Champus ist auch nur Alkohol …

Vor wenigen Tagen ging die Tour de France, dieses jährliche Riesenradsport-Spektakel, zu Ende. Eine schier unendliche Schinderei für die Sportler, früher in den besseren Zeiten andachtsvoll Pedaleure oder auch ‚Gladiatoren der Landstraße‘ genannt.

Heute fühlt sich nahezu jeder dazu berufen, einerseits unmenschliche Leistungen von den Jungs zu verlangen, ansonsten hockt sich niemand mehr vor den Televisor und Quote ist wichtig, sonst gibt es keine Kohle für die privat geführten Rennställe. Mir fällt erst jetzt auf, wie abwertend der Begriff „Rennstall“ ist, klingt nach Pferd.

Andererseits wird – vom Neid getrieben, selbst solche physiologischen Leistungen nicht vollbringen zu können – alles in Frage zu stellen.

Die Pedaleure begannen nach mehr als 3000 Kilometer Fahrstrecke die letzte Etappe nach Paris mit einem Gläschen Champus, welches sie auf dem Rad fahrend, zelebrierten, medienwirksam, man sah, wie die durchgängig drahtigen Männer wahrscheinlich mit durch die Sättel wunden Hintern, sich freuten, dass die Schinderei endlich zu Ende ging.

Ich habe ihnen das Gläschen Champus gegönnt, bin zwar nie wettkampfmäßig Fahrrad gefahren, aber ich weiss was Schinderei ist. Meine Hochachtung für diese Leistungen, egal ob Erster oder Letzter im Klassement.

Eine Kollegin freut sich, aus dem langen Auslands-Flugurlaub zurückkommend, darüber, dass sie von ihrer Tochter mit einem selbstgekochten Mittagessen und einem „Weinchen“ begrüßt wird. Später haben sie das „Fläschchen“ gemeinsam „ausgesüffelt“. Es klingt irgendwie mütterlich-kindlich-lieb, solange man nicht weiss, dass die Tochter seit Jahren ein schweres Alkoholproblem hat, welches ihr wenige Wochen später fast das Leben kosten wird.

Auf dem Dorf lebend ist es geradezu Usus, dass beim Besuch auf einem anderen Grundstück automatisch die Frage gestellt wird: „Willst Du ein Bier?“, wenn sich Männer begegnen, meist auch genau unter dieser Absicht ein Bier zu trinken. Das „Glas Wein“ dominiert, wenn man sich unter Damen trifft.

Ein durchschnittlicher Verbrauch von einem Kasten Bier pro Woche und ‚Männerkopf‘ ist die Regel, ‚es transportiert sich besser‘. Dabei wird Bier nicht als Alkohol registriert, viele sind oder spielen erstaunt, wenn ich ihnen vorrechne, wieviel Alkohol sich in den 2-4 „Fläschchen Bier“ pro Tag versteckt.

Für ein „Sektchen“ zwischendurch braucht es keinen Grund, das wird schon mal schnell nebenher erledigt, auch während der Arbeitszeit im Team, typisch ist dazu der Freitagmittag nach einer vielleicht guten oder auch nicht so guten Arbeitswoche. Ein Grund findet sich wohl immer.

Interessant finde ich Whisky-Fans, die können sich ja bis zur Ekstase in den Facetten ihres Getränks verlieren, letztendlich geht es aber auch hier nur um …. den Alkohol, auch wenn er vielleicht in einem besseren Getränk versteckt ist, als in der Schnapsflasche aus dem Discounter.

Aber Leute, verstehen kann man alles, fast täglich werde ich mit den heftigsten Auswirkungen des Alkoholkonsums konfrontiert und …. selbst der teuerste Champus ist nur Alkohol.

Und 2020 werden sich die Jungs wieder mit ihrem Fahrrad durch Pyrenäen und Alpen quälen … mögen sie ihren Champus trinken.

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