt frische, regionale Produkte einkaufen, dann zubereiten, nebenher die Wäsche erledigen, die Hausaufgaben der Kinder unterstützen und die Kinder – wie sozial mit viel Druck gefordert – noch mit Chor, Sportverein, Reitunterricht, Musikschule, Logopäden und Physiotherapeuten bespassen. Wenn dann noch einigen Minuten frei sind, geht sie schaffen, um den Unterhalt finanzieren zu können. Das kann kein Mensch leisten! Vielleicht kann es gedanklich die alleinstehende, kinderlose, gut verdienende, im Herzen tiefgrüne Frau in Berlin Mitte – aber das zählt nicht als normales Leben.

Übrigens, ich bin erstaunt wie der Begriff „aus regionaler Herstellung“ gehypt wird. Der Begriff sagt doch zuerst einmal nichts über die Qualität aus. Bei uns in Thüringen gibt es seit einiger Zeit auffällig bunt gestylte Eierpackungen „aus regionaler Produktion“. Öffnet man dann die vielversprechende Packung und besieht sich die Eier genauer, beginnt der Stempel mit der „2“. Nun ja.

Trotz aller Mängel in der optimalen Qualität steht doch fest: wir sind in der Lage unsere Menschen so zu ernähren, dass die Säuglingssterblichkeit exzessiv niedrig ist, dass es – außer Adipositas – kaum noch sogenannte ernährungsbedingte Erkrankungen bei Kindern gibt und nicht zuletzt, in unserem Land muss niemand hungern/verhungern, selbst wenn er nicht arbeiten kann oder will. Das zählt für mich als Pflicht, alles andere ist Kür.

Ich finde es völlig falsch auch hier schon wieder mit dem moralischen Zeigefinger in der Luft herumzustochern und auf die „mit Abscheu“ zeigen zu wollen, die sich nicht vegan, bio und regional ernähren, die nicht jeden Tag im Fitnessstudio herumturnen und mehrfach täglich die Waage quälen. Auch dies ist eine obskure Form von Ernährung und nicht notwendig.

Achten auf unsere Ernährung: ja, Eigenverantwortung wahrnehmen: ja, aber alles verteufeln: nein. Das verunsichert die Menschen noch zusätzlich und hilft niemanden.

Ich zumindest sehe, bei allen skizzierten Problemen auch sehr viel Positives, selbst wenn sich vielleicht nicht ein Jeder pumperlgsund fühlt.

Und wer heute die Möglichkeit hat: ein saftiges Steak (200 g reichen) bei Eugen Block ist wesentlich schmackhafter als geschrotete Grünkerne und ein trockenes Tofu-Schnitzel.

Guten Appetit.

Alles sozial oder was … ?

Die deutsche Presse empört sich wieder einmal unisono über ‚uns Boris‘, nein, nicht Becker, sondern Boris Johnson.

Dem Mann kann doch geholfen werden, allein in unseren führenden Parteien fallen mir da problemlos einige honorige Namen, die das Qualitätskriterium „ohne Abschluss“ locker erfüllen, ein: z.B. Frau Claudia Roth, Herr Kühnert, Frau KGE, Herr Ziemiak …

Also, alles kein Problem, man muss nur Vertrauen in die politischen Nachbarn haben.

Alles sozial oder was … ?

Ich habe mich gerade über die Medien, auch bei einem Notarztkollegen, zu den „üblichen Silvestervorfällen“ informiert, es ist schlimm.

Obwohl ich alles andere als ein Verbotsfanatiker bin und stark für Eigenverantwortung plädiere, haben wir hier einen Grenzbereich menschlicher Vernunft erreicht.

Was spricht eigentlich dagegen, dass das Silvesterfeuerwerk – so man es denn überhaupt haben muss – aus der Verantwortung des Einzelnen in die Verantwortung der Gemeinden und Städte übergeht?

Wäre es nicht wesentlich sicherer, es gibt im Dorf oder der Stadt einen oder mehrere zentrale Punkte, an denen ein gemeinsames Feuerwerk unter Aufsicht der Feuerwehr veranstaltet wird?

Ich höre schon wieder den Aufschrei der Empörten, von wegen Beschneidung bürgerlicher Freiheiten und so, aber wenn Freiheiten nicht verantwortungsbewusst wahrgenommen werden, dann müssen sie eben ggf. beschnitten werden. Und ohne „privates Feuerwerk“ kommt in der Tat niemand zu Schaden.

Wie ist Eure Meinung dazu?

Alles Bio oder was … ?

Unsere Welt ist geprägt durch Vorurteile unterschiedlichster Art, wobei die negativen Vorurteile eindeutig ausschließlich auf einer – natürlich der falschen – Seite der Gesellschaft ansiedelt sind.

Offenbar gehöre ich dazu.

In der TA von heute findet sich dieser Beitrag:

lick

Der Blick auf die Überschrift verleitete mich sofort zur Assoziation: „weisses Gold“ – Schweden“ – natürlich wieder die Schweden – also „Koks“.

Schnee konnte es nicht sein, wegen Greta und so, wenn selbst die Pole schmelzen, kann es ja in Schweden keinen Schnee mehr geben. Ob wohl wiederum „Schnee“ ….?

Nun ja, lange Rede kurzer Sinn – ich lag absolut daneben. Der Beitrag handelt von HAFERMILCH.

Ich gelobe inniglich baldige Besserung, aber Hafermilch trinke ich trotzdem nicht.