Die Milchkanne, die Zumutung und die Ministerin

Die Bundesministerin Anja Karliczek hat eine ausgesprochene Affinität zu Fettnäpfchen. Wenn irgendwo ein selbiges herumsteht, sie latscht hinein. Sie stellt die Homo-Ehe in Frage, sieht Bedarf in der Erforschung der sozialen Kompetenz gleichgeschlechtlicher Ehen, erfindet neue akademische Graduierungen und legt sich neuerdings mit Milchkannen an.
Anja Karliczek, Baujahr 1971, ist Bundesministerin für Forschung und Bildung. Nicht nur sie selbst war überrascht, dass sie 2018 in dieses Amt berufen wurde. 
Möglicherweise hat der Abschluss mit Diplom als Kauffrau an der Fernuniversität Hagen sie zur Forschungsministerin prädestiniert. Einen weitergehenden akademischen Grad hat sie nicht erworben, macht aber wohl nichts. Statt dessen ist sie nach ihrer Vita ausgesprochen fit in Firmkatechese.
Frau Ministerin hat jetzt ein für sie völlig neues Wissensgebiet erschlossen – die Milchkanne. 
Unklar ist, ob Frau Forschungsministerin jemals eine Milchkanne in ihrem eigentlichen Bestimmungszweck und nicht nur als Deko im Foyer des elterlichen Hotels erlebt hat.
Milchkannen dienten früher dem Transport der Milch, von der Kuh zur Molkerei und danach aus der Molkerei in den Verkauf.

In unserem Dorf gab es seinerzeit einen Milchmann. Er hatte einen nur kleinen Verkaufsraum, ein größerer wäre ob des überschaubaren Angebots pure Verschwendung gewesen.
Meist standen dort 2 Milchkannen, eine für Vollmilch, eine für Buttermilch. Aus einer großen Schüssel verkaufte er lose und portionsweise Quark, an guten Tagen gab es auch lose Butter zu kaufen.

Ein kubischer Butterblock lag auf dem offenen Verkaufstisch, mit einem großen Messer wurde ein Stück abgeschnitten, abgewogen, in Butterbrotpapier verpackt bekam man es ausgehändigt.

Die Milch wurde mit einem Messbecher aus der Kanne geholt und in eine mitgebrachte kleinere Milchkanne als Blech umgefüllt. Über die ganze Öffnungszeit wurde das gleiche Mass genutzt, nicht ausgewaschen oder desinfiziert, es kam einfach immer wieder in die Milch.

Quark gab es aus einer großen Schüssel, ebenfalls lose, am besten man brachte eine Schüssel von zu Hause mit und bekam die gewünschte Menge abgewogen. 

Ach so, manchmal, nicht jeden Tag gab es auch Käse. Fast immer gab es Stangenkäse, ein Sauermilchkäse, der zu Hause erst unter heftigem Geruch reifen musste. Meist kam er in ein Weck-Glas, wechselte die Farbe von weiss auf gelb und war „reif“ und essbar, wenn er auf dem Glasboden breitgelaufen war. Der Geruch ähnelte und ähnelt dem Aroma länger getragener Männerstrümpfe, die pure Zumutung.

Also Milchkannen waren seinerzeit und sind gelegentlich auch heute noch sehr sinnvolle Alltagsgegenstände.

Nun hat die Frau Forschungsbundesministerin festgestellt, „nicht jede Milchkanne brauche einen Telekommunikationszugang zu 5G“. Damit hat sie ganz sicher recht, was sollte die Milchkanne auch damit? Sie erfüllt ihre Funktion problemlos auch ohne Handy.

Auf jeden Fall ist eine Milchkanne eine sinnvolle Sache, was man von vielen Politikern mit 4G-Zugang nicht behaupten kann. 

Mal sehen, wie sich die Zukunft für Frau Karliczek so gestalten wird. Vielleicht gibt es ja sogar für sie noch eine sinnvolle Verwendung, hoffentlich ohne das Aroma reifen Stangenkäses. Oder sie bleibt weiter eine Zumutung.

 

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