Alles sozial oder was … ?

Der Segen der Globalisierung

Heute morgen lese ich, dass die japanischen Behörden in Yokohama ein Kreuzfahrtschiff mit 3700 Passagieren festgesetzt haben, weil bei einem Halt in Hongkong ein Passagier von Bord gegangen war, der sich im Nachhinein als Corona positiv herausstellte.

Der Verlauf der „Miniwelle“ in Bayern zeigt, wie wenig es braucht, damit ein virulenter Keim von Mensch zu Mensch weitergereicht wird.

Die aktuelle Corona-Welle verläuft zum Glück in der Schwere der Erkrankungen kaum anders als eine typische saisonale Grippe, sodass trotz einzelner eingeschleppter Fälle, nach wie vor kein Grund zur Panik besteht.

Allerdings zeigt sie einige Schwachstellen im Umgang mit Infektionserkrankungen auf.

  1. Auf Grund der weltweit bisher permanent steigenden Bevölkerungszahlen ist zukünftig nicht davon auszugehen, dass solche epidemischen Erkrankungen abnehmen werden, im Gegenteil. Der Ausbruch gerade in den chinesischen Megastätten zeigt: je höher die Bevölkerungsdichte, desto wahrscheinlicher wird ein Ausbruch und desto zügiger ist die lokale Verbreitungsgeschwindigkeit.
  2. In Bereichen mit hoher Bevölkerungsdichte ist ein lokaler Massenausbruch trotz rigoroser Maßnahmen nur schwer in den Griff zu bekommen. Der weitere Verlauf wird zeigen, ob „Maßnahmen“ überhaupt erfolgreich sein können oder ob sich die Infektion durch Steigerung des „Durchseuchungsgrades“ selbst „totlaufen“ muss. Da leider keine „unversorgte“ Vergleichsgruppe mitgeführt werden kann, wird die Frage wohl nicht endgültig zu entscheiden sein. Ich glaube, erst wenn genügend Menschen Kontakt mit dem Virus hatten und entsprechend Antikörper gebildet haben, wird die Infektionswelle abklingen. Bis zu diesem Zeitpunkt sind alle noch so martialischen „Abwehrmaßnahmen“ zwar interessant und vor allem publikumswirksam, im Endeffekt zumindest lokal aber eher Makulatur. Würden sich die Behörden auf die Behandlung der schwereren Verläufe und die „Einhausung“ des Virus auf das Ausbruchsgebiet, hier Wuhan, beschränken, wäre das Ergebnis wahrscheinlich ähnlich, was aber wiederum durch den „öffentlichen Druck“ selbst im zentralistischen China kaum realisierbar ist.
  3. Die Freizügigkeit im Reiseverkehr ist sicher ein Erfolg der Menschheit, andererseits ist sie in solchen Situationen eine Crux, ermöglicht sie doch eine nahezu unkontrollierbare Verbreitung des Mikroorganismus. Staatengebilde (EU) oder einzelne Staaten (Deutschland) ohne wirksame Grenzkontrollen sind, trotz aller Bekundungen des Ministers, in solchen Situation de facto schutzlos der potentiellen Einschleppung von außen ausgeliefert. Diese Gefahren waren zu Zeiten der Nationalstaaten mit funktionierenden Grenzregimes deutlich geringer. Einerseits bot das Grenzregime einen bestimmten Schutz, andererseits war das Selbstverständnis der Menschen ein ganz anderes. Niemand wäre auf die Idee gekommen, in „Seuchensituationen“ unbedingt Individualreisen in die betroffenen Gebiete oder um die Welt, Beispiel Kreuzfahrtschiff siehe oben, zu unternehmen. Dabei ist in China die Abriegelung einzelner Gebiete durch staatliche Eingriffe noch relativ gut zu lenken.
  4. Ich stelle mir einen vergleichbaren Ausbruch in Berlin vor, solche Maßnahmen wie in Wuhan wären undenkbar. Und wenn dann vielleicht sogar noch zu allem Überfluss die ‚angesagte Location‘ geschlossen wäre – Katastrophe!

Also Leute, lasst Euch durch die steigenden Erkrankungszahlen in China nicht beunruhigen, für den weiteren Verlauf ist dies eher ein Segen, vorausgesetzt es gelingt den Behörden die Epidemieherde lokal zu halten.

Die Globalisierung ist in Epidemiezeiten zumindest kein Segen.

8 Kommentare zu „Alles sozial oder was … ?

  1. Und ist die Seuche schon schlimm genug, so meint auch noch der momentane Gesundheitsminister sich als Trittbrettfahrer profilieren zu müssen. Er managt diese Krise – oder nimmt sich an Herrn Profalla ein Beispiel und erklärt sie für beendet. So ist der Weg ins Kanzleramt natürlich auch gangbar, oder in ein Amt als Frühstücksdirektor..☺️

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    1. Ja, er tut, als vollbringe er eine Meisterleistung. Dadurch dass die aktuellen Fälle in Deutschland eingeschleppt sind, sich im ländlichen oder dünner besiedelten Raum manifestiert haben, die Virusdichte demzufolge gering ist, limitieren sich die Fälle damit praktisch selbst. Allerdings hätte ich die Betroffenen nicht nach München gekarrt, sondern im ländlichen Bereich isoliert und behandelt. Aber da war wohl der Ehrgeiz der Münchner Mediziner zu groß. Der Minister selbst hat außer einer sorgenvoll gerunzelten Stirn und gesetzten Worten damit null-komma-nichts zu tun.

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      1. Aber für die Omas wirkt er doch so kompetent.. Geht wohl lieber in die Schauspielschule als in den , ohnehin fast immer halbleeren, Plenarsaal☺️

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  2. Du: „Niemand wäre auf die Idee gekommen, in „Seuchensituationen“ unbedingt Individualreisen in die betroffenen Gebiete oder um die Welt, Beispiel Kreuzfahrtschiff siehe oben, zu unternehmen.“ Wenn du die Fahrt aber schon Monate vorher gebucht und bezahlt hast und keine Reiserücktrittsversicherung das Geld zurückzahlen würde, reisen die Leute eben.

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    1. Ist eine Frage der Priorität, dann können sie sich aber auch über das Risiko nicht mokieren. Wenn ich Angst vor einer möglichen Auswirkung einer Reise habe, ist doch die Frage, was ist mir wichtiger, hier ein paar Euro oder die Gesundheit? Nicht jedes Lebensrisiko ist versicherbar.

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