Alles gesichert oder was … ?

Zu Zeiten Corona

Julia Klöckner wird nicht müde zu betonen: „Die Versorgung ist gesichert…“.

Mein Test, Montag, gegen 10.00 in einer thüringischen Kleinstadt.

Ein NORMA mit großem Parkplatz, welcher gut gefüllt ist, aber vor allem deshalb, weil sogar die Autos schon Abstand untereinander nehmen. Da wo sich sonst 4 Autos quetschen, stehen jetzt maximal 2, kein Auto will Corona bekommen.

Um den Unterstand mit den Einkaufswagen herum ein ziemliches Gewusel, es kostet Zeit unmittelbar dort die Gummihandschuhe anzuziehen, sich gegenseitig den Mundschutz anzulegen und dann erst gründlich den Griff zu desinfizieren. Erstaunlich wie viele Menschen den notwendigen Einkauf zum Familienausflug, gern auch mit Kindern und Enkeln, nutzen.

Im Markt dichtes Gedränge um die reichlich gefüllten Tische mit den „Sonderangeboten“, jeder greift gern mal zu, Jogginghosen werden genauso anprobiert wie Plastiklatschen für den Garten. Da man nicht weiss, ob man morgen überhaupt noch lebt, werden sogar die Billigschuhe für < 20€ ausgiebig getestet. Wenn schon sonst nichts los ist, soll wenigstens NORMA zum unvergesslichen Event werden.

Leute, wir leben im ländlichen Bereich, wir sind mit Raum und angenehmen Separierungsmöglichkeiten tausendmal besser dran als jeder Städter und Ihr Dussel drängelt Euch beim NORMA, irre.

*

Julia Klöckner sagt: „Die Versorgung ist gesichert“. Im Prinzip hat sie recht, die Dinge die reichlicher vorhanden sind, sind allerdings die hochpreisigen Waren.

Beispiel Butter: Mich juckt es nicht, wenn ich für ein Stück Butter 2,40 € bezahle. Für die alleinerziehende Mutter und die Rentner mit Minirente ist es sicher ein Desaster wenn sie statt bisher 1,30 € jetzt 2,40 € bezahlen müssen. Das gilt übrigens quer durch die Regale genauso für andere Artikel des wirklichen täglichen Bedarfs. Wer gezielt kauft, kauft teuer.

Es ist die Frage, wer verdient da schon wieder am Elend der anderen?

*

Des gemeinen Deutschen Lieblingsthema: Klopapier!

Kein einziges Blatt liegt im Regal, nicht mal der kleinste Schnipsel, weder mit noch ohne Geschmack. Keine Küchenrolle, kein Papiertaschentuch findet sich als Ersatz. Oma Anna selig hatte recht: „Geschissen wird immer.“ Die Ecke mit den Seifen, denen im Papier und denen in der Flasche, ist nicht ganz leer, aber immerhin sehr, sehr übersichtlich.

*

Schnaps, Sekt und Wein in allen Variabilitäten und allen Preisklassen. Da findet sich keine einzige Lücke im ellenlangen Regal. Das kenne ich noch aus den letzten Tagen der verblichenen DDR, wenn es nichts mehr gab, aber Alkohol immer. Sollte es schon wieder soweit sein? An der Kasse gibt es Zigaretten und Kondome, für Abwechslung ist gesorgt.

*

Die Kassiererin ist hinreichend durch Acryl geschützt, zum Glück. Lange wird das wacklige, provisorische Konstrukt sicher nicht halten, heute zumindest ist es besser als nichts. Zur Auflockerung frage ich nach Klopapier, sie beugt sich hinter ihrer Scheibe hervor und murmelt verschwörerisch: „Doktor, ich hebe Ihnen bei der nächsten Lieferung etwas auf.“

Auch das kenne ich aus früheren Zeiten, „Eine Hand wäscht die andere“. sogar ohne Seife.

*

Draussen in der Sonne trifft man sich dann wieder zum ausgiebigen Plausch, pfeif auf Abstand es windet ein ganz klein wenig. Und Rentner mit Pappbechern mit ihrem Kaffee sieht man sonst auch eher nicht, da wird sogar der Mundschutz nach unten geschoben..

*

8 Kommentare zu „Alles gesichert oder was … ?

  1. Ich schrieb es schon unter einen anderen Beitrag, nur ein wenig anders formuliert.

    Was wäre, wenn die Politiker, Moderatoren, Reporter, Journalisten und dergleichen sagen, schreiben und verkünden würden:

    „Die Versorgung ist n-i-c-h-t mehr gesichert!“

    Anarchie? Mord? Totschlag? Raub? Einbruch? Überfälle?

