Alles Wende oder was … ?

Landwirtschaft, ick hör‘ dir ändern

Die letzten Jahre unter Merkel werden dereinst in die Geschichtsbücher eingehen, als die Jahre der unvorbereiteten und überflüssigen ‚Wenden‘.

Wenn Oma Anna selig früher in den Jahren nach dem Krieg beispielsweise ein Kleidungsstück „wendete“, bedeutete das: Sie sah sich ein altes, nicht unbedingt notwendiges Kleidungsstück an, etwa einen grünen Lodenmantel meines Großvaters. Dann überlegte sie, was man damit noch anfangen könnte. Im zweiten Schritt wurde das Stück an den Nähten ganz vorsichtig aufgetrennt, damit sie den kostbaren Stoff nicht beschädigte. Zusammen mit meiner Mutter wurde dann jedes einzelne Teilstück vermessen und überlegt, was damit noch anzufangen wäre.

In diesem Fall wurde der Stoff gewendet, d.h. was vorher drin war wurde die neue Aussenseite, sorgfältig wurden die neuen Teile mit Kreide aufgezeichnet und ausgeschnitten, dabei wurde kein Zentimeter Stoff verschenkt, denn der Stoff war kostbar und Oma Anna pflegte zu sagen, „Alles was Arbeit gemacht hat, muss man achten.“ Die Stoffreste übrigens, und waren sie noch so klein, wurden nicht entsorgt, sondern zusammengerollt, es wurde wieder mit einem Reststreifen Stoff zusammen gebunden und dann das als Paket eingelagert. Vielleicht könnte man es ja noch einmal brauchen?

Meine Mutter nähte dann daraus einen Wintermantel für mich, und da der noch brauchbare Stoff nicht reichte, wurden schlichtweg Teile aus anderem Stoff eingesetzt. Das Ergebnis war grasgrün mit Flecken, sah durch das zusammengewürfelte Material etwas putzig aus, was mir den Spott meiner Mitschüler einbrachte, aber ich steckte durch den dicken Stoff sehr warm.

Was ich sagen will: Bevor etwas „gewendet“ wurde, wurde in Ruhe überlegt, nichts ‚übers Knie gebrochen‘, eine Analyse wurde vorgenommen, dann ein Projekt erstellt und erst dann ging es an die Umsetzung. Ohne Überlegung weggeworfen wurde praktisch nichts, was in irgendeiner Form noch von Nutzen sein konnte.

Ganz anders geht Frau Merkel vor, nehmen wir die Energiewende. Sie entscheidet nach Lust und Laune. Sie verlängert zuerst die Laufzeit der Atomkraftwerke, um sie wenig später – ohne nachvollziehbaren Grund – befehlsmäßig und ohne dass sie verschlissen oder technisch überholt waren, vom Netz nehmen zu lassen. Die sichere und stabile Energiequelle – die Basis unserer Wirtschaft – wird durch das sehr vulnerable System der „erneuerbaren“ Energien“ teilweise kompensiert. Die Hersteller von Windradeln und Solarenergiesystemen jubeln, zu Recht.

Oder die Verkehrswende: Ohne dass die technischen Möglichkeiten der „Verbrenner“ auch nur halbwegs ausgereizt sind, werden sie befehlsmäßig zum Gottseibeiuns erklärt und durch Technologien „ersetzt“, die weit davon entfernt sind alltagstauglich in einem hochentwickelten und feingliedrigem Staatsgebilde zu sein. Die klassische Autoindustrie als wirtschaftliches Hauptstandbein unseres Industrielandes und der Gesellschaft wird, ohne Not und ohne eine alltagstaugliche Alternative bereit zu haben, amputiert. Vielleicht wäre es ein analoges Beispiel gesunde Füße zu amputieren, weil dem Träger gute Schuhe zu teuer sind?

Das aktuellste Hobby ist die Agrarwende.

Neuerdings wird wieder verstärkt von „guter“ und „konventioneller“ Landwirtschaft schwadroniert, ‚Bio‘ wird automatisch für „gut“ erklärt ,konventionelle“ Landwirtschaft als schiere Ausgeburt der Hölle deklariert.

