Untertan sein und die Endlichkeit des Lebens …

Herren und Untertanen sind in unserer Gesellschaft pro forma abgeschafft. 
Die Gleichheit aller Menschen wird propagiert, wobei es unter Gleichen immer noch Gleichere zu geben scheint. 

Wenn ich in meinem Alter noch das Glück habe voll schaffen gehen zu können, habe ich nicht das Glück den Ertrag für mich behalten zu dürfen, sondern gebe mehr als 50% in Form von Steuern und anderen Abgaben für die Verwendung der Allgemeinheit ab. Während Andere, Jüngere, Gesündere sich noch dreimal im Bett umdrehen, wenn ich arbeiten gehe. Nicht nur, dass ich u.a. auch Menschen alimentieren muss, die nicht arbeiten wollen. Sondern ich muss als Steuerzahler auch den Steueranteil derjenigen mit erwirtschaften, die sich generell vor Steuern drücken. 
Das nur am Rande.

Zeit meines Lebens habe ich gearbeitet, nicht einen einzigen Tag habe ich irgendwelche Transferleistungen bezogen. 

Durch meine Eltern war mir schon als Schulkind eingeimpft worden: „Du musst arbeiten gehen.“ Arbeit wurde zum Sinn des Lebens erklärt, was sie ja wohl auch zumindest partiell ist.
Diesen Satz hatte / habe ich so verinnerlicht, dass ich wirklich heute noch ein „schlechtes Gewissen“ habe, wenn ich nicht jeden Morgen arbeiten gehe.

Überwiegend arbeite ich jetzt im Nachtdienst, trotzdem erschiene es mir „unanständig“ mich morgens hinzulegen und den ganzen Tag über „nichts“ zu tun. Also beschäftige ich mich auch tagsüber irgendwie, es ist ja immer „irgendetwas“ zu tun, notfalls bestätige ich mir die Sinnhaftigkeit meines Tuns selbst.

Wenn ich zurücksehe, war Arbeit der mit Abstand größte Teil meines Lebens. Hinter der Arbeit habe ich viele andere Dinge vergessen, stiefmütterlich behandelt, habe mich versteckt, wenn es mal irgendwie problematisch wurde.

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich war / ich bin Untertan meiner Arbeit.

Mit zunehmendem Alter wird mir die Endlichkeit des Lebens von Tag zu Tag bewußter.

Viele Dinge, die ich unter der Maßgabe „später“ vor mir hergeschoben habe, werde ich wahrscheinlich nie mehr tun. Das ist einerseits schade, andererseits habe ich nicht das Gefühl Wesentliches versäumt zu haben, wenn ich etwa nie Urlaub in der DomRep gemacht habe.
Eine gewisse Veränderung merke ich allerdings in mir. Mit der Akzeptanz der Endlichkeit des Lebens verliere ich langsam, Schrittchen für Schrittchen, das Gefühl Untertan meiner Arbeit zu sein. Vielleicht lerne ich es sogar, die verbleibende Zeit zu nutzen.

Ein an sich gutes Gefühl! Vielleicht schaffe ich ja sogar, es zu genießen, mal sehen. Es wird auf jeden Fall ein schweres Stück Arbeit werden.

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