Die Qual am Morgen…. oder der neue mediale Einheitsbrei!

Zugegeben: In einer Zeit sozialisiert, in der Medien gesellschaftlich noch einen gewissen vertrauensbildenden Stellenwert hatten, fällt es mir zunehmend schwer der „neuen“ Informationswelt zu folgen. Die morgendliche Presseschau wird mir zur Qual.

Es war in meiner Kindheit selbstverständlich, dass man – sobald man lesen konnte – einen Blick in die Tageszeitung warf. Fast jede Familie hatte, mehr oder weniger freiwillig, eine Zeitung abonniert, für wenige Pfennige am Tag. Nicht alles wurde natürlich gelesen, wohl aber die jeweils interessierenden Dinge. Die Sportnachrichten, die Lottozahlen, ab und zu ein bißchen Kultur, die ersten drei Seiten der ostdeutschen Tageszeitungen überblätterten wir gewöhnlich, dort fanden sich keine Informationen sondern Ideologie. 

Die Anschaffung eines Radios in der Familie war ein lokales Ereignis, die eines Fernsehers, 43er Bild, Schwarz-Weiß in einem klobigen Holzkasten, schon fast ein gesellschaftliches, fand sich doch nicht selten die gesamte Hausgemeinschaft zu bestimmten Sendungen in unserer Guten Stube ein. 
Zunehmend übernahm das Fernsehen die „Macht“ im Medienwald. 
‚Aktuelle Kamera‘ und ‚Tagesschau‘ wurden meinungsbildend und spannend war der Unterschied, an dem sich Moderatoren aus Ost und West gegenseitig abarbeiteten. Wobei, das muss fairerweise einmal gesagt werden, das West-Fernsehen nie einen ‚Karl-Eduard von Schnitzler zu Stande brachte‘. Die Einführung der jeweils 2. Programme brachten keinen Erkenntnisgewinn, ARD und ZDF erzählten das Gleiche, das 1. und 2. Ostprogramm lief deckungsgleich.

In den östlichen Tageszeitungen wurden die Ideologie-Anteile immer tragender, in den westlichen die Werbung. Übrigens, in phantastischer Weise waren alle Ost-Journalisten der gleichen Meinung. Wenn sie es nicht waren, waren sie von Stund an keine Journalisten mehr.

Man konnte sich also absolut darauf verlassen, dass man in jeder Zeitung das Gleiche las.

Eine weitere typische, mit Sicherheit diskussionsbeendende Metapher war: 

Bist Du für den Frieden? Die DDR ist auch für den Frieden. Also musst Du für die DDR sein, sonst bist du ein Kriegstreiber!

Der typische DDR-Bürger wußte was davon zu halten war, nämlich nichts und blätterte weiter.

Als sich Mitte der 80. Jahre wegen dieser und jener Entwicklung im Osten Widerstand zu regen begann, reichte den Ost-Medien der reine Ideologie-Transfer nicht mehr. 

Sie übernahmen die Rolle des gesellschaftlichen Zuchtmeisters nach dem Motto, wer nicht für alle Entwicklungen des Sozialismus in der DDR ist, ist automatisch dagegen. Und wer dagegen ist, ist ein Feind und gehört ausgemerzt. Und wen die Medien auf dem Kieker hatten, der hatte den „Staat“ gegen sich und hatte mit Verlaub verschissen „bis in die Ewigkeit“ und bekam in der Regel keinen Fuß mehr auf den Boden.
Die Ewigkeit dauerte dann nur noch bis 1989, dann hatten die Ost-Medien-Zuchtmeister ausgedient – und „alles wurde Westen“!

Geschätzt 90% der Ostler liefen damals in Erwartung der D-Mark mit glänzenden Augen durch die Welt und sogen die Verlautbarungen der nun dominierenden West-Presse wie Nektar auf, nur, leider wurde für viele Ossis daraus kein Honig.

Die Strukturen des Ostens wurden gnadenlos liquidiert, auch die sinnvollen, die Treuhand verscherbelte das letzte Tafelsilber, meist an windige Wessis, hochtrabend genannt Investoren. Jeder Wessi, der damals mit frisch geleastem Benz im Osten auftauchte, nannte sich Investor und versprach das Blaue vom Himmel.

Die Medien unterstützten diesen Ausverkauf, die Ossis blieben in der Regel außen vor, da es politisch nicht gewollt war, dass Ostdeutsche die Sache selbst in die Hand nahmen. Die Ossis wurden als in gewissem Maße liebenswerte, etwas unbedarfte und unerfahrene Menschen hingestellt, die ohne die helfende und stützende Hand des Westens kaum überlebensfähig wären. 

Auch hierfür lieferten die Medien den gewünschten Hintergrund, in dem an allem, was nach 1989 an Schweinereien passierten allein die alten ostdeutschen Seilschaften Schuld trugen.
Es folgte eine Phase gewisser politischer Stabilität und damit Liberalisierung auch der Medien, Informationen wurden gegeben, man spürte einen gewissen Spielraum, sich aus den veröffentlichten Informationen eine eigene Meinung zu bilden. Gerade die Ostdeutschen goutierten das über Jahre mit Vertrauen.
So etwa ab dem Jahr 2010 vollzog sich wieder eine „Wende“. 
Solche Dinge wie Genderismus und politische Korrektheit traten auf den Plan, immer streng unter dem Deckmantel des Guten.
Die Medien übernahmen erneut eine Volkserziehungsfunktion, sachliche Information wurde und wird zunehmend durch Ideologie ersetzt.
Gerade die Ostdeutschen, gebrannte Kinder der eigenen Geschichte spürten als Erste woher das „neue Windchen“ wehte. Genau dies kannten sie noch aus vergangenen DDR-Zeiten. Mit leider untauglichen Mitteln wie Pegida und Wortschöpfungen wie „Lügenpresse“ versuchten sie sich gegen diese Entwicklung zu wehren und die neugewonnene Gedankenfreiheit zu bewahren. Gehört wurden sie nicht.
Mit dem Jahr 2015 vollzog sich dann eine weitere Verschärfung der Mediensituation zu Ungunsten der Ostdeutschen. Der Ostdeutsche an sich verfiel politisch und medial in Ungnade und als neues Objekt entmündigenden Gutseins wurde das Götzenbild des Flüchtlings geschaffen.
Und analog dem alten DDR-Narrativ, „bist Du für den Frieden…“ wurde jetzt mit dem Flüchtling hantiert. Wer für die bedenkenlose Öffnung der Grenzen und die Aufnahme einer durch nichts begrenzten Zahl von Neubürgern war, gehörte über Nacht zu den Guten und durfte ruhig weiter pennen. Wer sachliche Bedenken anmeldete wurde bei den Schlechten, den Rechten, den Mißgünstigen, den Ängstlichen, bei den bösen alten weißen Männern angesiedelt. Wer gar seine Stimme gegen die Entwicklung artikulierte wurde über Nacht zum Nazi.
Und schon waren wir über Nacht wieder an der Stelle, an denen die ostdeutschen Medien 1989 aufgehört hatten.
Sachliche gesellschaftliche Diskussion findet nicht mehr statt, es geht überwiegend um die Verbreitung von Ideologien, angefangen vom Narrativ des sogenannten ‚Menschengemachten Klimawandels‘ bis hin zu den für den Normalbürgern unübersehbaren Vorteilen unbegrenzter kulturfremder Immigration. 

