Ein Leben von 100 Jahren

Was mag eine hundertjährige Seniorin, sagen wir in Thüringen, in der Stadt Gera lebend, schon alles erlebt haben?

Bei 100 Lebensjahren muss sie um 1920 geboren sein. Das war die bewegte und gewaltbesetzte Zeit nach dem ersten Weltkrieg und nach der Revolution. Wir wissen nicht, ob sie in eine vermögende oder eine arme Familie hineingeboren wurde. Aber unabhängig davon hatten ihre Eltern bei weitem nicht die Zeit für sie, wie es heute bei unseren jungen Leuten der Fall war oder ist.

Es bestand schon Schulpflicht, also wird sie eine Bildung genossen haben, wir wissen nicht ob eine einfache oder eine höhere Form. Ostthüringen war und ist traditionell eine sozial schwächere Gegend, geprägt durch Industriezweige, beispielsweise die Textilindustrie, die keinen besonders hohen Lebensstandard ermöglichten. Ich vermute, dass sie wahrscheinlich primär keine Berufsausbildung absolvieren konnte.

Eher war für sie das „klassische Frauenbild“ vorgesehen: Heirat, Kinder Hausfrau.

Die Zeit des Nationalsozialismus, der II. Weltkrieg mit allen Schrecken, Verbrechen, der Zusammenbruch der staatlichen Ordnung in 1945. Wir wissen nicht, ob sie Opfer war, Täterin oder sich relativ unbeteiligt durchmogeln konnte. Wir wissen auch nicht, wie sie die Nachkriegszeit überstanden hat, war sie als junge Frau eines der vielen tausend weiblichen Opfer oder gelang es ihr die Zeit relativ unbeschadet zu überbrücken bis das normale Leben wieder Fahrt aufnahm.

Auf jeden Fall war es eine sehr schwere Zeit bis sich in 1949/50 die Dinge wieder halbwegs zu ordnen begannen.

Im Osten wohnend war es gewollt, dass Frauen eine Arbeit aufnahmen, nach 1950 wird sie auch ohne Ausbildung schnell eine Arbeitsstelle gefunden haben. Als Frau hatte sie in Ostdeutschland überdurchschnittliche Möglichkeiten eine Berufsausbildung nachzuholen. Die gesellschaftliche Regel war, dass Frauen voll arbeiteten, anfangs 50 Stunden von Montag bis Samstag, später 45 oder 42 Stunden von Montag bis Freitag. Schichtarbeit für Frauen war keine Ausnahme.

Da sie jetzt 100 Jahre alt ist, können wir davon ausgehen, dass sie überdurchschnittlich gesund und auch leistungsfähig gewesen ist, damit haben ihr einige Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten offen gestanden. Wir gehen davon aus, dass sie ihre Chancen genutzt hat und ein durch und durch produktives Leben führen konnte.

Gegen 1980 ist sie mit 60 Jahren in den Rentenstand eingetreten. Viele Frauen waren durch die durchgängige Mehrfachbelastung: Arbeit, Haushalt, Kinder mit 60 „reif für die Rente“. Die Rente mit 60 war somit kein Geschenk des Staates, sondern objektive Notwendigkeit.

Da sie von einem ambulanten Pflegedienst betreut wird, können wir davon ausgehen, dass sie auch jetzt, mit 100 Jahren zum Glück noch in der Lage ist sich zumindest teilweise selbst zu versorgen.

Sie hat ein normales Leben geführt, geprägt von Gräueln zweier Kriege, von Entbehrungen und wir hoffen, dass sie es zumindest nach dem II. Krieg weitgehend selbstbestimmt tun konnte.

Diese Frau wird in Gera von einem ambulanten Pflegedienst betreut.

Ein 18jähriger männlicher Pflegehelfer ist ihr zugeteilt, der ihr u.a. bei der Körperpflege hilft.

Es ist einem „normalen“ Menschen kaum vorstellbar, dass er die Gelegenheit nutzt, und die Seniorin nach einem Bad, bei dem er ihr assistiert, brutal vergewaltigt.

Ich halte jegliche Form sexueller Übergriffigkeit für pervers und kriminell, besonderen Abscheu verspüre ich, wenn es Kinder und Senioren betrifft.

Der junge Mann, jetzt 19, wurde aktuell von einem Richter „zur Rechenschaft“ gezogen.

