Die Maschinerie läuft auf Hochtouren…

Der neue Tag beginnt, wie der alte endete und das mediale Trommelfeuer geht weiter.

Gestern habe ich Euch die Mechanismen der Ausgrenzung als Instrument zur Erlangung und Erhaltung der politischen Macht skizziert.

Neben verhaltener Zustimmung haben mich auch persönlich beleidigende Mails erreicht, wobei die Bezeichnung „Wegbereiter der AfD“ noch zu denen mit guter Netiquette gehören.

Es juckt mich persönlich nicht, gehört es doch – wie dargelegt – zur Methode.

Gestern bzw. heute wird nun bereits nachgelegt und bekräftigt meine Meinung:

https://www.welt.de/vermischtes/article204618322/Oma-ist-ne-alte-Umweltsau-WDR-Kinderchor-sorgt-fuer-Empoerung.html

Lest den Text selbst, er spricht für sich.

Das Elaborat selbst – im negativen Sinn gemeint – dargeboten von Kindern ist allerdings inzwischen von der Website des WDR sang- und klanglos verschwunden, aber das Internet vergisst zum Glück nichts.

Der Gipfel der Volksverarschung ist das Statement des WDR auf die einsetzenden Proteste:

Mir bleiben hier die Worte im Hals stecken, wie anders als Instrumentalisierung könnte das bezeichnet werden? Und, der Gipfel der Chuzpe: der WDR ist das Opfer, das Opfer der dummen Menschen, die die „Satire“ nicht verstehen.

Man kann auf jede Unverschämtheit noch eine drauf setzen, sogar mit Tränen in den Augen. Ob es sich dabei um Tränen der Scham (glaube ich nicht), Tränen, ob der erlittenen Beleidigung (glaube ich noch weniger) oder Tränen des Lachens, ob des gelungene Coups handelt, muss hier offen bleiben, da die Sache sonst vielleicht schon justitiabel wird.

Vielleicht kann uns Unwissenden der schneidige WDR hierzu eine Antwort geben? Oder halten uns die Verantwortlichen des WDR für so dämlich, dass wir neuerdings alles glauben, was sie uns – in gnädiger Weise – zum Frass vorwerfen?

Übrigens, der WDR-Kinderchor besteht – zumindest zu diesem Auftritt -ausschließlich aus sehr jungen Mädchen, die offenbar alle begeistert das Schmählied auf die Generation ihrer Großeltern singen. Nur vorn hampelt ein männlicher Chorleiter herum, Chorleiter.

Es kann vermutet werden, dass hier schon die ’nächste Generation‘ herangezogen wird?

Der Prozess der Ausgrenzung Andersdenkender geht in atemberaubender Geschwindigkeit weiter, die deutsche Geschichte der letzten 100 Jahre gibt uns dafür mindestens zwei – zum Glück gescheiterte – historische Vorbilder. Zumindest wir Älteren können also gut vergleichen.

Hier noch der komplette Text, wobei der letzte Satz der Höhepunkt des Ganzen ist, eine unverhohlene Drohung.

„Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau!

Meine Oma sagt: „Motorradfahren ist voll cool.“ Sie benutzt das Ding im Altersheim als Rollstuhl. Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau!

Meine Oma fährt im SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator. Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau!

Meine Oma brät sich jeden Tag ’n Kotelett, weil Discounterfleisch so gut wie gar nichts kostet. Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau!

Meine Oma fliegt nicht mehr, sie ist geläutert. Stattdessen macht sie jetzt zehn Mal im Jahr ’ne Kreuzfahrt. Meine Oma ist doch keine Umweltsau!

We will not let you get away with this!”

Ausgrenzung als Anfang vom Ende …

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit einer Recherche zum Thema:

„Warum wurden im 3. Reich „normale“ Menschen plötzlich zu Mördern, ja zu Massenmördern?“

Speziell interessiert mich das Thema für die Medizin. Warum wurden Krankenschwestern und Ärzte scheinbar von heute auf morgen zu Mördern, beispielsweise bei Verbrechen der „Euthanasie“ oder weniger banalisierend im Rahmen der „Aktion T4“.

Auch nach > 70 Jahren renne ich dabei noch gegen Wände und verschlossene Türen.

Im Kontext habe ich mich auch mit der Frage beschäftigt: Warum konnten die Juden in Deutschland so ausgegrenzt und letztendlich physisch vernichtet werden? Warum hat sich in dieser Tragödie praktisch so gut wie keine Hand zugunsten der jüdischen Bürger geregt?

Auch hier die Frage, wie konnten scheinbar aus dem Nichts „normale“ Menschen, meist Männer, aber auch Frauen waren aktiv, zu Mördern, zu Massenmördern werden? Wie konnten einfache Bürger diese Verbrechen nicht nur stillschweigend dulden, sondern großteils begrüßen oder gar aktiv mittun?

Wie konnten die Männer in den Polizeibataillonen und den Sondereinheiten, darunter nicht wenige einfache Familienväter, am Fließband töten? Wie konnten sie in Babyn Jar, im Warschauer Ghetto oder in Auschwitz gnaden- und gewissenlos morden? Wie konnten aber auch einfache Bürger sich ohne Vorbehalte das Eigentum, die Kleidung, die Wohnung, den Besitz der „umgesiedelten“ jüdischen Bürger aneignen?

