Alles sozial oder was … ?

„Das kann ICH mir leisten!“

Ein Gespräch unter Kollegen, 6 Personen, alle in unbefristeten Anstellungsverhältnissen, im – wie es so schön heisst – mittleren Einkommenssegment, alle in festen Partnerschaften.

Nach der ersten Tasse Kaffee wird über dies und jenes geredet, immer schön unverbindlich, die lieben Kinder und die noch lieberen Enkel, das Häuschen und der Garten, die Fehler der Chefs, die echten und die imaginierten werden seziert. Niemand gibt etwas über sich selbst preis, wenn es in die Nähe des Persönlichen kommt, verliert das Gespräch an Dynamik, bevor es ganz dem Stillstand erliegt.

Um der lastenden Stille zu entgehen und das Gespräch wieder in Gang zu bringen, dabei um Unverbindlichkeit bemüht, um nichts von sich selbst preisgeben zu müssen, kommt die Sprache – richtig – in Richtung auf’s Klima.

Das Thema wird hoch und runter diskutiert, dabei immer schön vorsichtig in der Wortwahl und darauf bedacht nichts Angreifbares zu sagen. Das Nicht-Angreifbare ist das, was uns täglich in der Zeitung suggeriert wird.

Das Gespräch dreht sich anfangs um die Umwelt an sich und den Umweltschutz, das ist unverbindlich und ich kenne niemand, der sich gegen Umweltschutz ausspricht, wie sie dann handeln ist eine ganz andere Frage.

Langsam gleitet das Gespräch, über die Feststellung, dass der Winter 2010 viel zu warm ist, hinüber ins Thema Klima.

Da ich jeden Tag per PKW zur Arbeit fahren muss, erlaube ich mir die Bemerkung, dass ich froh bin, wenn der Winter auf Schneewehen und vereiste Straßen verzichtet.

Es hätte gefehlt, dass alle aufspringen und vor Freude auf oder zumindest um den Tisch tanzen, der hat sich geoutet.

Belehrt werde ich, dass es im Winter doch auch winterlich sein müsse und das es nicht gehe, die Entwicklung einfach nur so hinzunehmen. Meine – zugegeben – unbedarfte Frage, warum es denn im kalendarischen Winter in niederen Lagen des mitteleuropäischen Thüringens vor Eis und Schnee strotzen müsse, wird nicht beantwortet, wahrscheinlich ist sie zu blöd. Ich verweise jetzt schon etwas verkrampft darauf, dass hier doch weder Permafrostboden auftaut, noch Gletscher verschwinden und ernte nur ein mitleidiges Lächeln, die meisten sehen wortlos nach unten.

Eine Kollegin wirft ein: „Oder stört es Dich etwa, dass uns der Klimaschutz ein paar Cent kostet?“

Ich bemerke zum Glück noch rechtzeitig, dass es vernünftig ist, jetzt nicht noch danach zu fragen, was genau „Klimaschutz ist, der nur ein paar Cent kostet“. Mir fällt die Trittin’sche Bemerkung zur „Energiewende ein, die den Menschen nur den Preis einer Eiskugel entlocken“ würde. Inzwischen ist die Kugel Eis wohl so groß geraten, dass sie zwanglos ein Zimmer meines Häuschens und nicht nur den Magen eines Kindes füllen würde.

Mein persönlicher Klimaschutz oder besser Umweltschutz ist leicht zu beschreiben: Ich lebe seit eh und je bescheiden, treibe keinerlei unbotmäßige Völlerei, fahre nur dann Auto, wenn ich es tatsächlich muss, die meisten Kilometer wegen des Wegs zur Arbeit. Ich unternehme keine Flugreisen. Die meisten Dinge gebrauche ich bis sie kaputt sind, die jeweilige Mode spielt dabei keine Rolle. Im Winter trage ich im Haus einen Pullover, wegen der Heizung, wenn ich ein Zimmer verlasse mache ich das Licht aus und pflege unsere Grundstücke, durchgängig grün bewachsen mit großen Bäumen besetzt.

Um nicht ganz widerstandslos vor der „Mehrheitsmeinung“ zu kapitulieren, werfe ich den Begriff CO2-Steuer auf den Tisch, Eine einfache Antwort: „Ja, die wird kommen.“

Und dann geht die Post ab, die Diskutierenden (gendergerecht?) überschlagen sich in der Versicherung, dass „Klimaschutz eben kostet“. Klar alles kostet etwas, selbst der Tod und der ist teuer.

„Es wird schon nicht so schlimm sein!“

Bevor ich antworten kann, wirft ein Anderer vorsichtig ein, er habe gelesen, dass die Kosten für die Lebenshaltung irgendwo zwischen 7 bis 10 % steigen werden. Eine Kollegin lacht laut auf, zuckt mit den Schultern, „Mehr nicht? Das kann ich mir leisten.“ Niemand wagt ihr zu widersprechen. Es verwundert mich nicht. Ich bin ganz kurz versucht, die Menschen der Gesellschaft ins Spiel zu bringen, für die der Monat schon jetzt zu lang ist. Ich lasse es, weil ich einerseits die zufriedenen Gesichter sehe, „ich kann mir das auch leisten“ und andererseits die zu erwartende Antwort schon kenne: „Dann können die eben nicht so viel fressen, für Schnaps und Zigaretten haben die auch Geld.“ Ich hätte mir eine Strichliste anfertigen sollen, wie oft mir dieses „Totschlag-Argument“ schon „vor den Latz geknallt worden“ ist.

„Klimaschutz“ als Statussymbol, das kann man sich als braver Bürger leisten, wer sich das nicht leisten kann, möge gefälligst zum Amt gehen und sich aufstocken lassen.

Da hat „jemand“ in der Tat ganze Arbeit geleistet, die Klimaindustrie wird’s freuen, die Rendite stimmt: „Das kann man SICH schließlich leisten!“

6 Kommentare zu „Alles sozial oder was … ?

    1. Danke für die Blumen, ich bin alles andere als ein vorbildlicher Bürger, gern fahre ich zu schnell über die Autobahn. Ich komme aus einer Familie, in der Schmalhans lange Küchenchef war und ich habe mir fast alles im Leben selbst erarbeitet, das lehrt Bescheidenheit im Umgang mit Ressourcen, andere nennen es Geiz.

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  1. die Ersetzung von Umweltschutz durch einen ominösen „Klimaschutz“ geht mir auch gehörig auf den Wecker. Nicht das Klima ist zu schützen, sondern unsere Erde, unsere Meere, unsere Berge, die Pflanzenwelt, die Tiere. Und unsere mitmenschlichen Beziehungen, ja, die vor allem. Die gehen in diesen Kontroversen den Bach runter und schnell ist das Klima vergiftet …

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