Die Qual am Morgen…. oder der neue mediale Einheitsbrei!

Zugegeben: In einer Zeit sozialisiert, in der Medien gesellschaftlich noch einen gewissen vertrauensbildenden Stellenwert hatten, fällt es mir zunehmend schwer der „neuen“ Informationswelt zu folgen. Die morgendliche Presseschau wird mir zur Qual.

Es war in meiner Kindheit selbstverständlich, dass man – sobald man lesen konnte – einen Blick in die Tageszeitung warf. Fast jede Familie hatte, mehr oder weniger freiwillig, eine Zeitung abonniert, für wenige Pfennige am Tag. Nicht alles wurde natürlich gelesen, wohl aber die jeweils interessierenden Dinge. Die Sportnachrichten, die Lottozahlen, ab und zu ein bißchen Kultur, die ersten drei Seiten der ostdeutschen Tageszeitungen überblätterten wir gewöhnlich, dort fanden sich keine Informationen sondern Ideologie. 

Die Anschaffung eines Radios in der Familie war ein lokales Ereignis, die eines Fernsehers, 43er Bild, Schwarz-Weiß in einem klobigen Holzkasten, schon fast ein gesellschaftliches, fand sich doch nicht selten die gesamte Hausgemeinschaft zu bestimmten Sendungen in unserer Guten Stube ein. 
Zunehmend übernahm das Fernsehen die „Macht“ im Medienwald. 
‚Aktuelle Kamera‘ und ‚Tagesschau‘ wurden meinungsbildend und spannend war der Unterschied, an dem sich Moderatoren aus Ost und West gegenseitig abarbeiteten. Wobei, das muss fairerweise einmal gesagt werden, das West-Fernsehen nie einen ‚Karl-Eduard von Schnitzler zu Stande brachte‘. Die Einführung der jeweils 2. Programme brachten keinen Erkenntnisgewinn, ARD und ZDF erzählten das Gleiche, das 1. und 2. Ostprogramm lief deckungsgleich.

In den östlichen Tageszeitungen wurden die Ideologie-Anteile immer tragender, in den westlichen die Werbung. Übrigens, in phantastischer Weise waren alle Ost-Journalisten der gleichen Meinung. Wenn sie es nicht waren, waren sie von Stund an keine Journalisten mehr.

Man konnte sich also absolut darauf verlassen, dass man in jeder Zeitung das Gleiche las.

Eine weitere typische, mit Sicherheit diskussionsbeendende Metapher war: 

Bist Du für den Frieden? Die DDR ist auch für den Frieden. Also musst Du für die DDR sein, sonst bist du ein Kriegstreiber!

Der typische DDR-Bürger wußte was davon zu halten war, nämlich nichts und blätterte weiter.

Als sich Mitte der 80. Jahre wegen dieser und jener Entwicklung im Osten Widerstand zu regen begann, reichte den Ost-Medien der reine Ideologie-Transfer nicht mehr. 

Sie übernahmen die Rolle des gesellschaftlichen Zuchtmeisters nach dem Motto, wer nicht für alle Entwicklungen des Sozialismus in der DDR ist, ist automatisch dagegen. Und wer dagegen ist, ist ein Feind und gehört ausgemerzt. Und wen die Medien auf dem Kieker hatten, der hatte den „Staat“ gegen sich und hatte mit Verlaub verschissen „bis in die Ewigkeit“ und bekam in der Regel keinen Fuß mehr auf den Boden.
Die Ewigkeit dauerte dann nur noch bis 1989, dann hatten die Ost-Medien-Zuchtmeister ausgedient – und „alles wurde Westen“!

Geschätzt 90% der Ostler liefen damals in Erwartung der D-Mark mit glänzenden Augen durch die Welt und sogen die Verlautbarungen der nun dominierenden West-Presse wie Nektar auf, nur, leider wurde für viele Ossis daraus kein Honig.

Die Strukturen des Ostens wurden gnadenlos liquidiert, auch die sinnvollen, die Treuhand verscherbelte das letzte Tafelsilber, meist an windige Wessis, hochtrabend genannt Investoren. Jeder Wessi, der damals mit frisch geleastem Benz im Osten auftauchte, nannte sich Investor und versprach das Blaue vom Himmel.