Nur, das diesmal im Vergleich zur DDR nicht irgendwelche Apparatschiks, sondern soziale Träumer und Grüne Phantasten das Sagen haben. Aber auch ansonsten durchaus ernst zu nehmende Menschen wie der Meteorologe Sven Plöger sind nicht frei von Opportunismus, etwa wenn er in der ARD vor offenen Mikrofonen verkündet, dass 50 bis 75% des drohenden(?) Klimawandels menschengemacht wären. Obwohl, früher haben wir im Osten auch aus opportunistischen Gründen diese und jene Parole öffentlich nachgebetet, auch wenn wir uns dafür später vor Ärger „in den Hintern gebissen haben“. Also, ich möchte es nicht bewerten, nur auf die Risiken hinweisen.

Auf jeden Fall baden wir wieder im medialen Einheitsbrei. Sparen wir uns die morgendliche Presseschau. Und ich habe nach rund 45 Jahren die Tageszeitung(en) abbestellt. Und siehe da, es fehlt mir nichts. Im Gegenteil, man sieht sich wieder über den Frühstückstisch hin an. 

Der Schattenbaum …

Jeden Tag verbreiten unsere Medien das Bild einer gottgleichen deutschen Kanzlerin, die alternativlos und allein Deutschland, Europa und die ganze Welt gegen die Gottseibeiuns des Universums verteidigt und vor dem ansonsten unweigerlich anstehenden Untergang bewahrt.

Für Trump, Orban und wie die alle heißen, sind die Bäume nur deshalb nicht in den Himmel gewachsen, weil SIE Tag und Nacht über uns wacht.
Wie ein Rettungsschirm, wie ein schattenspendender Baum in glühender Wüstenhitze hat SIE ihre Arme über uns ausgebreitet, spendet Schutz und läßt uns ruhig schlafen, Hallelujah.

Selbst die Natur ist von der Persönlichkeit der Kanzlerin so beeindruckt, dass sie anfängt SIE spontan zu kopieren.

Glatt 35 Grad, glühende Hitze, Trockenheit seit Monaten. Die sonst grüne, satte feuchte Wiese ist strohtrocken, Heu auf dem Stengel. Mitten auf der Wiese ein einzelner Baum, gelegentlich ist er Treffpunkt junger Leute, jetzt weiden dort Kühe, nicht sehr viele, nicht sehr gewichtig, Futter ist knapp in diesem trockenen Jahr. 

Bei Sonnenschein spendet die Krone des Baumes Schatten, bei Regen und Gewitter suchen die Tiere unter ihr Schutz. Wie rund 80 Millionen Deutsche am und unter dem Rockzipfel der Kanzlerin.

Selbst den Kühen ist es heute zu warm. Einige drängen sich um den Wassertrog, jeweils zwei halten sich nahe des Baumstammes auf, der Rest zupft lustlos am stehenden Heu. Der Platz nahe des Stamms ist der einzige Punkt, an dem es etwas Schatten gibt. 

Wenn man sich einige Minuten Zeit nimmt, läßt sich ein soziales Phänomen unter Kühen beobachten. In der Nähe des Stammes, im Schatten halten sich jeweils 2 Kühe auf, zu mehr reicht der Platz nicht. Alle paar Minuten nähert sich vorsichtig ein anderes Tier, das sonst in praller Sonne steht und wie auf Kommando tritt eine der Schattenkühe aus dem kleinen Schatten und läßt die „Schwitzende“ ran.

Da die Kühe fressen und alle paar Minuten trinken, scheiden sie auch viel aus, es plätschert und platscht schier ununterbrochen auf der gesamten Wiese. Nur, dort im Schatten entleert sich keines der Tiere. 

Wer scheißt schon dorthin wo man Schutz bekommt? Fast niemand, das tun nur Deutsche. Die aber gründlich!

Zum Glück wacht die Kanzlerin über uns – unser Schattenbaum.


Der Schein und das Sein …

Mit dem Schein ist es so ein Ding, zumindest ist er stets flüchtig.
Es ist eine Diskussion unter Bekannten, die zwangsläufig im Meinung-„Austausch“ zum derzeitigen Lieblingsthema aller Deutschen, der ungesteuerten illegalen Immigration führt.

Zuerst etwas spielerisch abklopfend, wird über den Flüchtling an sich, über die Notwendigkeit der Flüchtlingshilfe, die Widrigkeiten der Welt, deren alleiniges Opfer der Flüchtling ist und nicht zuletzt den eigenen Anteil am Gutsein der Welt parliert. Man redet sich immer mehr in Rage und es ergibt sich der Verdacht, dass der verbale Orgasmus unmittelbar bevorsteht.
Es geht um die Verantwortung des Westens für die Zustände in der 3. Welt, westliche Hühnerbeine in Afrika, irrsinnige und misslungene Regimewechsel in multiplen Staaten dieser Welt, die gnadenlose Ausbeutung der Bodenschätze dieser Welt für westliche Handys und Elektroautos. 

Soweit besteht noch keine große Dissonanz. Zur Auflockerung des Themas ein kurzer Einschub zum neuesten iPhone und der Sinnhaftigkeit des Tesla auf deutschen Straßen. Wir liegen ja die Umwelt und es juckt wenig, wenn in Afrika „seltene Erden“ praktisch unter Sklavenbedingungen aus der ausgedörrten Erde gekratzt werden. 

Erste Spannung kommt auf, als ich an die Eigenverantwortung der Afrikaner und Araber erinnere. Ich merke, dass es einige kaum aushalten zu hören, wie sich etwa afrikanische „Eliten“ seit Jahrzehnten an Milliarden geleisteter „Entwicklungshilfe“ schamlos bereichern und dabei auf die Armen ihrer Länder gelinde gesagt sch…en. Sie werden noch unruhiger als es zum Problem des ungesteuerten Bevölkerungswachstums in Afrika und der Unmöglichkeit die zu erwartende Menschenmengen vor Ort zu ernähren, kommt. 

Als die Argumente ausgehen, wird das Narrativ von der Bekämpfung der Fluchtursachen vor Ort in die Waagschale geworfen. Wie genau das passieren soll, ohne dass die Menschen vor Ort bewußt und aktiv mittun, kann niemand sagen.

Der Hinweis, dass auch hier Eigenverantwortung zum Tragen kommen muss, wird vom Tisch gewischt, so als wären alle Afrikaner und Araber dumme Kinder, denen nur der gute Weiße helfen kann. Dabei fällt ihnen nicht einmal auf, wie rassistisch genau dies ist.