Ein Richter „Gnadenlos“, verurteilte den Täter zu einer unglaublich harten Jugendstrafe selbstverständlich auf Bewährung. Als Bewährungsauflage hat er 101 Sozialstunden zu leisten, für jedes Lebensjahr des Opfers eine Stunde. Des weiteren muss er einen Aufsatz schreiben, Thema: „Die sexuelle Selbstbestimmung der Frau.“

Der Richter ist übrigens ein früherer Stadtrat der Grünen. In den Medien ist nachzulesen, dass dieser Richter bisher eher durch harte Urteile gegen Senioren aufgefallen sein soll. So soll er u.a. einen alten Herrn wegen Schwarzfahrens zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt haben. Ich schreibe dies bewusst konjunktivisch, da ich diese Angabe nicht selbst verifizieren kann.

Ich sage es ganz offen mir ist, mit Verlaub, zum Speien.

Das Urteil zeigt, welchen Stellenwert Senioren in unserer Gesellschaft haben, nämlich keinen, wenn sie nicht dazu taugen ein Geschäftsmodell zu bedienen.

Selbst Vergewaltigungen werden mit einer Strafe belegt, die man bestenfalls als Witz bezeichnen kann.

PS: Nur die CO2-Bilanz, die soll für unbelehrbar fleischessende Senioren besonders schlecht sein.

9 Kommentare zu „Ein Leben von 100 Jahren

  1. simply green.. Da gib es keine Hemmungen. Sex mit Kindern hat ja Dany schon befürwortet und eine Ministerin ja für nicht verachtenswert betrachtet. Und die Jugend ist heutzutage, zumindest in bestimmten Kreisen, absolut, ausser jeder Kritik. Wer hat eigentlich angefangen mit „antiautoritaer“. Und was ist herausgekommen. Mich wundert da gar nichts mehr. Mit Sicheren sehe ich nicht mehr in jedem Richtet auch eine Respektsperson. Auch in deren Kreisen ist inzwischen Niveau Glücksache..

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  2. Meine Mutter war 1915 geboren und ist mit fast hundert Jahren 1913 gestorben. – Sie hat als Jugendliche bei ihrem Vater durchgesetzt, dass sie eine Ausbildung machen konnte. Vom ersten Weltkrieg hat sie wohl kaum etwas mitbekommen aber den zweiten hat sie in voller Härte erlebt. Zum Glück blieb ihr ein Ausbomben erspart – Ich hätte nicht mit ihr tauschen wollen.
    Aber ich hätte gern mit diesem Richter getauscht, denn dann hätte das Urteil anders gelautet. Der Bengel hätte für jedes Lebensjahr mindestens eine Woche Sozialarbeit gemacht, nicht einen Tag. Eher noch mehr.
    Aber angeblich soll es ja so sein, dass die Leute hinter Gittern eher schlimmer als besser werden, deswegen wäre strenge Sozialarbeit vielleicht sogar die gerechtere Lösung.

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    1. Ich kenne die Überlegungen dieses Richters nicht, aber ich halte das Urteil für eine absolute Respektlosigkeit gegenüber alten Menschen. Schon oft habe ich das Argument gehört, „vor deutschen Gerichten gilt eher Täter- den Opferschutz“. Beurteilen kann ich dies nicht, da habe ich viel zu wenig Einblick, aber dieses Urteil scheint das Vorurteil zumindest nicht zu widerlegen.

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      1. Ich habe mir jetzt gerade den Fall im Netz rausgesucht. Mit diesen Einzelheiten, wie du sie an führst, berichtet nur die Bild-Zeitung. Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, dass die Bild immer die Wahrheit spricht.
        Über das viel zu milde Urteil waren sich alle einig . Ich auch.

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      1. Focus: „Die lokale Presse berichtete betont sachlich, wenig später stieg eine Boulevardzeitung ein. Um das Drama juristisch, aber in gewisser Weise auch politisch einzuordnen, verwies die Zeitung auf ein früheres Urteil des zuständigen Richters aus Gera. Dieser hatte einmal einen „73-jährigen Schwarzfahrer ohne Bewährung hinter Gitter“ gebracht. Es folgte der Hinweis, dass der Richter „früherer Stadtrat der Grünen“ gewesen sei.“
        Die Berichterstattung verfehlte ihre Wirkung nicht. In den sozialen Netzwerken wird das Urteil bis heute tausendfach und meist wutentbrannt kommentiert, der Richter massiv angegriffen. Nach Informationen von FOCUS Online ging beim Amtsgericht Gera sogar eine Todesdrohung gegen den 56-jährigen, aus Bayern stammenden Juristen ein.
        Worum ging es in dem Prozess eigentlich und warum verhängte der Richter „nur“ eine Bewährungsstrafe? FOCUS Online nennt die Fakten.
        Du kannst den Rest bei Focus gern selbst lesen. – Der BILD kommt es reißerisch auf Verkauf an, nicht auf seriösen Journalismus. Deswegen würde ich diese Zeitung weder lesen noch kaufen noch zitieren.

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