Auf dem Boden der Tatsachen angekommen?

In meiner Kindheit lebte ich am Rande der Grossstadt.

Der Vater ging arbeiten, er hatte das Pech im Krieg als Flugzeugbauer Militärflugzeuge gebaut zu haben, die entsprechenden Betriebe in und um Erfurt hatten zwar ein sehr hohes Know how, waren zum Kriegsende allerdings größtenteils zerstört, die Reste wurden von den Alliierten abtransportiert, das Wissen in Form von Papier bzw. Ingenieuren mitgenommen.

Was macht in diesen Fällen ein junger Facharbeiter, dessen Wissen niemand mehr braucht und der daran denkt eine Familie zu gründen, nein, er meldet sich nicht arbeitslos oder geht jammernd auf H-IV, er sucht sich einen Job. Egal welchen Job, Hauptsache Arbeit und Einkommen.

Die einzige Arbeit, die er fand, war als Transportarbeiter, heute nennt man das wohl Logistikfachkraft, damals hatte es den Status eines Hilfsarbeiters.

Der Verdienst war niedrig, das größere Problem bestand darin, dass die für diese Arbeit zugeteilte Lebensmittelkarte wenig hergab, ‚Schmalhans war bei uns Küchenchef‘.

Eine Familie war damit praktisch nicht über die Runden zu bringen.

Schon deshalb musste meine Mutter auch arbeiten gehen, aus Mangel an Kita, in sogenannter Heimarbeit.

Heimarbeit bedeutete in ihrem Fall einmal pro Woche mit dem Bus in die Stadt zu fahren, dort bekam sie Stoffe und Materialien, schleppte das schwere Paket wieder via Bus nach Hause, um es dort zusammen zu nähen und nach einer Woche mit dem Bus zurück zu ihrem Arbeitgeber „zu liefern“. Dafür gab es noch weniger Geld, aber eine bessere Lebensmittelkarte.

Mir fiel schon als kleinem Knirps die Aufgabe zu, sie bei diesen Fahrten zu begleiten, Kita war nicht.

Bei einer dieser Fahrten ging mir eine Fingerspitze verlustig, sie war in der Bustür eingeklemmt. Damals fuhren unsere Busse noch mit einem Anhänger, der auch im strengsten Winter unbeheizt war.

Ich erzähle dies nur, um auf das Thema zu kommen.

Auf diesen Fahrten als kleiner Pimpf lernte ich „Anstandsregeln“, u.a. das ich als Kind widerstandslos aufzustehen hatte, wenn ein ältere Erwachsener keinen Sitzplatz fand.

Diese Regel hat man seit Jahren abgeschafft, im Gegenteil sind heute naturgemäß die Kinder und Jugendlich viel fixer als ich, wenn es gilt sich einen der meist wenigen freien Sitzplätze zu sichern. Seit Jahrzehnten habe ich nicht mehr erlebt, dass Kinder und Jugendliche vor Älteren aufstehen. Bei Großfamilien im Zug zum Beispiel, hat man als Älterer keine Chance, dass großvolumiges Gepäck beiseite gestellt wird, um Sitzplätze freizumachen. Die Zugbegleiter zucken die Schultern und geben zu verstehen, dass sie sich in diesen Fällen mit den ehrenwerten Reisenden nicht anlegen (sollen/wollen).

Gestern waren unsere staatlichen Gazetten voll von einer tragischen Nachricht:

Greta aus Schweden reist mit der Bahn in überfüllten Zügen durch unser Land, hat angeblich keinen Sitzplatz und muss auf dem Boden hocken.

Offenbar ist unseren werten Journalisten so Einiges entgangen.

Im „überfüllten“ Zug sitzt seine Hoheit allein auf dem Boden, der Gang ist ein ganzes Stück einsehbar, kein anderer Mensch als Greta ist zu sehen. Aber Greta postet dieses Foto aus dem „überfüllten“ Zug.

Die Bahn knickt sofort ein und entschuldigt sich. Wieso eigentlich, täglich reisen wahrscheinlich Zehntausende stehend in wirklich überfüllten Zügen durch die Lande. Noch nie hat sich ein Bahnmitarbeiter bei mir dafür entschuldigt.

Mit zeitlicher Verzögerung wird dann klar, dass dies alles nur ein Fake ist und selbst Greta aus Schweden rudert zurück. Sie reiste tatsächlich 1. Klasse, „verwöhnt vom Bahnpersonal“.

Selbst wenn es so gewesen wäre, wie von Greta behauptet, ich habe als Kind gelernt, dass ich als Jüngerer gegenüber wesentlich Älteren meinen bequemen Sitzplatz aufzugeben hätte.

Obwohl dieses Greta-Foto ein Fake ist, ein Stück ist sie jetzt hoffentlich auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Ich wünsche es ihr von Herzen bevor ihre Persönlichkeit völlig verbogen ist.