Ich errege heftigen Widerspruch, als ich von Geburtenkontrolle spreche, von der Notwendigkeit die korrupten afrikanischen Eliten vom Acker zu jagen und die eigene Zukunft aktiv selbst zu gestalten. Und zwar eine Zukunft gestalten, die dem jeweiligen gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Entwicklungsstand entspricht.

Auf den Satz, die Afrikaner können sich nur selbst helfen, der Westen kann bestenfalls auf Anforderung logistische und materielle Hilfe leisten, regeln müssen es die Menschen vor Ort selbst, bekomme ich schon keine Antwort mehr.

Als ich an der Stelle nicht aufgeben und meine Argumente wiederkäuen will, trifft mich eine volle Breitseite: „Es scheint, du redest schon wie ein Rechter.“ gemeint ist, wie ein Nazi.

Die Diskussion ist beendet.

Großmutter Anna selig hatte so ihre Problem mit Menschen, die man gemeinhin als sich-überlegen-fühlend bezeichnen würde. Ging ihr jemand so richtig auf den Keks winkte sie ab, um dann zu verkünden: „Wie immer, mehr Schein als Sein.“

An die Diskutanten der Vorschlag, nicht jeder, der nicht alles gut heißt, ist ein Feind. Er mag unbequem sein, er kann das eigene glorreiche Selbstbild der gewollt Guten in Frage stellen, ja vielleicht sogar zerstören. Manchmal ist dies notwendig.

Erfahrungsgemäß nutzt es nichts, die Dinge, so wie sie nun einmal sind, zu negieren. Auch hier ist an die Eigenverantwortung zu appellieren. Sonst geht es in die Hosen. Mehr Schein, als Sein eben. Wobei das Sein, sehr viel differenzierter ist, als der Schein.

Oma Anna und die Pfaffen…

Ich erinnere noch gut eine kleine Begebenheit aus meiner Kindheit. Oma Anna steht an ihrem alten Küchentisch und schält Kartoffeln. Da sie immer nur sehr wenig hatte, wird alles verwertet. Kartoffeln etwa werden nicht wie heute großflächig von den Schalen befreit, sondern so dünn wie möglich geschält, Augen werden ausgestochen. Als sie dabei abrutscht, fährt das alte, oft geschärfte und in der Schneide schmale und sehr scharfe Messer in den Handballen. Sofort kommt Blut, in meinen Kinderaugen viel Blut, ich bin erschrocken und ihr einziger Kommentar ist: „Gütiger Gott.“ Dann drückt sie einen Zipfel ihrer meist bereits etwas speckigen Küchenschürze auf die Wunde und nach wenigen Minuten macht sie weiter.

In mehreren Bereichen meiner Entwicklung war sie prägend. Die meisten ihrer Lebensweisheiten zeigten sich den Realitäten des Lebens gewachsen, nur in einem Punkt lag sie völlig daneben, bei den Pfaffen.
Als treues Mitglied der Evangelischen Kirche hat ihr ihr „gütiger Gott“ im Leben nichts, aber auch gar nichts erspart, obwohl sie getauft und konfirmiert ist, ihre Ehen unter dem Segen der Kirche schließt, ihr Leben lang jede Woche den Pfarrer aufsucht und die Kirchgemeinde jeweils mit einem selbst gebackenen Kuchen verwöhnt. Ihr Beitrag zur wöchentlichen Kollekte ist klein, aber regelmäßig, sie hat einfach nichts. 
Die Kirche ist ihr auch Vorbild, Vorbild in dem Umstand, wie sie sich den jeweils Herrschenden andient. Eine andere Orientierung hat sie nicht im Leben. 

Ihre Kirche segnet die Waffen und die Soldaten des I. Weltkrieges, sie hält sich öffentlich relativ zurück in der Weimarer Republik, nicht ohne immer noch einmal dem abgesetzten Kaiser im Nachhinein zu huldigen, um dann gegen Ende der kurzen demokratischen Phase wieder richtig Fahrt in Richtung Nationalsozialismus aufzunehmen(1).

Zurück zu Oma Anna. Sie wird 1887 in eine Tagelöhnerfamilie hinein geboren,  später wird sie betonen, dass ihr Geburtstag nahe dem des „Führers“ ist. Die Mutter stirbt im Wochenbett. Ohne Mutter aufgewachsen übernimmt sie sehr früh Verantwortung für die Familie, „an Mutter statt“. Eine Kindheit im heutigen Sinn hat sie nie erlebt. Heranwachsend wird sie schnell überzählig und muss fix verheiratet werden. Ihr Geburtsort beherbergt zum Glück eine kleine Garnison,  sodass es einen Männerüberschuss gibt. Sie heiratet einen Soldaten und ihr gütiger Gott beendet die kurze Ehe schon 1916 mit dem Tod ihres Ehemannes „auf dem Feld der Ehre“, wie in der Nachricht nachzulesen ist, die sie damals formlos bekommt. 

Zurück bleibt ihr ein Sohn, der im weiteren Verlauf ihres bescheidenen Lebens zuerst der Stolz, später ein „Schandfleck“ der Familie sein wird.
Der zweite Mann, den sie 1919 ehelicht, gilt zu der Zeit mit seinen 30 Jahren schon als alter Junggeselle und in der Familie wird gemunkelt, „Sie kann doch froh sein, dass sie ihn überhaupt noch abbekommen hat mit ihrem Kind von einem Anderen“. Sie gebar ihm noch drei Kinder, von denen eines starb.

Edmund ist Eisenbahner, sie bleibt vorerst Hausfrau. Wirtschaftlich kommen sie nie aus der Knete und damit bleibt auch gesellschaftliches Ansehen im Dorf aus.

Als sich „ihre Kirche“ mit dem gütigen Gott an der Spitze schon lange vor der „Machtergreifung“ 1933 den Nationalsozialisten andient, sehen sie erstmals im Leben als arme Menschen auch für sich eine Chance. Sie schließen sich der „Bewegung“ an und machen lokal eine kleine Karriere, Edmund auf staatlicher, Anna auf Ebene der gleichgeschalteten Reichskirche, beide mit Unterstützung und Motivierung durch „ihre Kirche“, allen voran ihr gütiger Gott. 

Die drei Söhne folgen den Eltern, wie Anna und ihr Mann ihrer Kirche, vertrauensselig und voraussetzend, dass es so schon richtig sein wird. Der Pfarrer ist ja auch mit von der Partie. Ganz sicher schwingt auch ein gerüttelt Maß Opportunismus mit, endlich einmal auf der Seite der Stärkeren mitmischen zu können. Der Älteste ist schnell in seiner schicken Uniform als Offizier der Waffen-SS der Stolz der Familie und des Dorfes, der Zweite steht weniger in der Öffentlichkeit und wird als Beamter im Reichssicherheitshauptamt eher ehrfurchtsvoll behandelt und der Dritte ist einfach noch zu jung um Karriere zu machen. Er mag dies bedauert haben, zumindest höre ich später einen gewissen Neid zu seinen älteren Brüdern heraus.

