‚Gotte‘ und ich … oder forever young …

Es gibt nicht so viele Momente im Leben, die mich echt berühren, als Kind habe ich das nie gelernt und später kam ich vor lauter Stress nicht mehr dazu. In diesem Moment bin ich es, berührt, es läuft mir kalt den Rücken hinunter, Gänsehaut auf meinen Armen meine Mundwinkel zucken und ich bin froh, dass ich im Dunklen sitze und hoffe, dass niemand sieht, wie mir Tränen aus den Augen laufen. Aber, warum eigentlich nicht? Ich schwanke zwischen laufenlassen und herunterschlucken, blöderweise entscheide ich mich für herunterschlucken und versuche es mit einem albernen Hüsteln zu überspielen.

Auf dem Campingplatz von Konny und Klaus in Warenthin in Brandenburg, der hippe Großstädter würde es wohl Pampa nennen, mitten im Wald, direkt am Rheinsberger See hohe, sehr hohe Bäume, gesunder deutscher Mischwald, kein gepflegter, aber absterbender Fichtenforst, um mich herum 40 – 50 Menschen.

Camper, und wer Camper kennt, jeder ein oder sein Original.

Und ich, gerade ich, etepetete, mitten drin.

Um ganz ehrlich zu sein, ich hatte mir vorher im Hotel noch ein frischgewaschenes T-Shirt angezogen, weil ich das Gefühl hatte verschwitzt zu sein. Später am Abend, als automatisch alle etwas zusammenrückten, konnte ich sogar darüber schmunzeln und mir einreden, dass mein Odem vielleicht noch nicht einmal der Markanteste gewesen wäre, es störte mich nicht.

Es ist die Stimme eines Schulkameraden die mich berührt, die Stimme von Heinz-Jürgen oder besser bekannt „Gotte“ Gottschalk und der Text des Liedes, welches er in einer langen Reihe von einer Minibühne auf dem Campingplatz unter den hohen alten Bäumen bei zunehmender Dunkelheit singt.

Wir hatten uns einige Zeit nicht gesehen, zuletzt in der Schule, es muss so ungefähr 1966 gewesen sein, also vor ein paar Tagen. Aus den Augen hatten wir uns verloren, weil die Interessen wohl zu unterschiedlich waren, der Freigeist und Künstler auf der einen Seite, der Streber auf der anderen Seite, selbst wenn wir uns geographisch nah gewesen wären, wären es unsere sozialen Wege wohl auf Dauer nicht geblieben. So ist, so war das Leben, es macht keinen Sinn darüber zu sinnieren, was gewesen wäre, wenn, es war eben nicht.

Jetzt hatte uns der Zufall zusammengebracht, wir sind beide gute Bekannte von Konny und Klaus. Konny und Klaus, zwei liebe Menschen, die gemeinsam seit Jahrzehnten ‚in der Saison‘ von früh bis abends auf ihrem Campingplatz unter den hohen Bäumen von Warenthin für ihre Gäste werkeln, von früh bis spätabends, sieben Tage die Woche, 30 Tage im Monat.

Als ich gehört hatte, dass Gotte kam, „da muss ich hin, muss ihn treffen“, wegen Gotte und wegen eines Stückes gemeinsamer Kindheit.

Ich hatte den Vorteil, dass ich wußte, dass er kam. Es stieg ein älterer Herr mit langen, sehr schütteren, weißen Haaren aus dem Auto, dessen beste Zeiten wohl auch schon zwei Jahrzehnte zurückliegen, aber was sind schon 20 Jahre, unsere besten Jahre liegen noch viel weiter zurück. Als wir uns das letzte Mal gesehen hatten, lag meine Glatze auch noch in weiter Ferne, trugen wir – mehr oder weniger passend – die Pilzköpfe des Jahrhunderts oder das, was wir dafür hielten, durch die Gegend.

Am Aussehen hätte ich ihn nicht erkannt, aber an seinem Gang und an ’seinem Gold‘, seiner Stimme, nicht mehr so kräftig wie vor mehr als 50 Jahren, aber immer noch im gleichen ruhigen, berührenden Klangmuster.

Es wurde ein wunderbarer Abend unter den großen alten Bäumen auf dem Sand von Warenthin , forever young.

Und dann kamen mir die Tränen: (hier die Übersetzung nach Bob Dylan, Gotte hat seinen eigenen Text)

Möge Gott dich segnen und beschützen,
Mögen deine Wünsche alle in Erfüllung gehen,
Mögest du immer für andere da sein
Und die andere für dich dasein.
Mögest du eine Leiter zu den Sternen bauen
Und jede Stufe hinaufsteigen,
Mögest du für immer jung bleiben,
für immer jung, für immer jung,
Mögest du für immer jung bleiben.

Mögest du wachsen um immer gerecht zu sein,
Mögest du wachsen, um immer wahr zu sein.
Mögest du immer wissen, was die Wahrheit ist
Und immer von Licht umgeben sein.
Mögest du immer mutig sein, aufrecht stehen und stark sein,
Mögest du für immer jung bleiben,
für immer jung, für immer jung,
Mögest du für immer jung bleiben.

Mögen deine Hände immer beschäftigt sein,
Mögen deine Füße immer schnell sein,
Mögest du ein starkes Fundament haben
Wenn der Wind der Veränderungen sich dreht.
Möge dein Herz immer fröhlich sein,
und dein Lied immer gesungen sein,
Mögest du für immer jung bleiben,
für immer jung, für immer jung,
Mögest du für immer jung bleiben.

Ich weiss nicht, ob und wann wir uns noch einmal treffen, wer weiss schon, was in 5 Minuten passiert, dieser Abend war es wert ihn erlebt zu haben, dort unter den alten Bäumen von Warenthin, mit der Reminiszenz an die Kindheit, danke Gotte, mach’s erstmal gut, ich hoffe ‚bis die Tage‘

Forever young, nun ja, die Wahrheit liegt wohl auch hier im Auge des Betrachters.

Ein Kommentar zu „‚Gotte‘ und ich … oder forever young …

  1. Ja mein Lieber, es war wirklich eine tolle Überraschung und ein wunderschöner Abend .
    Liebe Grüße auch an Uschi!
    Genießt die Zeit an diesem schönen Fleckchen Erde.
    Am Wiedersehen müssen wir arbeiten ! Liebe rockige Grüße Euer GOTTE 🙂

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