Tag 1 des Corona-„Notstandes“

Es ist, wie es ist

Eigentlich sind viele Menschen in den letzten Tagen wie aufgescheuchte Hühner, die merken, dass Reinecke Fuchs am Zaun lauert.

Jede Nachrichtensendung wird mitgenommen, alle „Informationen“ werden hoch und runter diskutiert. „Sogar die Virologen streiten sich, woher sollen wir dann wissen, was richtig ist?“ Pure Empörung, gespannte Erwartung allerorten. Gepaart mit einer gewissen Sensationsgier werden die veröffentlichten Infektionszahlen hergebetet, die Zahl der Toten ‚genüsslich‘ reflektiert, man ist ja nicht dabei.

Die Nachbarschaft blickt irritiert, als ich mich mit solchen banalen Dingen wie Gartenarbeit beschäftige und mich nicht an aufgebrachten Diskussionen beteiligen will, dass „doch nur die Hundefresser da in China“ an den ganzen störenden Geräuschen in unserer ach so heilen Welt schuld seien. Blöde Diskussionen, aber wohl nicht zu ändern. Die Frage ist, soll man dagegen halten oder es einfach ignorieren? Ich entscheide mich für letztere Option, in solchen Situation kann man die Menschen sowieso nicht umstimmen, sie wollen auch nicht umgestimmt werden, sondern nur in ihrer negativen Meinung bestätigt. Es ist ein bekannter und beliebter Kompensationsmechanismus, die anderen für das eigene Elend, in dem Fall die eigene Angst verantwortlich zu machen. Und warum sollte ich mich als Projektionswand ihrer Ängste aufdrängeln? So leidens-„geil“ bin selbst ich nicht mehr.

Heute morgen – nach dem Nachtdienst – bietet sich nun ein erschütterndes Bild.

Es geht einfach die Sonne auf, einfach so, keine Aufregung allerorten, keine Polizei, kein Sirenengeheul auf den Strassen. Scheinbar beginnt ein Tag wie jeder andere auch, ich habe das Gefühl einige der Menschen denen ich begegne sind schlichtweg enttäuscht.

„Nichts los,“ ist der Kommentar der Bäckersfrau, als ich wie immer meine gewohnte Zahl frischer Semmeln hole. Sie blickt mich gespannt an, so als müsste ich „von Amts wegen“ mehr wissen als sie. Sie scheint enttäuscht, als ich ihr ‚weiterhin einen guten Tag‘ wünsche, mit ein klein bisschen schlechtem Gewissen, da ich weiss, dass sie schon knapp 2 Stunden gearbeitet hat, bevor sie 7.00 Uhr ihren Stand öffnet.

Auf der Straße ist es dann doch ‚etwas anders‘ als sonst.

Wenn man seit Jahren täglich und fast passgenau zur gleichen Zeit die gleiche Strecke fährt, kennt man auf einer Straße der L-Kategorie mindestens jedes zweite entgegenkommende Auto, ja gelegentlich sogar die Reihenfolge. Nicht wenige grüßen sich gegenseitig, ohne, dass sie sich persönlich kennen, angenehme Kontakte durch die Scheiben unserer Autos. So begegnet mir jeden Morgen ein junger Mann in einem laut röhrenden weißen Ford Mustang und dahinter kommt – als Konterpart – eine Kollegin in einem kleinen Lancia Ypsilon, von der ich weiss, dass sie gerade ihr Kind im Nachbarort in der Kindereinrichtung abgegeben hat. Heute morgen kommt der Mustang, ich warte auf den Lancia, er kommt nicht. Ich bin irritiert, bis mir einfällt, dass die Kita’s ja ab heute geschlossen sind. Die Kollegin muss ihren Tag neu organisieren, für manche ist der Tag eben doch anders.

Überhaupt, es ist deutlich weniger Verkehr als sonst morgens gegen 8.00 Uhr an einem Werktag, geschätzt weniger oder um die Hälfte des üblichen Aufkommens. Und, die Leute fahren auffällig weniger aggressiv als gewohnt.

Wenn das ein Effekt von Corona ist, so kann er noch eine Weile bleiben. 😀

Ich wünsche Euch allen einen coronafreien Tag, ich gehe jetzt in meinen Garten.

Es ist und bleibt sowieso wie es ist.

7 Kommentare zu „Tag 1 des Corona-„Notstandes“

  1. Hallo Rainer, wenn es dazu beiträgt, dass alle etwas freundlicher miteinander umgehen, klasse! Ich bin gespannt auf die Fortsetzung 🙂 Liebe Grüße in den Garten, Annette

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  2. Du: „So leidens-„geil“ bin selbst ich nicht mehr. “ Ich habe ein sehr dummes Exemplar der Gattung Mensch bei mir in der Nähe wohnen, der immer alles besser weiß, aber fast alles ist falsch, was er weiß. Den wollte ich anfangs auch bekehren, aufklären und sonstwas – das habe ich aufgegeben – und wir leben beide ruhiger.

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  3. Dass es deutlich leerer auf den Straßen ist, gefällt mir persönlich auch sehr gut. Es ist so viel ruhiger und angenehmer. Endlich mal kaum Menschen, die mit ihrer bloßen Anwesenheit nerven/stressen.

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