Der Glanz ist weg …

Es ist wieder einmal Wahlzeit in Thüringen, die Politik erwacht, Ende Oktober soll der Landtag neu gewählt werden. Landtagsabgeordneter soll ein sehr lukratives Geschäft sein und so verwundert es nicht, dass sich plötzlich viele Menschen, genannt oder sich Politiker nennend, schier nach den Mandaten drängeln.

Seit mehreren Wochen sind sämtliche Laternenmasten, Verkehrszeichen, viele Gartenzäune mit Plakaten lustig oder staatsmännisch blickender Menschen geschmückt, an vielbefahrenen Straßen sehen wir große Plakatwände der Parteien mit Parolen, die griffig sein sollen und von denen jeder weiss, dass nichts von dem, was dort steht, wirklich ernst gemeint ist.

Auf jeden Fall sieht das alles sehr lustig aus, Bodo Ramelow neben dem FDP-Chef, Höcke neben der LINKE-Kandidatin und alle versuchen sich zu überbieten.

Zuerst hatte die MLPD plakatiert, „Gleiche Rechte für Asylanten“, von gleichen Pflichten dagegen findet sich nichts. Sie fordern „Freiheit für Kurdistan und Palästina“ und stellen damit unausgesprochen das Existenzrecht von Israel in Frage. „Für das Verbot faschistischer Organisationen“ muss man sein, nur welche sind das in Deutschland außer vielleicht kleinen Splittergruppen?

Die LINKE plakatiert „Wir sind für Wirtschaft, Klimaschutz und Freizeit“ – zumindest theoretisch die Quadratur des Kreises. Jeder weiss, daraus wird sowieso nichts.

Von den Plakaten der SPD ist mir lediglich ein krampfhaft staatsmännisch blickender Tiefensee in Erinnerung.

Ins Auge springen die gelben Plakate der FDP, die aber so überfrachtet sind, dass ich im Vorbeifahren keine Chance habe die Botschaft zu lesen, fällt also weg.

Die CDU kam spät aus den Startlöchern, sie wirbt überwiegend mit Mike Mohring als Person, ob das reicht ist offen.

In den letzten Tagen kam die AfD dazu, ich ertappe mich dabei, dass ich ’schamvoll‘ über die blau gehaltenen Plakate hinwegsehe, mir ist kein einziger Slogan in Erinnerung geblieben.

Das rechte politische Schmuddelkind, die NPD, ist auch erst vor wenigen Tagen an den Laternenmasten aufgetaucht, ich kann mir vorstellen, dass einige ihrer Parolen vor allem bei sozial schlechter gestellten Menschen gut verfangen.

Vergessen habe ich die GRÜNEN, die bürsten mir mit ihrer städtischen Klimahysterie so gegen den Strich, dass ich mich mit denen überhaupt nicht befassen will.

In kleinen Orten habe ich das Gefühl, dass dort mehr Politiker an den Straßenlaternen baumeln, als es Einwohner gibt. Aber macht ja nichts, bezahlt ja alles der dämliche Steuerzahler.

Lustige, meist glänzende Plakate also, bunt, schreiend bunt, die Straßen sehen schlichtweg albern aus. Und abends, da sind ’se plötzlich weg, im Dunklen, da erkennt man nichts mehr.

Heute Nacht hat es geregnet, nicht sehr schlimm, aber doch einige Zeit.

Und am Morgen hängen unsere Politiker mehr oder weniger kraftlos an ihren Laternenmasten, zum Teil haben sich die Plakatrückwände gewellt, sie sind zusammengerutscht, noch notdürftig von den Kabelbindern aus weißer Plastik gehalten. Sie sehen heute alles andere als lustig aus, unsere Politiker, da so an ihren Masten, Pfählen und Zäunen und vor allem: allein schon durch ein bißchen Regenwasser ist der Glanz weg.

Gegen mittag sehe ich unter zwei zusammengerutschten Plakaten: oben Ramelow, darunter Tiefensee ein drittes, neues, noch glänzendes Plakat. Es ist die Werbung für die Vorstellung eines Marionettentheaters für Kinder, welches in wenigen Tagen in unserer Gegend gastieren wird.

Mal sehen, was die Menschen mehr anzieht.

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