9 Kommentare zu „Auf dem Boden der Tatsachen angekommen?

  1. Die Verlogenheit der Greta Marketing Agentur war von Anfang an schon überirdisch.. Für die Bahn wäre das Foto aber gut um für saubere ICE Züge zu werben. Da kann man auf dem Boden platznehmen ohne die Klamotten zu verschmutzen. 🤗🤗

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    1. Du hast recht. allerdings war ich auch fasziniert davon, wie sehr man sich in den Medien, Journalisten und Kommentatoren unisono, darüber empört hat, das Greta aus Schweden bei der Durchfahrt durch unser unbedeutendes Land, nicht genug gehuldigt worden sei.

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  2. Ich habe den Wochentag der Abenteuerreise durch Deutschland nicht parat. Wenn es jedoch ein Freitag war, da konnte keiner an den Gleisen strammstehen. Da wird doch für das beworbene Produkt gestreikt. Und dieses, unser Land, als „unbedeutend“ zu bezeichen – Rainer, das geht gar nicht. Was den „Bimbes“ angeht, wird Deutschland von den geforderten Billionen mit absoluter Sicherheit die Hauptlast übernehmen. Und dann vielleicht Frau v.d.Leyen, oder gar Frau Schulze, als bedeutend eingestuft und damit Deutschland sogar erwähnt werden. Alles auf Kosten derSteuerzahler, wie immer..

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  3. Es war der gestrige Tag, als Greta aus Schweden unserem Land die Ehre gab. Da vermute ich, hast Du auf dem Weihnachtsmarkt wieder dem Glühwein zugesprochen? Und dann rauscht die Weltgeschichte unbemerkt an Dir vorbei. Ich bin sicher, das ist ein Scheissgefühl? 😂
    Ich wünsche Dir einen guten Tag. R.

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  4. Gestern habe ich meine Rationale eigenhändig hergestellt und die war sogar ohne „Schuss“ dreimal besser, als die Weihnachtsmarkt Brühe. Nur um mitzureden muss ich mich aber dem Kommerz beugen. Um meine Mitmenschen aufzuklären. Aber viel mehr Opfer muss ich nicht mehr bringen. Lübeck und Rostock, aber das hängt auch vom Wetter ab. Als Gegengeschäft für meinen Glühwein gab’s übrigens Thüringer Bratwurst, von meinem Nachbarn frisch aus Erfurt mitgebracht. Lecker🤗😀

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  5. Thüringer Bratwurst ist die Seele vom Geschäft. Jeder Fleischer hier, der etwas auf sich hält, hat sein eigenes, gering modifiziertes Rezept, welches er hütet wie seinen Augapfel. Übrigens, wir essen auch nicht jedes Produkt, auf dem ‚Thüringer Bratwurst‘ steht. Guten Appetit.

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  6. Meine guten Wünsche sind auch mit diesem Kind. Sie, die sich so wahrheits-besessen und kämpferisch darstellt und es vielleicht auch ist, ist dem Lügengespinst, das um sie gewoben wird, hilflos ausgeliefert? Ich frage mich. Sie muss es doch fühlen, wissen, wenn sie solch einen Sitzplatz einnimmt, und die Fotografen vor ihr aufmarschieren, dass … ja, was? Vielleicht meint sie ja, damit ihre message zu stärken. Wie mit all dem anderen Firlefanz auch, das ihr anempfohlen wird.

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    1. Ja, ich bin völlig bei Dir. Das Kind Greta tut mir auch leid, da ihre Eltern und die Adlaten im Hintergrund in meinen Augen unverantwortlich agieren. Greta kann es nicht anders / besser.
      Unter normalen Bedingungen würde das Mädchen Schutz benötigen und speziell die Eltern gehören „mit der Mistforke aus dem Dorf getrieben“.
      Dass sich die Eltern praktisch hinter dem Asperger ihres Kindes verstecken, halte ich für doppelt schoflig.

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  7. Das habe ich auch so gelernt. Ich wohne mit einem Blinden zusammen und wenn wir unterwegs sind, haben wir ganz selten Sitzplatzprobleme. Ich als seine Begleitung, versuche ihn immer irgendwo hin zu setzen. Ich selbst kann ja problemlos stehen. Trotzdem stehen die Leute auf und bieten mir ebenfalls ihren Platz an.

    Es ist sehr traurig, daß Du das so erleben mußt!

    Was Greta angeht, so bin ich ganz Deiner Meinung. Wobei ich aber vermute, daß all das nicht auf ihrem Mist gewachsen ist, sondern ihren übermotivierten Eltern zu verdanken. Die sind es, die ihr wirklich die „Kindheit“ stehlen und nichts anderes. Nur begreift sie das heute noch nicht.

    Herzlichst Emily

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