Der Zusammenbruch des III. Reiches 1945 beendet diese kurze Zeit auf der Sonnenseite. Plötzlich ist alles vorbei und das ganze Gebilde fällt haltlos in sich zusammen, wie ein Kürbis nach dem ersten Frost.

Edmund wird als Bauernopfer als einer der ersten bereits im September 1945 im wahrsten Sinne des Wortes von der Straße weggefangen, einen Tag später schon in das Speziallager Buchenwald der Sowjetischen Militärverwaltung eingeliefert. Drei Jahre bleibt er dort unter schlimmsten Bedingungen und wird erst im September 1948 nach Hause entlassen. Alle anderen NS-Honorationen des Dorfes entnazifizieren sich über Nacht gegenseitig und lediglich der Dorfschullehrer Hermann verliert seinen Posten, nicht weil er ein strammer Nazi war, sondern weil er es mit seinem Rohrstock zu toll trieb. Und natürlich Edmund, der zum Nazi-Depp des Ortes gemacht wird.

Oma Anna hat das Glück im Windschatten des Dorfpfarrers segeln zu können, der es stante pede schafft aus der roten Nazi-Fahne das Hakenkreuz herauszutrennen und selbige als Arbeiterfahne zu demonstrieren. Ich erinnere mich noch als Kind, dass am 1. Mai die Rote Fahne am Pfarrhaus über lange Jahre einen dunkleren Fleck in der Mitte hatte.

Oma Anna bekommt mit dem Pfarrer und ihrem gütigen Gott die Kurve, sie muss zwar jetzt arbeiten gehen, beim Bauern, eine Knochenarbeit, die sie bis in ihr 78. Lebensjahr ausübt. Trotzdem kommt sie relativ unbeschadet aus dem Schlamassel des Zusammenbruchs heraus, ähnlich wie ihre Söhne, nur der Älteste bleibt nach Kriegsende in Frankreich, zuerst als Kriegsgefangener, später einige Jahre als „Freier Zivilarbeiter“. Er verpasst dann auch, was seinen  Brüdern postwendend gelingt, sich der neuen Macht anzudienen und zu gegebener Zeit Karriere im Sozialismus zu machen. 

Sie folgen damit dem Beispiel ihres Pfarrer und ihres gütigen Gottes, was sie nicht daran hindert der Kirche später den Rücken zu kehren, als es nicht mehr opportun ist sich zu ihr zu bekennen.
Willi wird, 1955 aus Frankreich zurückgekehrt, Traktorist und fährt bis zu seinem frühen Tod einen alten Lanz-Bulldog, Edmund kommt aus Buchenwald als gebrochener Mann zurück, der bis an sein Lebensende schwer depressiv bleibt. 

Oma Anna gibt mir noch kräftig „eine mit“, als sie meine Eltern zwingt mich taufen zu lassen. Den Konfirmanten-Unterricht besuche ich ein einziges Mal. Mit dem dort Gesagten kann ich nichts, aber auch gar nichts anfangen. Der gütige Gott ist mit zu surreal. Als Erwachsener nutze ich die erste sich mir bietende Gelegenheit um aus der Amtskirche auszutreten.

Was bleibt ist eine der Lebensweisheiten von Oma Anna: „Ach weißt Du, zuerst hatten wir den Kaiser, dann kam Friedrich Ebert, danach der Führer und jetzt haben wir halt Walter Ulbricht, aber der kleine Mann bleibt immer der kleine Mann.“

Das galt und gilt wohl zweifellos für den kleinen Mann bis heute. Ihre Kirche, die Pfaffen und ihr gütiger Gott dagegen haben noch immer für sich Mittel und Wege gefunden sich auf der Seite der jeweiligen Sieger einzurichten.

Allerdings, weiland bei der Verletzung durch das scharf geschliffene Kartoffelmesser hat die Anrufung des gütigen Gottes ihr wohl geholfen.
Warum muss ich nur immer an Oma Anna und ihre Pfaffen denken, wenn ich jetzt zufällig Bedford-Strohm höre, beispielsweise bei seiner mich empörenden Trauerrede für die ermordete Studentin Sophia. (2)

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1.http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/die-unruehmliche-rolle-der-evangelischen-kirche-im-dritten-reich/2.https://www.achgut.com/artikel/heinrich_mir_graut_vor_dir


Willst Du Stress mit mir, Alter …

Die Straßenbahn in die Innenstadt ist in der Tat rappelvoll. 
Die Veranstaltung hatte Menschen unterschiedlichster Altersgruppen angezogen, einige strömen zu den Parkplätzen, die andere Hälfte drängt mit aller Wucht in die Straßenbahn. 

Im wahrsten Sinne des Wortes vermisse ich schmerzhaft die sprichwörtliche englische Disziplin an Bushaltestellen. 

Hier schubsen die Menschen von allen Seiten, keine Rücksicht wird auf Füße genommen, ein Ellenbogen von links, ein Pferdekuss von rechts, zum Glück ist die Dame von rechts klein, sodass mich ihr Knie an einer Stelle trifft, an der der Schmerz erträglich ist.

Nach einigen Sekunden Nahkampf trägt mich die Welle der Kämpfenden in den Wagen und schiebt mich durch den Gang nach hinten. Ich kann nichts tun, will mich auch nicht mehr wehren und lasse es einfach geschehen. 
Die Sitzplätze sind besetzt, durchgängig junge Leute, einige Frauen mit Kind, das ist in Ordnung, dem Rest geben junge Männer die Ehre.
Die Türen schließen, mit kräftigem Anzug setzt sich die Straßenbahn in Bewegung. Die Reihe der Stehenden kippt geschlossen nach hinten, ich spüre hinter mir einen fremden Körper, nach der Fülle des Leibes, der meinen Rücken polstert, handelt es sich um einen Mann, es fehlt das obere Polster. Da es mir unangenehm ist, lasse ich meinen Gedanken freien Lauf und hoffe auf ein heftiges Bremsmanöver, vor mir steht eine junge Frau.
Bevor mir mein Gewissen sagen kann, dass dieser Gedanke sexistisch ist und sich so nicht gehört, bremst die Bahn hart an der nächsten Kreuzung und die Schlange setzt sich nach vorn in Bewegung. Die Kollision mit der jungen Frau fällt aus, da ich mich der Mut verläßt und ich mich festhalte. 
Ich weiß nicht, ob ich mich als Mann ärgern oder als nicht sexistischer Mensch stolz sein soll. Mangels Alternative entscheide ich mich für letzteres.

