Reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist und plötzlich steht der Stuhl vor der Tür …

Einer der Grundpfeiler der Demokratie ist die Meinungs- und Redefreiheit.

Im Osten Deutschlands sozialisiert, in einem Staat, der das Wort demokratisch im Namen führte, habe ich eine Einschränkung der Redefreiheit erlebt und ja, auch bewusst akzeptiert.

Als Schulkind von 6 Jahren wurde ich im Dorf stigmatisiert, weil mein Großvater aktiver Nazi war und dafür von 1945 bis 1948 im „Sowjetischen Sonderlager“ Buchenwald gebüsst hatte. Ob dies ‚zu Recht‘ geschah weiss ich nicht, ich habe ihn als guten und warmherzigen Menschen in Erinnerung.

Opa Edmund war Zeit seines Lebens ein armer Schlucker und einmal wollte er auch „etwas zu sagen haben“.

Ich wurde am ersten Schultag der ersten Klasse stigmatisiert, als ich von der Lehrerin den Anderen als „Enkel des Nazis“ vorgestellt wurde.

Selbst als 6jähriger hatte ich von Stund an die Erfahrung, dass es keinen Sinn machte „gegen den Wind zu pinkeln“..

Später habe ich mir, geschützt durch Leistung, das Recht genommen in der DDR jederzeit meine Meinung zu artikulieren, die sich zum Teil mit dem „Mainstream“ deckte, teils aber davon auch deutlich abwich. Erstaunlicherweise ist mir, entgegen den heute verbreiteten „Informationen“, nichts passiert. Selbst als ich mich mit einer Wortmeldung am ‚Goldenen Kalb‘ der DDR, dem Leistungssport, versündigte, zeigte man mir zwar als ‚erste Stufe der Folter zwar die Instrumente‘, letztendlich nahm ich sozial keinen Schaden und es führte zu grundlegenden Veränderungen des Systems.

Mit der Wiedervereinigung machte ich die Erfahrung der „bürgerlichen Demokratie“, von der ich in den ersten Jahren schier begeistert war, auch wenn ich manche Entwicklungen nicht verstand, weil sie meinem sozialen Denken widersprachen.

Mit meinen linken Ideen, manche nannten es – möglicherweise zu recht – Spinnereien, erregte ich in meinem sozialen Umfeld durchaus Widerspruch, Widerspruch in der Sache, gelegentlich auch handfesten Widerstand, ohne dass daraus eine soziale Ausgrenzung resultierte.

In den letzten Jahren hat sich die Lage grundlegend geändert. Noch immer kann ich alles denken, noch immer kann ich alles sagen, allerdings muss ich damit rechnen, dass ich bei „nicht massenkonformem“ Verhalten wieder stigmatisiert werde.

Als 6 Jähriger wurde ich – völlig schuldlos – als Enkel des Nazis stigmatisiert.

Heute werde ich als Rechter oder gar Nazi bezeichnet, wenn ich nicht zu 100 % bei der Masse bin, wenn ich eine eigene Meinung habe, etwa zur ineffizienten EU, etwa zum missglückten Konstrukt des € oder gar zur Aufgabe wichtiger staatlicher Strukturen und Funktionen,während der Staat gleichzeitig unbedingte Loyalität von mir einfordert. Glücklicherweise habe ich nicht öffentlich das Sakrileg begangen, gegen die Gender-Ideologie zu verstossen und bei #MeToo bin ich bisher nicht ins Visier geraten. Nur mit dem „menschengemachten Klima“ habe ich so mein Problem.

Es ist faszinierend, dass die Gesellschaft schon wieder – diesmal offen – damit droht, mir den Stuhl vor die Tür zu stellen.

Das muss gesellschaftlich wohl so sein, der Unterschied zur DDR besteht darin, dass selbst Lebensleistung heute nicht mehr vor gesellschaftlicher Ausgrenzung schützt. Viele – ehemals – berühmte Namen können davon Zeugnis ablegen.

Gegen die tatsächlichen Leistungsträger der Einheitsgesellschaft wie Greta aus Schweden, ‚Extinction Rebellion‘, Carola Rackete und andere kommt man eben nicht an.

Also lasse ich es.

Der Stuhl im Warmen ist letztendlich doch angenehmer, selbst wenn ich dann nicht mehr so reden kann, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Wahrscheinlich hätte eine rechtzeitige LMA-Stimmung auch Opa Edmund 1945 vor Buchenwald gewahrt.

2 Kommentare zu „Reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist und plötzlich steht der Stuhl vor der Tür …

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