Spricht man mit den wenigen noch erreichbaren Zeitzeugen, berufen sich fast alle auf eine Art „Befehlsnotstand“. „Was hätten wir denn tun sollen?“ Die Antwort darauf ist ganz einfach: „Es hätte gereicht, ihr hättet nicht mitgetan! Die, die zu Tätern wurden, taten dies freiwillig.

Das „Phänomen“ ist aber trotz allem relativ einfach zu erklären:

Schon lange vor der „Machtergreifung“, noch in der Bürgerlichen Weimarer Republik, setzte ein propagandistisches Trommelfeuer vorrangig gegen Juden und Behinderte, später auch gegen politisch Andersdenkende ein. Dabei wurde die Sprache immer martialischer, das Ganze zum ‚Kampf‘ im Interesse der Guten, der Fleißigen, der ‚Volksgenossen‘, erklärt.

Die Juden ‚waren anders‘, sie trugen an allem Unglück der Welt schuld, die „jüdische Weltverschwörung“ trachtete allen ‚Ehrbaren‘ nach Gut, Leib und Leben usw. usw.

Sie wurden zu ‚Volksschädlingen‘ oder im Falle der Behinderten zu ‚unnützen Fressern‘ degradiert, Folge war die offene und vorbehaltlose gesellschaftliche Ausgrenzung aus dem Kreis der – ohne Zweifel über Jahre wirtschaftlich und auch sozial erfolgreichen – ‚deutschen Volksgemeinschaft‘.

Das alles übergreifende Thema des Nationalsozialismus waren die „Juden“ und die „Verrückten“, später auch die Kommunisten, Sinti und Roma, Homosexuelle, Minderheiten also.

Der Schritt war klein, bis fast jeder ‚einsah‘, dass die physische Vernichtung das „Vernünftigste“ wäre, um mit dem ‚unnützen Ballast‘ ein für allemal fertig zu werden.

Die Tötung der somit ausgegrenzten Menschen wurde selbstverständlich, wurde zum Dienst an der ‚erfolgreichen Volksgemeinschaft‘ hochstilisiert.

Die Täter waren somit in den Augen der Gesellschaft keine Mörder, sondern sie leisteten ‚einen wichtigen Dienst am Volk‘.

In diesem Kontext sei erwähnt, dass die Spitzen des nationalsozialistischen Machtapparates bei der ‚Machtübernahme‘ 1933 sehr jung, fast alle, mit sehr wenigen Ausnahmen, von Mitte 20 bis um die 40 Jahre alt, waren. Ein Alter, in dem man einerseits noch sehr radikal denkt und andererseits relativ leicht zu beeinflussen ist.

Warum berichte ich das heute, einen Tag nach Weihnachten, so explizit?

Heute morgen nehme ich die ZEIT aus dem Briefkasten. Auf der ersten Seite ein Beitrag zum Jahreswechsel mit der Überschrift: „Nochmal davon gekommen“.

Die erste Zeile:

„Die Knie zittern, die Dämme halten: die befürchteten Katastrophen sind 2019 ausgeblieben.“

Im weiteren Text finden wir die ‚ausgebliebenen Katastrophen‘ aufgelistet, allen voran die AfD, Johnson und der Brexit, Donald Trump, Putin und China – als fleischgewordene Inkarnation alles Bösen dieser Welt. Ausgrenzung ist angesagt! Deutschland gegen den Rest der Welt, vielleicht mit Ausnahme von Luxemburg.

Der Beitrag, ohne Autorenangabe, endet mit dem Satz:

„(2020) könnten Angela Merkel und und Ursula von der Leyen Reformen in Gang setzen, wie schon gelegentlich in der Bundespolitik, und es wäre genug zu tun: in der Flüchtlingspolitik, bei der Digitalisierung und beim Kampf gegen die Klimakrise.“

Der Himmel bewahre uns davor!

Leute haltet ein, die Geschichte lehrt uns, dass Ausgrenzung Andersdenkender in die Katastrophe führt, seien es die Juden, die Menschen mit Handicap, seien es AfD-Wähler, Boris Johnson, Donald Trump oder Sinti und Roma.

Heute alles übergreifende Themen sind schon gefunden, die „Klimakrise“, der „Kampf gegen Rechts“, und was weiss ich, was da noch in Hinterhand lauert. Dem wird alles, aber auch wirklich alles untergeordnet, selbst der sachliche Zweifler wird zum Feind erklärt.

Die bürgerliche Demokratie war nur dann stark, wenn sie – wie im Kalten Krieg – tatsächliche oder imaginierte Gegner ‚umarmte‘, ihnen damit das Potential zur Aggression nahm. Sie war verwundbar, wenn sie die Spaltung der Gesellschaft vorantrieb, wenn sie versuchte Interessengruppen gegeneinander auszuspielen.

Ich zumindest möchte nicht erleben dass Andersdenkende wieder außerhalb der ‚Gesellschaft‘ verortet werden, der Schritt zum „Dienst am Volk“ ist dann klein.

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