Früher, als junger Mensch, so vor 30, 40 Jahren hatte ich mich mehrfach zu der Äußerung hinreissen lassen, dass es Zeit wird mich umzubringen, wenn erstmals eine junge Frau vor mir in der Straßenbahn aufsteht. Die Geschichte hat mich dieser suizidalen Macho-Gedanken enthoben, heute steht niemand mehr vor einem älteren Menschen auf. Keine junge Frau, von jungen Männern ganz zu schweigen.

Ich hänge noch meinen Gedanken nach, als die Bahn mit Schmackes in die Kurve geht. Es muss eine Linkskurve sein, denn ich fliege – wie alle Stehenden – nach rechts. Bevor ich gegensteuern kann, falle ich auf einen jungen Mann, dunkler Teint, schwarze Haare, südländischer Typus, genau wie sein Gegenüber. Ich murmele eine halbe Entschuldigung, die Berührung ist mir unangenehm. 

Er haut mir seinen linken Ellenbogen in die rechte Seite und knurrt mich an: „Willst du Streß mit mir, Alter?“

Seinen Unmut kann ich verstehen, aber nicht akzeptieren. Seinen Ellenbogen nehme ich in Kauf, ich bin mir nicht sicher, wie ich in der Situation reagiert hätte. Sehr sauer stößt mir sein abwertendes „Alter“ auf, irgendwie erwarte ich, dass er sofort vor mir ausspuckt. Er tut es nicht.

Der niedersächsische Ministerpräsident Weil hat vor wenigen Tagen laut verkündet, dass Deutschland ein Rassismusproblem hätte. 


Ja, unser Land scheint in großen Teilen in einen schier unbezwingbaren Rausch der Selbstkasteiung verfallen zu sein. In allen Medien, auf allen Kanälen ist statt „der Mannschaft“ plötzlich auf einmal das Thema Rassismus vordergründig. 

In einem drittklassigen Science-fiction-Movie würde man wohl von einem kollektiven Irresein sprechen und nach Aliens suchen, die dann von amerikanischen Soldaten unter persönlichem Einsatz des Präsidenten final bekämpft werden könnten. Ohne Zweifel, das „Land“ ist kollektiv irre, allerdings kommen keine martialisch verkleideten Soldaten um die Ecke um die Dinge zu regeln.

Auf jeden Fall kann man mit dem Thema „Rassist“ auch noch die Letzten mundtot machen, die sich bisher der hypermoralischen und selbstgerechten „Rechten Keule“ nicht gebeugt haben.

Gewöhnlicher deutscher Alltagsrassismus …

In allen Gazetten steht es, aus allen Lautsprechern tönt es:

„Deutschland hat ein Rassismusproblem“. 

Selbst die gut gebuchte Sibel Kekilli sieht Grund sich diskriminiert zu fühlen. Henryk Broder hat dazu ausführlich Stellung genommen. 
Siehe https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus180645246/Henryk-M-Broder-Was-rassistisch-ist-Und-was-nicht.html.

Leider ist der Beitrag hinter der Bezahlschranke, Henryk ist offenbar ein sparsamer Mensch, aber es lohnt sich allemal ihn zu lesen.

Aus allen Rohren tönt es derzeit bis zur Selbstkasteiung: Deutschland hat ein Rassismusproblem. Ich habe das Gefühl, dass die deutsche Sucht nach Selbstbeschimpfung derzeit ähnlich der Atmosphäre eines Hühnerstalles ist. Alle sitzen angespannt auf der Leiter und es bedarf nur eines Klatschens und schon fliegen sie wie erlöst hysterisch auf, nur um sich öffentlichkeitswirksam selbst zu kasteien bis Blut kommt.

Es ist übrigens interessant, das Wort „Rassismusproblem“ wird mir von der Autokorrektur immer wieder als Fehler um die Ohren gehauen. Nun ja, vielleicht ist das Programm ja selbstlernend, die schon immer hier Lebenden lernen ja solche Wortschöpfungen ohne Not und immer sehr bereitwillig ebenfalls sehr schnell. 

Natürlich hat jede Sache auch ihre richtigen Seiten. 

Nehmen wir nur das Beispiel des Alltagsrassismus in unserem Land. Nein, nicht gegen Frau Kekilli, Frau Chebli in Berlin oder meinetwegen auch Frau Aydan Özoğuz. Auch Özil kann da im Prinzip schlecht herhalten. Rassismus hat nämlich mit sachlicher Kritik nichts zu tun, aber das nur am Rande. Es interessiert sowieso kaum jemand, speziell die nicht, die solche Ausdrücke inflationär verwenden. 

Nehmen wir aber beispielsweise den Alltagsrassismus gegen ältere Menschen in unserem Land.

Die Älteren, dass sind heute die Menschen, die am Beispiel der Kriegs- und Nachkriegsgeneration orientiert, durch ihre Lebensleistung unser Land zu dem gemacht haben, was es ist. Nämlich ein sozialer Magnet für die halbe Welt.

Diese Menschen, in den 60ern und älter, heute oftmals gegen oder schon am Ende ihres beruflichen Lebensweges, genießen in unserer Gesellschaft einen Stellenwert der geradezu gegen Null geht, werden schier als Ballast empfunden.

Zyklisch verbreiten die Medien das Bild, dass die Alten die armen Jungen schamlos ausbeuten und ihrer gesicherten Zukunft berauben würden.
So weit, so gut, aber es geht weiter.

Am 4. Juli 2018 wurde etwa bei Weltonline über Isabel Allende berichtet, eine inzwischen 76jährige Schriftstellerin, eine der Autorinnen, die heute tatsächlich noch etwas zu sagen hat.
U.a. hält sie ein Plädoyer zum Thema Liebe im Alter und so ist auch die Überschrift etwas reisserisch:
„An einer heißen Romanze mit 76 ist nichts obszön“

Ich vermute mal, die Überschrift hat sie nicht gewählt, aber sei’s drum.

Der Alltagsrassismus gegen ältere Menschen zeigt sich dann – Buchstabe für Buchstabe im Forum, in dem nach Leibeskräften über sie und ältere Menschen generell hergezogen wird.
Das Ganze gipfelt in solchen Formulierungen wie „Gammelfleisch, vor dem dem richtigen Mann grauen“ müßte.
Nun ist mir schon bewußt, dass ein Teil der Foristen nicht die Crème de la Crème der Gesellschaft verkörpert, wohl gemerkt ein Teil.
Während man sich sonst aber mit verbundenen Augen darauf verlassen kann, dass in den Foren kritische Stimmen – gegen die Kanzlerin, die Parteien mit Ausnahme der Rechten, die Zuwanderer, die Energiewende usw. usw. – die nicht stattfindende Zensur nicht überstehen, ist es in diesen Fällen ganz anders.

Speziell der Ausdruck „Gammelfleisch“ stand lange öffentlich und es bedurfte erst der Intervention anderer Foristen bis er schließlich gelöscht wurde.

Das ist Alltagsrassismus in Deutschland. Die Stimmen dagegen sind, wenn überhaupt vorhanden, sehr, sehr leise, ja man hört sie praktisch nicht. 
Wo bleibt hier der Aufruf der Politik zum Aufstand der Anständigen? Ich höre ihn nicht!