Ich bin sehr dafür, und so lebe ich vor allem auch, die Umwelt wo es nur geht zu schonen, wobei ich im Inneren immer wieder davon fasziniert bin, welch unerhörtes Regenerationspotential die Natur hat.

Ich bin dafür unsere Landwirtschaft nicht weiter auf Teufel komm raus zu optimieren, sondern bei der Produktion Flora und Fauna stärker zu berücksichtigen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es in unserer Gesellschaft nicht wenige täglich Schaffende gibt, die jeden Monat mit jedem Pfennig rechnen müssen und die nicht die ganzen „grünen Regulierungsideen“ mit Preissteigerungen, Abgaben für Fleisch oder Bienen usw. usw. locker-flockig „aus der Portokasse“ bedienen können. Diese Menschen und vor allem ihre Kinder haben genauso ein Recht auf adäquate Ernährung, wie der alleinstehende, kinderlose Hipster bar jeder persönlichen Verantwortung in Berlin-Mitte.

Ich bin dafür, etwa Glyphosat vom Markt zu nehmen, ich habe bei dem Zeugs kein gutes Empfindenl. Gefühlsmäßig gehe ich davon aus, dass es für die Natur, wie ich jedes Jahr jenseits meines Grundstückszaunes sehe, nicht gut sein kann, wenn alles tot gespritzt wird. Wenn ich diese Abneigung allerdings mit einem nachweisbaren gesundheitlichen Schaden für Mensch und Tier begründen sollte, ich könnte es nicht. Die verfügbaren Daten zumindest geben eine solche Interpretation – ehrlicherweise – nicht her.

Und, ein weiterer Aspekt: Es wird geschwärmt von ‚bio‘, ‚regional‘ und ’saisonal‘. Ich bin generell dafür regionale und saisonale Produkte zu nutzen. Ich kenne es aus meiner Kindheit, es hat uns nicht geschadet und es gibt dutzende gute Gründe dafür. Für ‚Bio‘ allerdings steht außer dem „täglichen Wohlfühleffekt“ des edlen Bioessers der fassbaren Nachweis hinsichtlich eines gesundheitlichen Nutzens aus. Etwa, wie gestern im Supermarkt gesehen, im Februar die Verfügbarkeit von „Bio-Erdbeeren“ aus Marokko, sprich Westsahara, praktisch als „Menschenrecht“ zu betrachten, ist eine Perversion des Gedankens.

Aber rationale Argumente gelten nicht, also wird alles daran gesetzt, durch eine in meinen Augen falsche Subventionierungspolitik die Konventionelle Landwirtschaft zu schleifen und die Grünen, speziell Anton Hofreiter, schwingen dazu in einer wilden „bio-romantischen Orgie“ den alles plattmachenden Taktstock.

Landwirtschaft , ick hör‘ Dir verändern. Eigentlich höre ich, wie Du ohne Not verändert wirst.

Wenn man sich immerzu dreht und wendet, kommt im positiven Fall ein Tanz heraus. Hoffen wir, dass es kein Totentanz für unsere Wirtschaft wird.

6 Kommentare zu „Alles Wende oder was … ?

  1. Da müssen jetzt aber auch noch die Cargo Flieger subventioniert werden. Und die eingeflogenen Produkte bietet man dann werbewirksam und mit kleinem Aufpreis als „Kerosin Bio“ an. Bei uns werden doch eh‘ die Äcker zu Solarparks umgewandelt und Hofreiter bekommt, passend zu seinem Outfit, für seine Verdienste einen Sonnenhut☀️☀️

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      1. Das find‘ ich so affig: 3-cm-Rasen, 60-cm-Tuja-Hecke, keine Blumen aber Insektenhotel aus dem Gartenmarkt. Dazu 2-Tonne-SUV und zwei mal die Woche in den Bio-Markt zum Einkaufen fahren.

        Gefällt 1 Person

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