Die Medien unterstützten diesen Ausverkauf, die Ossis blieben in der Regel außen vor, da es politisch nicht gewollt war, dass Ostdeutsche die Sache selbst in die Hand nahmen. Die Ossis wurden als in gewissem Maße liebenswerte, etwas unbedarfte und unerfahrene Menschen hingestellt, die ohne die helfende und stützende Hand des Westens kaum überlebensfähig wären. 

Auch hierfür lieferten die Medien den gewünschten Hintergrund, in dem an allem, was nach 1989 an Schweinereien passierten allein die alten ostdeutschen Seilschaften Schuld trugen.
Es folgte eine Phase gewisser politischer Stabilität und damit Liberalisierung auch der Medien, Informationen wurden gegeben, man spürte einen gewissen Spielraum, sich aus den veröffentlichten Informationen eine eigene Meinung zu bilden. Gerade die Ostdeutschen goutierten das über Jahre mit Vertrauen.
So etwa ab dem Jahr 2010 vollzog sich wieder eine „Wende“. 
Solche Dinge wie Genderismus und politische Korrektheit traten auf den Plan, immer streng unter dem Deckmantel des Guten.
Die Medien übernahmen erneut eine Volkserziehungsfunktion, sachliche Information wurde und wird zunehmend durch Ideologie ersetzt.
Gerade die Ostdeutschen, gebrannte Kinder der eigenen Geschichte spürten als Erste woher das „neue Windchen“ wehte. Genau dies kannten sie noch aus vergangenen DDR-Zeiten. Mit leider untauglichen Mitteln wie Pegida und Wortschöpfungen wie „Lügenpresse“ versuchten sie sich gegen diese Entwicklung zu wehren und die neugewonnene Gedankenfreiheit zu bewahren. Gehört wurden sie nicht.
Mit dem Jahr 2015 vollzog sich dann eine weitere Verschärfung der Mediensituation zu Ungunsten der Ostdeutschen. Der Ostdeutsche an sich verfiel politisch und medial in Ungnade und als neues Objekt entmündigenden Gutseins wurde das Götzenbild des Flüchtlings geschaffen.
Und analog dem alten DDR-Narrativ, „bist Du für den Frieden…“ wurde jetzt mit dem Flüchtling hantiert. Wer für die bedenkenlose Öffnung der Grenzen und die Aufnahme einer durch nichts begrenzten Zahl von Neubürgern war, gehörte über Nacht zu den Guten und durfte ruhig weiter pennen. Wer sachliche Bedenken anmeldete wurde bei den Schlechten, den Rechten, den Mißgünstigen, den Ängstlichen, bei den bösen alten weißen Männern angesiedelt. Wer gar seine Stimme gegen die Entwicklung artikulierte wurde über Nacht zum Nazi.
Und schon waren wir über Nacht wieder an der Stelle, an denen die ostdeutschen Medien 1989 aufgehört hatten.
Sachliche gesellschaftliche Diskussion findet nicht mehr statt, es geht überwiegend um die Verbreitung von Ideologien, angefangen vom Narrativ des sogenannten ‚Menschengemachten Klimawandels‘ bis hin zu den für den Normalbürgern unübersehbaren Vorteilen unbegrenzter kulturfremder Immigration. 

Nur, das diesmal im Vergleich zur DDR nicht irgendwelche Apparatschiks, sondern soziale Träumer und Grüne Phantasten das Sagen haben. Aber auch ansonsten durchaus ernst zu nehmende Menschen wie der Meteorologe Sven Plöger sind nicht frei von Opportunismus, etwa wenn er in der ARD vor offenen Mikrofonen verkündet, dass 50 bis 75% des drohenden(?) Klimawandels menschengemacht wären. Obwohl, früher haben wir im Osten auch aus opportunistischen Gründen diese und jene Parole öffentlich nachgebetet, auch wenn wir uns dafür später vor Ärger „in den Hintern gebissen haben“. Also, ich möchte es nicht bewerten, nur auf die Risiken hinweisen.

Auf jeden Fall baden wir wieder im medialen Einheitsbrei. Sparen wir uns die morgendliche Presseschau. Und ich habe nach rund 45 Jahren die Tageszeitung(en) abbestellt. Und siehe da, es fehlt mir nichts. Im Gegenteil, man sieht sich wieder über den Frühstückstisch hin an. 

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