Tag 12 des Corona-Notstandes

Sonntag …

Es ist Sonntag, obwohl ich das Glück habe die Eintönigkeit der Wochen durch meine Arbeit unterbrechen zu können, geht sozial die Wochenstruktur so langsam verloren. Der Sonntag scheint sich von den Wochentagen nur noch darin zu unterscheiden, dass die Geschäfte geschlossen sind, keine Zeitung im Briefkasten steckt und das Fernsehprogramm noch eintöniger als bereits unter der Woche ist. Ich merke, dass die interessantes Änderungen von Tag zu Tag das Wetter, sowie die Anzahl und die Arten der Wildvögel auf der Terrasse sind.

*

Ich bin wegen meines Tomaten-„Fimmels“ gefragt worden.

Manchmal geht das Leben seltsame Wege. Es ist der Geruch der Tomaten, der mich schon als Kind fasziniert hat. Damals gab es die ganz einfachen, klassischen Sorten, die man möglichst selbst zog, da man sie nicht einfach und schon gar nicht jederzeit kaufen konnte. Dann kam die Zeit des Überflusses, man konnte die Dinger praktisch rund ums Jahr in jedem Geschäft finden, zu Spottpreisen und kaum noch jemand machte sich die Mühe sie selbst zu ziehen. Die eigene Zucht macht sehr viel Arbeit und der Supermarktpreis steht in keiner Relation zu den eigenen aufgewendeten Arbeitsstunden. Ich vermute mal, wenn ich meine Stunden gegen rechnen würde, kämen die Tomaten wahrscheinlich in die Nähe des Preises von erstklassigem Kaviar.

Vor vielen Jahren habe ich meinen Geschmack verloren, dafür hat sich mein Geruch exzessiv verschärft. In puncto Geruch bin ich wie ein ‚Trüffelschwein‘, ich glaube ich rieche alles, vor allem das, was ich nicht riechen soll.

Und dann fiel mir auf, dass unsere wunderbaren Tomaten nach EU-Standard praktisch ohne Aroma daherkommen. Das war der Start meiner eigenen Tomatenzucht. Ich besorge mir regelmäßig Samen v.a. aus extremen Klimazonen und die ‚alten Sorten‘ halte und reproduziere ich mir selbst.

Wenn dann im Sommer meine Tomaten frisch auf den Tisch kommen, füllt ihr Aroma den ganzen Raum, ohne dass sie schon aufgeschnitten sind. Wie in meiner Kindheit. Und es freut mich, dass es meine Arbeit ist.

Ist die Frage damit beantwortet?

*

Ich wünsche Euch allen einen geruhsamen Tag und falls Ihr auch die Orientierung etwas verliert, heute ist schon wieder Sonntag.

5 Kommentare zu „Tag 12 des Corona-Notstandes

  1. Hm, ja. Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

    Es interessierte mich einfach. Ich finde es übrigens schön, wenn man ein Hobby hat und diesem mit Hingabe nachgeht. Das ist, als würde man sinnlich sein. Sinnlich, weil man ganz und gar dabe ist. Mir fehlen gerade die Worte.
    Und wenn ich lese, wenn Du Dich um Deine Tomaten kümmerst (nicht so ein Kümmern…), dann habe ich das Gefühl, dass Du mit Hingabe und Sinnlichkeit diesem Beschäftigungen nachgehst.

    Was bedeute für mich Sinnlichkeit? Ganz einfach:

    Man tut etwas mit seinen Sinnen – auch wenn ein Sinn vielleicht nicht mehr funktioniert …

    Sinne: Schmecken, Riechen, Hören, Fühlen, Spüren, Tasten, Sehen …

    Ich danke Dir, für Deine ausführliche und bildhafte Darstellung.

    Herzlichst,
    das Licht

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  2. Ich habe ein einziges Mal welche auf dem Balkon gezogen – bar jeder Ahnung. Immer schön ausgegeizt – heißt doch wohl so. Und ich habe sie beim Essen noch mehr geliebt als am Strauch. Aber sie waren rot – nicht schwarz oder weiß.
    Lieben Gruß

    Gefällt 1 Person

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