Martin in Erfurt …

Meine Heimat- und jetzige Landeshauptstadt ist getragen von provinzieller Beschaulichkeit, eine gemütliche Großstadt, oder besser größere Stadt, in der der jüngere Mensch praktisch noch alle wichtigen Punkte erlaufen kann.

Erfurt hat sogar ein Theater, der Blick auf den Spielplan und die Besucherzahlen sagt, dass man dort zwar nichts falsch macht, aber auch niemanden vom Hocker reisst, vor allem dann wenn der Hocker nicht direkt im Umfeld, sondern irgendwo in der thüringischen Provinz steht. So viel ich weiss, hat es dort bisher auch nicht eine einzige Skandalaufführung gegeben, schade eigentlich. Ich zumindest würde beim aktuellen Spielplan nicht bis Erfurt fahren, um dort etwa Alexander Puschkins „Märchen vom Zaren Saltan“ zu sehen. Aber das ist sehr subjektiv, seht es mir bitte nach.

In meiner Kindheit wurden wir durch die Schule quasi genötigt ein „Theater Abo“ zu ordern. Damals gab es ein Opernhaus und ein Schauspielhaus, getrennte kleinere Spielstätten.

Für 2 Mark pro Aufführung wurden wir als Kinder durchgeschleust, immer im Wechsel, einmal Oper, einmal Schauspiel, ob wir wollten oder auch nicht. Meistens wollten wir nicht und verschwanden regelhaft zur Pause. Noch heute ist mir ein Rätsel, was wir als rund 10 Jährige mit Lessings „Ringparabel“ im „Nathan dem Weisen“ anfangen sollten?

Wollte ich als Kind zum Opernhaus, hatte ich ca. 25 Minuten Fussweg, zum Theater 5 Minuten länger. Wenn es regnete nahm ich den O-Bus (Oberleitungsbus – elektrisch) und zahlte 8 Pfennige pro Fahrt, später halberwachsen 12 Pfennige.

Heute bezahle ich, angelockt von dem Schild „P+R“ an der Thüringenhalle, für die einfache Fahrt – Straßenbahn oder Dieselbus deutlich > 2 Euro. Nun gut, dafür spare ich mir die nervtötende Parkplatzsuche.

Will man heute in Erfurt „Kultur mit Pfiff“ lohnt sich ein Blick ins Programm der „Alten Oper“. Das ist das Opernhaus meiner Kindheit und wenn ich es betrete, habe ich das Gefühl, dass alles noch so ist wie vor rund 60 Jahren. Irgendwie tut mir das im Vergleich zu vielen hochmodernen heutigen Musiktempeln gut, ich fühle mich hier „zu Hause“. Selbst die Toiletten atmen noch den Charme vergangener Jahrzehnte und die ausgetretenen Steintreppen mit unmöglichen Abmessungen tun ihr Übriges.

So auch vor wenigen Tage, als Martin Kohlstedt und der Gewandhauschor Leipzig unter Gregor Meyer dort gastierten.

Anlass war das gemeinsame – Martin Kohlstedt nennt es selbst – ‚irrwitzige Projekt‘, dass einen jungen intuitiven Musiker (*1988, im thüringischen Eichsfeld), mit einem traditionell klassischen Chor kombiniert.

Heraus kam ein faszinierender Abend, welcher selbst die betagteren Teile des Publikums gnadenlos zu stehendem Applaus nötigte, dabei vergessend, dass nach 2 Stunden in den engen Sesselreihen erbarmungslos die ‚gichtigen‘ Knie um Hilfe schrieen.

Erschöpft, aber zufrieden
Links Martin Kohlstedt mit dem Rücken zur Kamera, rechts Gregor Meyer

Wer Lust hat einmal etwas ganz Besonderes zu hören und zu sehen, es gibt wohl noch zwei Termine, am 8. Februar 20 im Kuppelsaal in Hannover und am 9. Februar 20 im Leipziger Gewandhaus.

Und, selbst eine längere Anfahrt lohnt sich, versprochen! Karten sind knapp, also besser beeilen!

Die Fotos stellt mir unser Sohn Peter Runkewitz zur Verfügung.

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