    Die k-ö-n-n-e-n nichts anderes mitteilen! Egal ob es stimmt oder ob es nicht stimmt.

    Also könnte man doch durchaus sagen: deckt euch mit Klopapier ein und wartet mit dem Kauf nicht, bis ihr die letzten beiden Rollen in Angriff nehmt. Genauso ist es mit Mehl, Seife und anderen. Die andere Wahl kann dazu führen, das man nichts vorrätig hat, wenn man es braucht. Man sollte aktuell einfach ein wenig vorsorgen, mehr nicht. Sonst steht man doch mit leeren Händen da.

    Dann fällt mir noch etwas dazu ein:

    Die Menschen hören diese Versprechen, gehen einkaufen und erleben: Nichts ist gesichert.
    Es gibt kein Klopapier, es gibt kein Mehl, viele Regale sind ausgedünnt oder ganz leer. Selbst wenn sie in andere Geschäfte gehen oder ein paar Tage später kommen, die Regale bleiben leer.
    Dann hört man von denen, die aus dieser Krise Kapital schlagen wollen und die Preise für die begehrten Produkte massiv erhöhen. Wer will also freiwillig so lange warten, bis er für die Waren das doppelte und mehr zahlen muss? Bei einigen Artikeln ist es ja schon massiv angestiegen.

    Da kommen natürlich – durchaus berechtigte – Zweifel auf. Das Vertrauen sinkt, auch wenn die Medien uns vorgaukeln, es sei gestiegen – zumindest wird es behauptet. Was kann man heute noch wirklich glauben? Wem vertrauen?

    So sichert man sich, was man kriegen kann. Bei unserem Schlachter im Gut – auf dem Biohof – stehen auf der Tafel nicht mehr die Sonderangebote. Da steht jetzt: „Ruhig bleiben!“
    Man wollte uns nicht genau erzählen, was zu diesen beiden Worten geführt hat, aber es soll ganz schlimm gewesen sein.
    Und auch im Gut, womit ich gar nicht rechnen wollte, sind die Regale, wo normalerweise die Mehlsorten standen, wie leergefegt und frische Hefe wird aktuell nicht mehr geliefert.

    Was also sollen wir von dem Satz: „Die Versorgung ist gesichert!“ halten?

    Ich würde sagen, genauso viel, wie von dem berühmten Satz von Blüm: „Die Renten sind sicher.“ Die sollen ja jetzt auch noch weiter gesenkt und immer später ausgezahlt werden.

    Trotz des nicht so schönen Themas. Dir und allen Lesern einen zauberhaften Tag.

    Herzlichst,
    das Licht

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  2. Ja, die Lage ist schlimm, wobei wir immer noch von einem sehr hohen Niveau kommen.

    Aber auch hier gilt, Probleme löst man mit gegenseitigem Vertrauen, dann sind die Menschen zu Vielem fähig. Zerstört man aber das Vertrauen in die „Führung“, wie die national auch immer heisst, dann kommt es irgendwann zu Anarchie.

    Unser Problem in Deutschland ist, dass man uns – trotz unserer materiellen Vorzüge – in den vergangenen Jahren schon ohne Not viel zugemutet, was bei vielen Menschen noch irgendwo im Hinterkopf gespeichert ist und wie ich fürchte, sich irgendwann in der Summe Bahn bricht. Vielfach handelt es sich bei den still Frustrierten um die Leistungsträger der Gesellschaft. Lg. R.

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  3. Rainer, wie oft habe ich schon so gedacht, wir nähern uns DDR-Versorgungsverhältnissen. Da sind wir ja echt im Vorteil, aber ich hätte drauf verzichten können.
    DU: „… weil sogar die Autos schon Abstand untereinander nehmen. “ Hier bei mir kann ich das besonders gut auf der Straße beobachten, aber auch schon ewig vor Corona. Unsere Parkplätze sind mit Markierungen, das klappt. Aber auf der Straße denke ich sehr oft, dass die Leute ihren Führerschein = Fahrerlaubnis in der Lotterie gewonnen haben müssen, weil jeder vor und hinter sich mindestens 1,5 bis 2 m Abstand braucht, er müsste ja sonst eventuell ein- oder zweimal rangieren.
    Hätte meine Oma so etwas wie deine Oma Anna gesagt, wäre vielleicht rausgekommen: „Der Mensch denkt nur so weit wie ein Schwein sch…..“
    Mit Gruß von mir

    Gefällt 1 Person

      1. Noch in anderer Beziehung denke ich, wir nähern uns DDR Verhältnissen an. Berlin hat mehr als die anderen. Hier bei mir gibt es nur den Engpass Toilettenpapier und Papierrollen, alles andere ist da . Butter für 135 und Flüssigseife und Papiertaschentücher und und und

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