Tag 13 des Corona-Notstandes …

Die Sendung der Ahnungslosen

Gestern Abend bei Anne Will hätte die Sendung einen neuen Titel verdient gehabt: „Die Sendung der Ahnungslosen“ oder im positiveren Ausdruck „Die Sendung der sich ahnungslos Gebenden“.

Faszinierend, das Herumgeeier nahm zum Teil direkt lustige Formen an, sodass der, der vielleicht schon 1 -2 Biere oder die, die vielleicht schon 2 – 3 Glas Rotwein zum Tatort getrunken hatten, das Gefühl bekommen konnten: Die haben es im Griff. es ist nichts als ein wackerer Spass.

Sie haben nichts im Griff.

*

Bei heute strahlendem Sonnenschein steht der Ausbruch unseres Teil der Pandemie unmittelbar bevor und wir sind nicht vorbereitet.

Zugegeben, einiges ist passiert. Die Kliniken haben sich regional eingerichtet, ich höre etwa von einer großen Thüringer Klinik, dass sie „halb leer steht“ und die Flure mit ‚2 – 3‘ Corona-Patienten gefüllt sind. Alles was verschiebbar ist, wird geschoben, es kommen – zum Glück – noch keine C-Patienten in beängstigender Zahl.

Das sie kommen werden, ist sicher wie das Amen in der Kirche, aber wir „beten“, dass es nicht so bald passiert, denn wenn es heute oder morgen wäre, würden wir unweigerlich einen Großteils unseres Personals verlieren.

Das Problem: Es gibt, rund ein Vierteljahr nach Ausbruch der Pandemie, keine Schutzkleidung, um uns und unsere Mitarbeiter auch nur für wenige Tage hinreichend zu schützen!

Und dabei hat unsere Regierung schon vor Wochen vollmundig und mit in die Kamera strahlenden Gesichtern verkündet, wie gut wir für Corona aufgestellt wären. Es war eine Lüge! Oder wenn man es positiver ausdrücken will, eine Falschaussage aus Dummheit. Beides gereicht den Verantwortlichen nicht zur Ehre.

Es erreicht die Grenzen des Irrsinns, wenn Minister Altmaier gestern verlangt, dass die Kliniken und Praxen sich doch „an Gewerbetreibende im Umfeld wenden sollen, um sich Masken und Schutzmaterial nähen zu lassen“.

Wir leben in einem der reichsten und technisiertesten Länder der Welt und haben eine Regierung, die bei ihrer ersten(!) wirklichen Feuerprobe jämmerlich versagt.

*

Heute morgen auf meinen sonstigen Leib- und Magensender HR 1 ein Gespräch zwischen zwei Moderatoren. Thema u.a. Schutzkleidung. Der sich als „Fachmann“ gebende Moderator verkündete froh gelaunt, dass wäre eben Marktwirtschaft, wenn es jetzt Spekulanten gäbe, die die wenigen greifbaren Masken statt für rund rund 50 Cent, nunmehr für > 13 Euro anbieten.

Und für diese, ich nenne sie Verbrecher, sollen wir unsere Gesundheit und vielleicht sogar unser Leben zum Markte tragen? NEIN.

Ich verlange, dass der Gesetzgeber hier genauso schnell und konsequent handelt, wie etwa bei seiner Gesetzgebung zur „Einschränkung der Hassrede im Netz“, der quasi heimlichen Erhöhung der ÖR-Zwangsabgabe und was weiss ich noch alles, was an ‚bahnbrechenden‘ Maßnahmen in den letzten Jahren auf den Weg gebracht wurde.

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Ich bin mir sicher, wir im Gesundheitssystem werden irgendwie mit dem Ansturm fertig werden, genauso wie der Busfahrer, die Verkäuferin, der Polizist, der Feuerwehrmann – wir sind systemrelevant. Die Regierung ist es offenbar nicht.

Aber, ich bin mir sicher, ’nach Corona‘ wird der Erfolg erfahrungsgemäß viele Väter haben und dann werden die, die jetzt schmählich abtauchen, ihren Nischel ganz schnell strahlend in die Kameras halten. Wir, die wir die Last tragen, werden dann allerdings nicht zu den Strahlemännern und – frauen gehören, die wenigen dafür vorgesehenen Stellen sind schon jetzt besetzt.

Wetten dass ….?

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3 Kommentare zu „Tag 13 des Corona-Notstandes …

  1. So viel Alkohol könnte selbst ich nicht vertragen um diesen Figuren etwas zu glauben. Das Geschwätz mit den Industriekontakten oder Produktionsumstellungen war reif für eine Karnevalssitzung. Als Erkenntnis habe ich mitgenommen, dass ich einen 3 D Drucker kaufen soll um meine eigenen Schutzmasken herstellen zu können.. Wenn sie doch bloß geschwiegen hätten – diese Leute vom Fach..

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    1. Ich schaue mir so etwas schon gar nicht mehr an. Das Vertrauen habe ich eh schon lange an den Nagel gehängt. Die lügen sowieso. Jetzt einfach nur noch ein bisschen mehr.

      Doch mal ganz ehrlich. Was wäre, wenn „sie“ sagen würden:

      „Wir haben einen Fehler gemacht. Wir haben uns geirrt. Wir können das Ganze nicht mehr in den Griff bekommen. Das Gesundheitssystem wird wahrscheinlich zusammenbrechen. Viele werden sterben, weil wir nicht vorgesorgt haben. Wir sind unserem Regierungsauftrag nicht nachgekommen…“

      Gut, sie müssten abdanken. Das wäre das eine. Doch wie wäre die Reaktion der Bevölkerung? Anarchie?

      Heute Morgen las mein Mann, dass Bayern irgendwo eine Million Schutzmasken bestellt hat. Der Amerikaner hielt sofort dagegen: „Ich nehme die Schutzmasken und bezahle den doppelten Preis!“

      Da wären wir gleich beim nächsten Thema: Globalisierung. Digitalisierung.

      Nicht jeder Fortschritt, den der Mensch so fabriziert, ist wirklich dienlich und positiv, auch wenn es zunächst so scheint…

      Herzlichst,
      das Licht

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      1. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man als „Chef“ einen Fehler zugibt und dann die Anderen bittet ihr Wissen und ihre Fähigkeiten mit einzubringen, dann werden die Probleme nicht unbedingt angenehmer, aber sie lassen sich gemeinsam leichter lösen. Und, ein Fan grenzenloser Globalisierung war ich noch nie, das bedarf einer anderen Struktur der Gesellschaft. So hilft sie nur den internationalen Konzernen und den großen Banken. Lg. R.

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