Stachlige Gesellen …

Das gemeine Volk ist scheinbar ein stachliger Geselle, denn es denkt und tut nicht was es soll.

Nur selten ist das Volk mit der Politik zufrieden, immerzu hat es etwas zu meckern und fast nie gibt es Beifall. Zuweilen hat es sogar einen eigenen Kopf, wobei der Kopf in Deutschland Ost und West durchaus sehr unterschiedlich sein kann. 

Nehmen wir meinen eigenen, manche sagen sturen Kopf. Als sozial denkender Mensch „schlägt mein Herz nach wie vor links“, also habe ich bei Wahlen mein Kreuz immer bei LINKS gemacht. Um ehrlich zu sein, habe ich mich nicht einmal der Mühe unterzogen die Parteiprogramme zu lesen, ein Kreuz stand fest.

Nun regieren die LINKEN mit SPD und Grünen in Thüringen. Als Bürger merkt man nicht, dass sich nach mehr als 20 Jahren Schwarzer Regentschaft irgendetwas geändert hätte. Alles läuft so weiter wie gewohnt, es wird ganz viel versprochen, wenig realisiert und das Wenige, was tatsächlich umgesetzt wird, entspricht nicht unbedingt dem Willen der Bürger. 

Politik kann man wohl mit dem Wetter vergleichen, der eine mag Regen, der andere mag Sonne, einer will es warm, der andere liebt die Kühle. Würde der Wettergott nun auf jeden hören und jedem entsprechen wollen, gäbe es Mord und Totschlag, also macht er was er will und schert sich nicht um die Einzelnen. In der Mythologie übrigens fällt auf, dass die jeweiligen Wettergötter nicht unbedingt die sympathischsten Gesellen waren. Vielleicht ist mir deshalb – natürlich im Freund’schen Sinne unbewußt – dieser Vergleich eingefallen.

Genauso kann man sich die Arbeit eines Politikers vorstellen, er hört auf sein Herz, vielleicht auf seinen Partner/Partnerin, Lobbyisten gehen ihm auf den Keks, seine Chefs, Sachkenntnis ist nicht essentiell. Da Lobbyisten einen längeren Arbeitstag als Politiker haben und auf kein Arbeitszeitgesetz achten, werden sie lästig und überflüssig wie ein Kropf, blockieren die wertvolle Arbeitszeit der Politik, sodass die Politiker schier gezwungen sind ihnen nachzugeben, nur um noch Zeit zum Regieren zu haben.

Aber zurück zu meinen persönlichen Erfahrungen.

Früher, als ich Parteien noch ernst genommen habe, kam mein Kreuz also immer automatisch zu LINKS, schon aus Protest. Nun habe ich seit vielen Jahren das Gefühl, dass unsere Kanzlerin die sogenannte Parteienlandschaft immer mehr nivelliert, Unterschiede zwischen den Parteien lassen sich nicht mehr erkennen.

Um also mein Kreuzchen zukünftig mit „gutem“ Gewissen wieder bei LINKS machen zu können, habe ich jetzt ein Auge auf die programmatischen Erklärungen. Ich muss mir ja selbst ein Alibi geben, um so aus der Reihe zu tanzen.

Drei Dinge sind mir da in den letzten Monaten sauer aufgestoßen:
Die LINKEN sind für eine weitere Erhöhung des Spitzensteuersatzes selbst bei guten Durchschnittsverdienern. Schon heute wird der Spitzensteuersatz bereits locker von einem voll schaffenden Facharbeiter bei VW oder Opel erreicht. Warum der nun wiederum noch höher besteuert werden soll, erschließt sich mir nicht. Ich finde es unsozial. Aber wahrscheinlich kennen sich die Politiker da nicht so genau aus.

Die LINKEN haben sich für eine unbegrenzte Zuwanderung ausgesprochen, fabulieren von internationalistischer Pflicht die Armen der Welt aufzunehmen. Jeder, der seine Sinne halbwegs beisammen hat, kann an den fünf Fingern abzählen, dass das schon rein rechnerisch überhaupt nicht möglich ist.
A

ll dies hätte ich noch geschluckt und eine Erklärung dafür gefunden. Bestenfalls hätte ich mich damit getröstet, dass in Afrika vielleicht dieser und jener doch nicht nach Deutschland möchte.

Neuerdings geraten die Dinge jedoch völlig aus dem Gleis, es geschehen Sachen, die für mich ähnlich irreal klingen, wie beispielsweise Eis auf dem Grill. Ich habe schon Angst mit einer einfachen Eistüte mit zwei Kugeln Vanilleeis klarzukommen, ohne mich grundlegend einzusauen. Dazu habe ich regelmäßig vor jeder Eisdiele Probleme mit der riesigen Auswahl klarzukommen. Solange ich in der Schlange stehe und die Auslage sehe, lege ich mir zurecht, was ich nehmen werde, habe auch keine Scheu vor den exotischsten Namen. Stehe ich dann allerdings vorn, ist alles weg und ich nehme das Eis wie immer: Zwei Kugeln Vanille, bestenfalls noch Stracciatella.

Offenbar geht es Politikern ebenso. Vor der Wahl, wenn sie in der Schlange vor dem Wähler stehen, denken sie sich die exotischsten Rezepte aus, nach der Wahl und sie stehen vorn gibt es wie immer nur stupiden Eintopf.
Heute morgen habe ich in der Presse gelesen habe, dass Bodo Ramelow sich nach der nächsten Wahl eine Zusammenarbeit mit der CDU vorstellen kann. Da muss man doch den Glauben an die Sinnhaftigkeit der Politik gänzlich verlieren. Bodo Ramelow und Mike Mohring gemeinsam Seit an Seit und an einem Tisch?

Hier kann es doch beim besten Willen nicht mehr um die Interessen der Wähler gehen. Oder haben alle Wähler doch die gleichen Interessen? Ich vermute, hier geht es nur noch um Machterhalt und Versorgung.

Mir bleibt keine Wahl und ich habe beschlossen nun auch ein stachliger Geselle zu werden. Eigentlich schade, ich hätte doch so gern Vertrauen, obwohl ….. man hat es mir über mehrere Jahrzehnte abgewöhnt.

Die Frohnatur …

https://www.achgut.com/artikel/warum_wollen_so_viele_gruen_waehle

Als ich heute morgen aufstand, war es kühl nur so um die 10 Grad, aber  sehr angenehm nach den tropischen Temperaturen der letzten Monate. Mein sehr belastender Dauerhusten ist nicht so drängend wie sonst, ich will mich gerade anfangen zu freuen, aber: hätte ich nur achgut.com da gelassen, wo es hingehört, nämlich im Netz.

Aber nein, ich muss die Seite öffnen und wer springt mir entgegen, eine Karikatur von Stefan Klinkigt mit dem Gesicht einer Frohnatur.

Und warum auch immer, meine Stimmung ist für die nächsten 2 Stunden im A…h, obwohl ich den Beitrag noch gar nicht gelesen habe.
Wenn ich jetzt sage, „danke Stefan“, weiß ich nicht, ob ich es freudig oder sarkastisch betonen soll. Nun ja, vielleicht wird die Betonung im Laufe des Tages freudiger, weil: die Sonne scheint, der Rasen zeigt wieder einen leicht grünen Flaum und mein Husten ist nicht ganz so drängend wie sonst. Das können mir selbst die GRÜNEN nicht versauen.

Wenn ich nur wüßte, an wen oder was mich dieses sympathische Gesicht erinnert, ♂ ♀ oder doch divers? Vielleicht John McLennon selig?

Ein Bild zum Vergleich mit John wage ich nicht mehr aus dem Netz zu kopieren, wer weiß welcher Abmahnverein dann wieder bei mir auftaucht. Ich hoffe Stefan Klinkigt sieht es mir nach, sonst melde Dich bitte bei mir.

Das hat es alles schon einmal gegeben…

Ja, es hat wohl in der Geschichte alles schon einmal gegeben.

Ich bin erschüttert, mein „Weltbild“, welches bis vor nicht allzu langer Zeit noch relativ stabil war, gerät ins Wanken, eine Situation, die ich nur schwer ertragen kann.
Einer meiner Kollegen ist ermordet worden, ein Arzt in Offenburg wurde am 16. August in seinen Praxisräumen getötet, seine Mitarbeiterin schwer verletzt. Das Verbrechen geschah unter den Augen der Tochter des Arztes.

Zum Glück wurde der Täter relativ schnell gefaßt.

Die Tat geschah mit Vorsatz, hatte doch der Täter das Tatmesser mit in die Praxis gebracht. Und ich wüßte nicht, warum sonst ein Patient mit einem Messer zum Arzt gehen sollte. Bei mir jedenfalls wurde noch nie ein Patient mit dem Messer in der Hand vorstellig, um mit mir über die Qualität des Stahles oder die formschöne Gestaltung des Schafts zu parlieren.
Ich muss zugeben, bis vor wenigen Jahren waren solche Dinge für mich unvorstellbar. Von Großfamilien geflutete Praxisräume, drängendes, aggressives Verhalten um Leistungen, verbale und körperliche Angriffe auf Kolleginnen und Kollegen, und damit meine ich alle Mitarbeiter im Gesundheitssystem, von der Putzfrau bis zum Chefarzt. Ja, und die Angriffe bis hin zum Mord. Natürlich gibt es auch die andere Seite der Medaille, Menschen, die demonstrativ eine prall gefüllte Brieftasche auf den Tisch legen, mit einem eindeutig egoistischen Ansinnen. 
In einigen Monaten werde ich auf 45 Jahre ärztliche Tätigkeit zurückblicken, ich bin stolz darauf das geschafft zu haben ohne mir dabei auch nur einmal die Finger schmutzig gemacht zu haben und, ich bin auch stolz heute noch aktiv sein zu können.
Die aktuelle Tat ist nicht die erste in diesem Kontext, es gibt einschlägige Beispiele, ohne Frage.

In der Geschichte hat es alles schon einmal gegeben, nicht nur in der Schuhmode. 

Als Kind habe ich beispielsweise Erzählungen und Filme über das alte Rom verschlungen und mit den in den Arenen um ihr Leben kämpfenden Sklaven mitgefiebert. Heute steigen Männer und inzwischen auch Frauen freiwillig „in den Käfig“ und lassen sich die Fresse polieren. Freiwillig gehen sie ins Dschungelcamp und prostituieren sich ohne Zwang vor den Augen „des Volkes“.

Natürlich gab es immer Verbrechen, es gab zu allen Zeiten Mord und Totschlag.

Aber wir leben heute nicht mehr im alten Rom, wir haben die letzte Eiszeit und das Mittelalter hinter uns gelassen, die Aufklärung hat dem Menschen eine neue Sicht der Welt ermöglicht. Der gesellschaftliche Stellenwert eines Menschen ist heute sehr viel höher als vor 1000, vor 100, ja auch noch vor 30 Jahren. Und das ist richtig so.

Und gerade deshalb ist es mir unverständlich, wie schnell die Medien einerseits das Verbrechen in Offenburg relativieren, „Ach, das hat es alles schon einmal gegeben“ und wie schnell sie andererseits wieder zur Tagesordnung übergehen. Während die Opfer kaum Würdigung erfahren, wird groß und breit darauf verwiesen, das die eventuellen Hintergründe des Täters „noch unklar sind“. Die Hintergründe eines Mörders interessieren mich in diesem Kontext nicht die Bohne.

Während die Medien seit Wochen täglich voll sind von mitleidsvollen Beiträgen zu einem fußballspielenden jungen Mann, der seine gesellschaftliche Orientierung verloren hat, ist das Thema des getöteten Arztes heute, einen einzigen Tag nach der Tat, mit Ausnahme von WELTonline, schon wieder aus den Medien verschwunden oder hatte gar nicht den Weg dorthin gefunden.

Das finde ich beschämend.

Mein alleiniges Mitgefühl gilt den Opfern, der Täter ist nichts anderes als ein Verbrecher.


Alles atmet Beständigkeit …

Brandenburg  an der Grenze zu Meck-Pomm, eine Gegend die immer wieder eine Reise wert ist. 

Von Thüringen aus über die A4 bis zum Hermsdorfer Kreuz, der blanke Wahnsinn in Potenz. Zwar eine dreispurige Autobahn, gut ausgebaut mit breitem Standstreifen – aber viel zu schmal. 

Die rechte Spur bleibt fast leer, LKW’s, einzelne Pkw’s, dazwischen ganz viel Luft. Die Mittelspur ist blockiert durch Langsamfahrer, deren Geschwindigkeit gerade so ausreicht, um neben einem großen LKW nicht zurückzufallen. Überholen ist nicht angestrebt.

Die linke Spur dagegen ist der absolute Treffpunkt der Gefühle, knallhartes Gaming, Kampf bei höchster Geschwindigkeit. Am liebsten sind mir die Raser, die mit 100 Stundenkilometer von der Mittelspur ohne zu blinken auf links wechseln, sobald sie von hinten auch nur den kleinsten Schatten kommen sehen.

Seltsamerweise geht es auf der A9 Richtung Berlin dann etwas gesitteter zu. Hier dominieren die Schnellfahrer, wahrscheinlich weil es keine Berge gibt und Kurven bestenfalls erahnt werden können. Zu sehen sind sie für den normalen Mittelgebirgler jedenfalls nicht.

Fährt man dann hinter Berlin von der Autobahn ab und bewegt sich über regionale Straßen gen Nordost gewinnt man sehr schnell den Eindruck, dass die Zeit stehengeblieben ist. Kleinere Städte, Dörfer, in denen noch die Ruhe und der Chic der DDR zu spüren sind, aber ungeheuer sympathisch.
Die Menschen scheinen sich Anbetracht der Zerbrechlichkeit des Lebens jegliche gebotene Schonung angedeihen zu lassen. Die Bewegungen sind durchdacht, Schnelligkeit oder gar Hektik sind nicht gefragt, würden negativ auffallen. 

Spricht man einen männlichen Eingeborenen ungefragt an, ist die Wortwahl so gesetzt, dass keine Energie durch ein überflüssiges Wort verschwendet wird. In der Regel erhält man haargenau die Information, die gebraucht wird. Einfach zu parlieren ist des männlichen Brandenburgers Sache nicht. Etwas schwatzhafter sind die Frauen, trotzdem würde eine geborene Rheinländerin sie wohl als „stumm“ bezeichnen und ungeduldig versuchen in Gebärdensprache schneller voran zu kommen. Die Brandenburger stehen womöglich mit den Badenern im Wettbewerb, welche Sprache mit weniger Worten auskommt.

Der gesellschaftliche Mittelpunkt und soziale Treffpunkt des Ortes ist der Dorfbäckerladen mit der irreführenden Bezeichnung „Cafè“ über der Tür und 2 Resopaltischen mit durchgesessenen Stühlen auf der Straße. Ein Tisch hat vier Stühle, dort sitzen die Einheimischen, der andere nur zwei, der ist für die Gäste. Am Einheimischen-Tisch sitzen meist ältere Männer, die Frauen sitzen, wenn überhaupt, vor der eigenen Haustür an der Dorfstraße mit ihren kleinen geduckten, fast nur ebenerdigen Häuschen.
Es ist das einzige Geschäft, das Dorf ist glücklich, dass es den Laden überhaupt noch gibt. Unter dem relativ neuen Schild „Dorfbäckerei und Cafè“ lugt keck die alte Schrift KONSUM hervor, das Mobiliar ist ebenfalls authentisch antik. Die Tür ist neu, dafür passt sie nicht richtig und würde etwaigen Einbrechern keinerlei Gegenwehr entgegen setzen. Wahrscheinlich würde es reichen, einmal dezent gegen den Rahmen zu stolpern und schon „isser drin“.
Obwohl, was sollte ein Einbrecher mitnehmen? Die Tageseinnahmen sind moderat und finden sicher abends in der Hosentasche Platz ohne diese groß auszubeulen. Das liegt nicht nur am Sortiment. Da der Brandenburger ein sehr genügsamer Mensch ist, bleibt es sehr überschaubar, obwohl man alles findet, was „er“ braucht“. Und das ist fast nichts. Von der Semmel, über ein Stück Kuchen, Zahnpasta, Gummischlangen und die Langnese-Eisbox für die lieben Kleinen, hier ist die Auswahl deutlich größer, über die BILD bis hin zur Slipeinlage findet sich alles – alles was der Brandenburger eben so braucht. Und das ist nicht viel.Von jedem nicht bäckereitypischen Artikel findet man genau ein Stück, mit Ausnahme der BILD, da ist es ein kleiner Stapel. „Die sinn für die Urlauber.“ 
Die Verkäuferin ist sehr freundlich, spricht sogar ungefragt. Bedächtig legt sie den Einkauf zusammen, seltsamerweise kauft fast jeder etwas, obwohl man nichts davon wirklich braucht. Jeder hippe, hochgebildete, urbane Urlauber hat mehr in seinem nagelneuen Samsonite, als der Laden an Artikeln vorhält.

Eine städtische Dame, hohen mittleren Alters, fatal auf Anfang 20 getrimmt, gertenschlank, der Brandenburger würde es ‚rappeldürr‘ nennen, aber nur, weil „gertenschlank“ mehr Buchstaben hat. Die Dame verlangt, wohl artikuliert, richtig betont einen ‚Cafè to go‘. „Was wollen ’se?“ „Einen ‚Cafè to go‘.“ Die Dame hebt dabei nicht einmal die Stimme, ich bewundere ihre Hartnäckigkeit die Dinge nicht beim Namen zu nennen, eine richtige Dame eben. Sie zeigt lediglich auf einen Stapel Pappbecher neben der einfachen Kaffeemaschine. Die Verkäuferin gibt zuerst auf. „Ach so, een Kaffe zum Mitnehmen wollen ’se.“ Die Verkäuferin verschluckt das zweite „e“ im Kaffee, sagt tatsächlich Kaffe und die Fronten sind geklärt.
Übrigens, die warme Bockwurst, normale Größe mit Brötchen, frisch, und Senf oder „Kettschupp“ kostet seit vielen Jahren 1,20 €, in Worten 1 Euro und 20 Cent, auch deshalb beult am Abend die Hosentasche mit den Tageseinnahmen nicht aus. 

Das Dorf ist klein, von einem Ende zum anderen braucht man nicht mehr als 10 Minuten, aber da man im Urlaub viel Zeit hat wird jedes Haus, jedes Nebengebäude, jedes Schlagloch genau begutachtet.

Auf einem Haus findet sich eine Antennenanlage aus Ost-Zeiten. Fernsehen ohne Internet, ohne Kabel, ohne Schüssel, allein mit Antenne auf dem Hausdach war damals möglich. Statt HD, Ultra-HD oder 4K bekam man kostenneutral Griesel, um 24.00 Uhr die Nationalhymne-West und danach das Testbild bis zum späteren Morgen. 

Das Frühstück war noch durch verbales oder nonverbales Gespräch geprägt, MoMa und Frühstücksfernsehen hatte der liebe Gott noch nicht erfunden. Typischerweise hatte man zwei Antennen auf dem Dach, eine für das erste und eine für das zweite Programm des West-Fernsehens, analog natürlich, nicht digital. Schon lange gibt es keine analoge Ausstrahlung mehr, aber einige Antennen haben sich gehalten. Die Vertikale war „fürs Erschte“, die Horizontale für das „Zweite“, meist selbstgebaut und trotzdem nicht weniger wertvoll, so sie denn hinreichend funktionierten. Die notwendigen Maße zum Eigenbau wurden per Mundpropaganda weitergeben, googeln konnte man sie nicht, es gab schlicht kein Internet. Dies wiederum war nicht DDR-spezifisch, die ganze Welt wußte damals noch nicht, dass ein Leben ohne Netz schier unmöglich ist. 

Alles atmet in Brandenburg Beständigkeit, selbst die West-Antennen.
Die Gegend der Kleinseenplatte zwischen Rheinsberg, Mirow und Wesenberg wird bestimmt von Radwegen, Wasser und Kopfsteinpflaster, vor allem in den kleinen Orten. Und wer will, braucht bloß den Kopf auf das Pflaster zu legen und hört schon die nächste Postkutsche in 10 Kilometer Entfernung rumpeln. 

Alles ist eben beständig.